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ADC African Development Corporation Kursverluste ausgebügelt

23.12.2011 ·  Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft, die auf Afrika-Investments spezialisiert ist, steigt seit Sommer kräftig im Kurs. Gerade wurde das Kapital erhöht.

Von Christian von Hiller, Frankfurt
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Nur wenige Aktien dürften in diesem Jahr ihre Kursverluste wieder aufgeholt haben. Der ADC African Development Corporation, einer Finanzgesellschaft, die trotz ihres englischen Namens den Gesellschaftssitz und die Heimatbörse in Frankfurt hat, gelang dies.

Der ADC-Kurs ist bis Anfang August um gut 50 Prozent (seit Emission) auf ein Tief von 5,90 Euro gefallen. Seitdem hat er sich genauso kräftig erholt. Das Papier notiert mit etwa 11,70 Euro nur geringfügig unter den 12,45 Euro, mit denen der Titel im Dezember vergangenen Jahres an der Börse gestartet war.

Kapitalerhöhung plaziert

Dabei hat die Gesellschaft am Donnerstag sogar eine Kapitalerhöhung von 10 Prozent des Eigenkapitals von bisher rund 72,1 Millionen Euro plaziert. Auch dies ist in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Dass ADC im dritten Quartal einen Nettogewinn von 2,9 Millionen Euro auswies und soeben den Ergebnisausblick auf das kommende Jahr anhob, dürfte dies erleichtert haben.

Nur wenige Analysten verfolgen diesen Dividendentitel. Derzeit geben lediglich die DZ-Bank und die Frankfurter Wertpapierbank Silvia Quandt & Cie Anlageempfehlungen für ADC ab. Silvia Quandt zählt zu dem Umfeld derselben Unternehmensgruppe. Beide Häuser empfehlen die Aktie zum Kauf, Silvia Quandt mit einem Kursziel von 14,80 Euro und die DZ-Bank mit einem Kurs von 18,20 Euro.

Teil der Angermayer-Gruppe

Wie ADC gehört Silvia Quandt zu Angermayer Brumm Lange (ABL). Der Gründer der ABL-Gruppe Christian Angermayer hat über die Jahre hinweg ein verzweigtes Geflecht an Beteiligungen aufgebaut. Der Finanzvertrieb Aragon mit seiner Tochtergesellschaft Jung DMS & Cie gehört genauso dazu wie die Altira Group, bei ADC angesiedelt ist. Altira wiederum ist eine Finanzgruppe, die in Afrika, in den deutschen Mittelstand und in erneuerbare Energien investiert. Noch viele andere Beteiligungen, die ABL nicht zum Kerngeschäft zählt, fallen in den Einflussbereich der Gruppe. Wegen dieser Unübersichtlichkeit muss der Mehrheitseigner Angermayer immer wieder Kritik einstecken.

ADC ist so jung wie die Märkte in Afrika, auf denen sich das Unternehmen unter Führung ihres Vorstandsvorsitzenden Dirk Harbecke engagiert. Erst im Jahr 2007 wurde ADC von Altira unter der Federführung Angermayers gegründet und ging vor einem Jahr mit einem Emissionsvolumen von 43 Millionen Euro an die Frankfurter Börse. Die Zeiten waren damals so schwierig wie heute, und dementsprechend unterkühlt war der Empfang, der diesem exotischen Neuling im Aktienhandel bereitet wurde.

Pioniergeist

Viele Marktteilnehmer betrachteten den Start von ADC anfangs mit Skepsis. Der afrikanische Kontinent gilt in breiten Kreisen noch als genauso abenteuerlich wie zu Zeiten des schottischen Entdeckers David Livingstone, der im Jahr 1855 als erster Europäer bis zu den Victoria-Wasserfällen des Sambesi-Flusses vorstieß.

ADC beteiligt sich am Aufbau eines modernen Finanzdienstleistungssektors in Afrika, zuerst in Ruanda, dann auch stark im südlichen Afrika - in Ländern wie Botswana oder Sambia. Selbst in Zimbabwe, wo vor kurzem noch eine Hyperinflation die Wirtschaft in die Krise stürzte, investierte ADC. So ist die Finanzgesellschaft seit dem Jahr 2009 an der Ecobank in Zimbabwe beteiligt, einer Bank, die im Firmenkunden- und dem breiten Privatkundengeschäft aktiv ist und zu den größten Banken des Landes zählt.

Elektronischer Zahlungsverkehr in Ruanda

Doch ADC geht es nicht nur um Beteiligungen an Banken. Denn die eigentliche Wachstumsgeschichte, die ADC der Börse bietet, ist der Aufbau eines leistungsfähigen Finanzdienstleistungssektors auf dem Kontinent. Deshalb investiert ADC dort, wo eine moderne IT, Mobile Banking oder eine komplette Überarbeitung der Arbeitsabläufe notwendig ist. Harbecke will Aufbauarbeit leisten und ist deshalb auf der gesamten Wertschöpfungskette im Finanzgeschäft aktiv.

In Ruanda beispielsweise ist ADC Mehrheitseigner von R-Switch, der nationalen Schnittstelle im elektronischen Zahlungsverkehr des Landes. R-Switch produziert Bankkarten, betreibt 180 Geldautomaten und führt gerade einen elektronischen Zahlungsverkehr im Einzelhandel ein. In Kenia ist ADC an Rheal Insurance, einem privaten Krankenversicherer, beteiligt.

Priorität der Weltbank

Dass der Bedarf an Finanzdienstleistungen in Afrika groß ist, haben viele erkannt. So genießt „financial inclusion“, der breite Zugang der Afrikaner zu Bankdienstleistungen, hohe Priorität bei der Weltbank. Auch Stiftungen wie die Bill and Melinda Gates Foundation sind auf diesem Feld aktiv. Zudem entdecken private Investoren hier Geschäftsmöglichkeiten, doch meist nur in weiter entwickelten Ländern wie Ghana oder Nigeria.

ADC hingegen schreckte nicht einmal vor einem Engagement bei der Bank Bange in Äquatorial-Guinea zurück, einem Land, das die Wissenschaftler Jean-François Bayart, Stephen Ellis und Béatrice Hibou noch im Jahr 1999 rundweg einen „kriminellen Staat“ nannten. Buchautor Adam Roberts bezeichnete das reiche Ölförderland, das seit dem Jahr 1979 von Teodoro Obiang regiert wird, in seinem Buch „The Wonga Coup“ von 2007 gar als das „Dachau Afrikas“.

Andere Risiken als in Europa

Investoren in Afrika achten in der Regel meist auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Wie gut sind Eigentumsrechte gesichert? Wie ausgeprägt ist der Wille zu Wirtschaftsreformen? Wie verlässlich lassen sich Geschäfte abwickeln? Wer sich für afrikanische Aktien interessiert, muss sich dessen bewusst sein.

So achtet auch ADC vor allem darauf, ob die wirtschaftliche Entwicklung eines Marktes vielversprechend ist, und rechnet ohnehin damit, dass Investitionen in Afrika anderen Risiken ausgesetzt sind als in Europa. Nach eingehender Untersuchung ist die ADC-Führung dann doch zur Überzeugung gekommen, dass Äquatorial-Guinea nun auf dem richtigen Weg ist.

Als Basisinvestment zum Aufbau der Altersvorsorge eignen sich Titel wie die von ADC ohnehin nicht, sie sind nur etwas für risikobewusste Anleger, die selbst mit einem gewissen Unternehmergeist ausgestattet sind. So hat auch ADC einen relativ stabilen Aktionärskreis von Anlegern, die dem Unternehmen wohl längerfristig treu bleiben und ihm jetzt weitere Mittel zur Expansion zur Verfügung stellen. Trafigura, das internationale Handelshaus und einer der größten unabhängigen Ölhändler, hat seinen Anteil an ADC gerade eben auf 15 Prozent erhöht.

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