Home
http://www.faz.net/-gv6-757py
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Zertifikate und ETFs

Abzug von Finanzkraft Asiaten transferieren weiterhin das meiste Schwarzgeld

Entwicklungsländer leiden unter dem illegalen Abzug von Finanzkraft. Ein großer Teil der Schwarzgeldflüsse auf der Welt entsteht in Asien. China steht einsam an der Spitze - vor Malaysia.

© dpa Vergrößern Die Wirtschaft in Indien brummt, Schwarzgeld-Überweisungen auch

Immer mehr Schwarzgeld wird aus Asien verschoben. Im Jahrzehnt seit 2001 ist der illegale Abfluss von Geldern aus Entwicklungsländern inflationsbereinigt um 8,6 Prozent jährlich gestiegen - und damit schneller als deren durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 6,3 Prozent jährlich. Die asiatischen Entwicklungsländer stehen dabei für gut 61 Prozent der weltweiten illegalen Geldabflüsse. Dies hat die amerikanische Organisation Global Financial Integrity (GFI) in ihrem jüngsten Bericht ermittelt. Ihren Berechnungen nach sind den Entwicklungs- und Schwellenländern auf diese Weise allein im Jahr 2010 bis zu 1138 Milliarden Dollar Schwarzgeld entzogen worden.

Christoph Hein Folgen:    

Weit vorne liegt dabei die Volksrepublik China mit 2742 Milliarden Dollar in der Dekade zwischen 2001 und 2010 - das ist mehr, als die übrigen neun der führenden zehn Staaten zusammen verloren haben; unter den zehn Ländern mit den höchsten illegalen Geldtransfers folgen dann aber schon weitere asiatische Staaten wie Malaysia (285 Milliarden Dollar), die Philippinen (138), Indien (123) und Indonesien (109). Außerdem befinden sich unter den ersten zehn gelisteten Staaten Mexiko (476), Saudi-Arabien (210), Russland (152), Nigeria (129) und die Vereinigten Arabischen Emirate (107).

Vor allem dank der enormen Ausflüsse aus China stehen die zehn führenden Schwarzgeldländer für rund 80 Prozent des gesamten illegalen Geldtransfers aus Entwicklungsländern. Der stärkste Zuwachs stammt den amerikanischen Forschern zufolge aus den Ländern des Mittleren Ostens mit durchschnittlich 26 Prozent jährlich - sie führen dies auf steigende Ölpreise zurück, die grundsätzlich zu höheren Anreizen für Geldtransfers verleiteten, die nicht ordentlich verbucht werden. Asiens Zuwachsrate lag auf höherem Gesamtniveau geringer bei durchschnittlich 7,8 Prozent.

Mehr als 500 Milliarden Dollar Schwarzgeld zusätzlich

Unter dem Strich sind seit 2001 mehr als 500 Milliarden Dollar Schwarzgeld aus Entwicklungsländern zusätzlich illegal abgeflossen, heißt es bei den amerikanischen Forschern. Etwa 80 Prozent davon seien durch gefälschte Rechnungsstellungen transferiert worden. In Asien machen die vorsätzlich falsch ausgestellten Rechnungen sogar 94 Prozent aller Schwarzgeldtransfers aus. „Unseren Schätzungen nach ist die falsche Rechnungsstellung die bevorzugte Methode zum Transfer illegaler Gelder in allen Regionen außer im Mittleren Osten, wo sie nur für 37 Prozent der gesamten Abflüsse in der Dekade bis 2010 steht“, heißt es in dem Bericht.

Infografik / Schwarzgeld aus Asien © F.A.Z. Bilderstrecke 

Am Beispiel Indiens wird deutlich, wie groß der Schaden durch den unrechtmäßigen Entzug der Gelder für die Menschen ist. Dieser schränkt die Investitionsmöglichkeiten in Asiens drittgrößter Volkswirtschaft deutlich ein. „123 Milliarden Dollar ist eine enorme Summe für die indische Volkswirtschaft. Deren Verlust hat sehr reale Konsequenzen: Es sind mehr als 100 Milliarden Dollar, die in Bildung, Gesundheit oder den Ausbau der Infrastruktur hätten investiert werden können“, sagt Dev Kar, Chefvolkswirt bei GFI.

Mehr zum Thema

„Vielleicht hätte der Stromausfall im vergangenen Sommer vermieden werden können, wenn ein Teil dieses Geldes in den Ausbau des Netzes investiert worden wäre.“ GFI-Direktor Raymond Baker nimmt Bezug auf die seit Jahren in Indien gärende Schwarzgelddebatte: „Dabei geht es vor allem um das Zurückholen des Schwarzgeldes, das schon verloren ist. Das nutzt nichts, solange die indische Volkswirtschaft weiterhin so viel illegale Gelder entschwinden lässt. Politiker und die Öffentlichkeit sollten sich darauf konzentrieren, den fortgesetzten Abfluss von Geld zu unterbinden.“

Im Vergleich zu Asien hat das Problem abfließenden Schwarzgeldes in den westlichen Industriestaaten deutlich geringere Dimensionen. Nach der Untersuchung machen sie weniger als 16 Prozent der gesamten Mittelabflüsse auf der Welt aus (siehe Grafik). Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sind sie damit auch deutlich geringer als etwa in Afrika und in Osteuropa.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Studie Weniger Schwarzgeld in der Schweiz

Es waren mal 800 Milliarden Franken, heute sind es wohl nur noch 200 Milliarden. Das Schwarzgeld in der Schweiz wird laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC weniger. Mehr

27.08.2014, 16:11 Uhr | Wirtschaft
Bankenstrafen-Ticker Goldman Sachs muss faule Wertpapiere zurückkaufen

An den Rekord der Bank of America reicht Goldman Sachs zwar bei Weitem nicht heran, aber die amerikanische Investmentbank muss die höchste Strafe in ihrer Geschichte zahlen. Die wichtigsten Banken-Sanktionen im Überblick. Mehr

23.08.2014, 20:09 Uhr | Wirtschaft
Armutsbekämpfung Asiens Arme sind Opfer der Statistik

Die guten Wachstumsraten asiatischer Ländern zeigten an, dass es mit ihrer Wirtschaft bergauf ging. Doch geht es darum der Bevölkerung entscheidend besser? Ein genauer Blick auf die Zahlen lohnt sich. Mehr

21.08.2014, 07:17 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.12.2012, 17:21 Uhr

Pilotenstreik Was mach ich, wenn mein Flug ausfällt?

Die Germanwings-Piloten wollen am Freitag sechs Stunden lang streiken. Was bedeutet das für die Fluggäste? Welche Flüge könnten ausfallen? Und welche Rechte haben Passagiere bei einem Streik? Ein Überblick. Mehr Von Anne-Christin Sievers 3

Kein Grund zum Jubeln

Von Kerstin Papon

Verbraucher können sich über günstiges Heizöl freuen. Doch Grund zum Jubeln ist das noch nicht. Wer von den geringen Energiepreisen profitieren will, sollte nicht zu lange mit der Bestellung warten. Mehr 4

Wertpapiersuche