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Veröffentlicht: 25.12.2013, 12:15 Uhr

African Development Corporation Bob Diamonds Weg nach Afrika führt über Frankfurt

Der ehemalige Barclays-Chef interessiert sich für Afrika-Investments und strebt deshalb die ADC-Mehrheit an. Vor etwa einer Woche brachte er das Investmentvehikel Atlas Mara an die Börse London.

von Christian von Hiller
© dapd Von 1996 bis Juli 2012 für Barclays tätig: Bob Diamond

Bob Diamond kann von Banken offenbar nicht lassen. Als Vorstandsvorsitzender der britischen Großbank Barclays musste Diamond im Juli 2012 zurücktreten wegen der Verwicklung der Bank in den Skandal um Manipulationen des wichtigen Referenzzinses Libor. Doch von Banken kann der Banker, der vor 62 Jahren in den Vereinigten Staaten geboren wurde, offenbar nicht lassen. Vor rund einer Woche brachte er das Investmentvehikel Atlas Mara an die Börse London. Da hieß es noch vage, seine Investmentfirma, die 325 Millionen Dollar (238 Millionen Euro) laut eigenen Angaben bei Investoren einsammelte, solle ein Finanzdienstleistungsgeschäft in Afrika aufbauen. Dafür sei schon eine Übernahme ins Auge gefasst worden. Er selbst und sein Partner Ashish Thakkar haben angeblich je 20 Millionen Dollar in Atlas Mara investiert.

Diamond wird für den Weg nach Afrika nach Informationen dieser Zeitung einen Umweg über Frankfurt machen. Atlas Mara strebt demnach eine bestimmende Position an der ADC African Development Corporation AG an, die ihren Sitz im Grüneburgweg 18 im Frankfurter Westend hat und deren Aktien im Freiverkehr an der Börse Frankfurt gehandelt werden. Die ADC wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Aus einem besonderen Grund interessant

Die ADC ist eine der wenigen Gesellschaften, die ohne größere Blessuren den Zusammenbruch der Finanzgruppe Angermayer, Brumm und Lange (ABL) im Herbst 2012 überstanden haben. Im Herbst 2010 wurde die ADC gegründet, um moderne Finanzdienstleistungen nach Afrika zu bringen. Doch nach dem Ausstieg der Angermayer-Gruppe aus der ADC vollzogen der Vorstandsvorsitzende Dirk Harbecke und sein Aufsichtsratsvorsitzender Alastair Newton einen Strategieschwenk: Von einer Beteiligungsgesellschaft wandelte sich die ADC in eine Holding, die aktiv Anteile an interessanten Banken in Afrika hält.

Infografik / ADC African Development Corp. / Aktienkurs © F.A.Z. Vergrößern Kursentwicklung seit dem 17. Dezember 2010

Die ADC ist für Diamond aus einem besonderen Grund interessant: Die Gesellschaft ermöglicht einen raschen, unkomplizierten Einstieg ins afrikanische Bankgeschäft, ohne dass Atlas Mara hohe aufsichtsrechtliche Hürden, die vor dem Erwerb von Banken in Afrika stehen, nehmen müsste. Zudem ist die ADC, obwohl gerade einmal drei Jahre alt, quer über den afrikanischen Kontinent aktiv.

Zwei Beteiligungen machen die ADC als Übernahmeziel begehrenswert: Die ADC ist an der Banc ABC beteiligt, die in Botswana, Moçambique, Tansania, Sambia und Simbabwe aktiv ist. Zudem ist die ADC Mitglied eines Konsortiums, das die Mehrheit an der Union Bank of Nigeria (UBN) hält. Damit ist die ADC auf einem der am schnellsten wachsenden Bankenmärkte Afrikas vertreten. Kurz bevor Atlas Mara begann, sich für die ADC zu interessieren, lancierte Harbecke ein Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Banc ABC. Übernimmt die ADC die Banc ABC komplett, macht dies die Frankfurter für Diamond und Thakkar nur noch interessanter.

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23 Prozent der knapp 9,5 Millionen ADC-Aktien liegen beim Rohstoffkonzern Trafigura. Weitere Positionen von jeweils etwa 5 Prozent halten die Londoner Banker Christopher Charles Rokos und Ben Melkman. Da die Aktien der ADC im Entry Standard genannten Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelt werden, gelten für die Gesellschaft geringere Publizitätspflichten, sodass die exakten Anteilsverhältnisse nur geschätzt werden können. Doch der Streubesitz liegt wohl bei rund 35 Prozent der Aktien, allenfalls bei 40 Prozent. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell knapp 80 Millionen Euro ist die ADC auch nicht übermäßig teuer. Zumindest könnte Diamond sie sich leisten, ohne bei Barclays wegen eines Kredits vorsprechen zu müssen.

Der Kurs von Atlas Mara jedenfalls ist seit der Erstnotiz am 17.Dezember von 10,20 Dollar auf nun 12 Dollar gestiegen. Den Einstieg bei ADC könnte Diamond dank der Börsennotiz von Atlas Mara mit eigenen Aktien bezahlen. Je höher dieses Vehikel notiert, desto günstiger wird somit für Diamond sein Afrika-Ausflug.

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