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Aktualisiert: 01.03.2016, 10:55 Uhr

Bewertungsportal für Ärzte Geschäftsmodell Ärzte-Bashing

Der Bundesgerichtshof hat in Sachen des Ärztebewertungsportals Jameda geurteilt. Dieses sammelt im Internet Benotungen für Ärzte. Wie genau funktioniert die Seite und ist ein guter Ruf käuflich?

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© dpa Woher weiß der Patient, welcher Arzt gut ist?
 
Jameda sammelt im Internet Benotungen für Ärzte. Ist ein guter Ruf käuflich?

Die Rache des enttäuschten Patienten kommt über das Internet. Sie klingt etwa so: „Katastrophe und absolut nicht vertrauenswürdig“, ätzte ein anonymer Nutzer auf dem Ärztebewertungsportal Jameda über eine Kölner Dermatologin. „Zu vermeiden!!!“, keifte ein anderer schon in der Titelzeile. In der Bewertungsliste ging es im gleichen Duktus weiter: „Behandlung: 6,0, Aufklärung 6,0, Vertrauensverhältnis 6,0, Genommene Zeit 6,0, Freundlichkeit 6,0“. Das Ergebnis der Bewertung summierte sich, wenig überraschend auf eine glatte, vernichtende Note 6,0.

Corinna Budras Folgen:

Man muss die Dermatologin nie gesehen haben, um zu wissen: Das ist keine sachliche Bewertung, sondern eine Diffamierung. Absender? Unbekannt. Aussagegehalt: gleich null.

Exklusive Jameda-Mitgliedschaft

Trotzdem prangte die Bewertung auf dem Online-Portal Jameda, das sich „Deutschlands größte Ärzteempfehlung“ nennt. Alle 280.000 niedergelassenen Ärzte sind dort aufgelistet, knapp eine halbe Million Heilberufler insgesamt. Angeblich fünf Millionen Internetnutzer besuchen die Seite jeden Monat. Das ist ein breites Forum für öffentliche Lästereien. Insgesamt 17 Mal ist eine solche Fundamentalkritik auf dem Profil der niedergelassenen Ärztin erschienen: Schmähkritiken, in denen ihr wahlweise die Kompetenz, die Menschlichkeit oder jegliches Organisationstalent abgesprochen wurde. Ihre Durchschnittsnote war dadurch auf eine beschämende 4,7 gesunken, im Durchschnitt liegt die Bewertung nach Angaben von Jameda bei 1,82. Gegen jede einzelne dieser 17 Anschuldigungen ging sie vor, Jameda musste jede einzelne löschen, weil sie unwahre Behauptungen enthielt. Innerhalb weniger Wochen stieg die Bewertung so auf 1,5, ohne dass sich an der Kompetenz, Menschlichkeit oder dem Organisationstalent der Ärztin in dieser Zeit etwas geändert hatte. Ein schöner Marketingerfolg – der viel Zeit, Geld und Nerven kostete.

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Einen schönen Marketingerfolg hätte die niedergelassene Ärztin einfacher haben können, mit einer exklusiven Jameda-Mitgliedschaft. In drei unterschiedlichen Kategorien bietet das Ärztebewertungsportal einen besonderen Service: „Silber“ für 55 Euro im Monat, „Gold“ für 65 Euro monatlich und „Premium“ für 135 Euro im Monat. Das scheint sich zu lohnen: Die Jameda GmbH beschäftigt rund 40 Mitarbeiter und hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 6 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Vorsteuergewinn (Ebitda) belief sich auf rund 2Millionen Euro.

Vorwurf der Manipulation

Ärzte, die sich das leisten – bis zu 1520 Euro im Jahr – werden mit ihrem Profil ins rechte Licht gerückt. Negative Beurteilungen gibt es zwar auch bei Ärzten mit einer bezahlten Mitgliedschaft, aber im Netz häufen sich Berichte, in denen sich empörte Patienten darüber beschweren, ihre negative Bewertung sei niemals auf dem Profil des beanstandeten Gold-Arztes aufgetaucht. Ein Arzt aus Rheinland-Pfalz berichtet gar von einem Jameda-Vertreter, der unangekündigt in seiner Praxis erschien und die Mitgliedschaft damit anpries, im Falle negativer Bewertungen könne man einen für beide Seiten gangbaren Weg ausloten.

Jameda weist solche Vorwürfe entschieden zurück. Kein Jameda-Mitarbeiter verspreche Ärzten das Löschen negativer Bewertungen aufgrund einer kostenpflichtigen Kundenbeziehung, stellt das Unternehmen auf Anfrage klar. „Dieses Versprechen würde am Ende auch nicht eingehalten werden“, heißt es in einer Stellungnahme. „Beim Prüfen von Bewertungen werden alle Ärzte gleich behandelt – völlig unabhängig vom Kundenstatus.“

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