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Abwrackprämie und Kfz-Steuer Geld für Rostlauben

20.01.2009 ·  Die Abwrackprämie klingt verführerisch. Doch sie lohnt sich nur für wirkliche Schrottkisten. Weiterfahren oder verkaufen ist in den allermeisten Fällen deutlich billiger.

Von Marion Trimborn und Nadine Oberhuber
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Wenn man schon aus Blei kein Gold machen kann, wie Alchimisten hofften, kann man dann vielleicht aus Schrott Geld machen - mit Hilfe der Bundesregierung? Die neue Abwrackprämie von 2500 Euro für Schrottautos lässt viele nun hoffen. Zudem die Autobranche längst damit wirbt: „Machen Sie sensationell günstige Schnäppchen mit der Prämie“, werben Autobauer schon. Denn beim Kauf eines Neuwagens zahlt der Staat die 2500 Euro obendrauf. Voraussetzung ist, dass man die Verschrottung seines alten Autos nachweisen kann.

Wer aber mit dem Rechnen beginnt, ist schnell ernüchtert: Die Prämie lohnt sich zwar für viele Autos, aber längst nicht für alle. Grundvoraussetzung ist, dass das Auto älter als neun Jahre ist und dem Besitzer seit einem Jahr gehört. Das trifft, laut Kraftfahrtbundesamt auf mehr als 16 Millionen Autos zu.

Restwert auf höher

Aber: Man sollte zuerst den Wert des jetzigen Wagens ermitteln. Denn auch wenn der etwas altersschwach ist, kann er gut und gerne mehr als 2500 Euro wert sein. Ein neun Jahre alter VW Golf oder ein Opel Astra etwa bringen auf dem Gebrauchtwagenmarkt immer noch mehr als die Prämie. Ein flotter Porsche wird sogar nie unter diese Grenze fallen. Für solche Autos ergibt es keinen Sinn, sie für die Regierung in die Schrottpresse zu schicken. Lieber den Wagen zu einem höheren Preis gebraucht verkaufen.

Bei wirklich alten Rostlauben ist das anders. Ein Blick in die Altfahrzeug-Verordnung definiert ein Schrottauto als einen Kraftwagen, „der Abfall ist“. Das hilft nun bei der Berechnung wenig, aber laut ADAC kann das auch ein Unfallwagen mit Blechschaden sein. Wer für seinen Alten also noch 1000 Euro bekommt, ihn aber verschrotten lässt und dafür 2500 Euro Prämie kassiert, macht 1500 Euro Gewinn. Laut Automobilverband VDA trifft das auf etwa neun Millionen Wagen zu.

Betriebswirtschaftlich lohnt ein Neukauf selten

Den Alten behalten oder einen Neuen kaufen, das ist die heikle Frage für viele Autofahrer, die knapp an der Grenze liegen. Für den Erhalt des alten Wagens sprechen geringere Kosten bei der Versicherung und der Pflege. Dafür ist er auch anfälliger für Reparaturen und schluckt mehr Sprit.

Der Neuwagen punktet mit niedrigeren Reparaturkosten, mehr Sicherheit und Komfort. „Es ist einfach prima, nicht mehr in einer alten Schüssel zu sitzen und mehrere Airbags zu haben“, sagt Verkehrsexperte Maximilian Maurer vom ADAC. Dennoch kommt er zu dem Schluss: Rein betriebswirtschaftlich lohnt ein Neukauf selten. Wer zum Beispiel einen zwölf Jahre alten Golf noch fünf Jahre fährt, kommt besser weg als beim Kauf eines neuen Golfs - und das trotz Abwrackprämie und Steuerbefreiung für Neuwagenkäufer (siehe Infografik). Das gilt selbst dann, wenn man den Restwert der beiden Autos einrechnet.

Wer sich aber für ein neues Auto entschieden hat, sollte sich vorher informieren, wie er die Prämie bekommt. Denn viele Händler wissen darüber noch zu wenig. Broschüren oder Plakate zur Verschrottungspämie wird man bei kaum einem Händler finden.

Kfz-Steuer-Rabatt attraktiver

Die Regeln sind laut Bundeswirtschaftsministerium klar: Anspruch auf die Abwrackprämie hat der Käufer nur beim Erwerb eines Neuwagens, der mindestens die Abgasnorm Euro 4 erfüllt - das sind allerdings fast alle Modelle. Die Prämie gilt übrigens auch beim Kauf von Jahreswagen. Also für Autos, die vorher ein Jahr lang auf einen Händler oder Hersteller zugelassen waren. Für Kunden sind die besonders attraktiv, weil es bei solchen Wagen oft Preisnachlässe von bis zu 25 Prozent gibt.

Der Kunde muss ferner den Nachweis vorlegen, dass sein altes Auto von einem zertifizierten Schrotthändler zerlegt wurde. Dann kann er die Prämie beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragen: Entweder füllt er den Antrag selbst aus oder beauftragt den Händler damit. Eilig ist das nicht, die Prämie gilt bis Jahresende.

Schon jetzt sind Neuwagen für mindestens ein Jahr von der Steuer befreit. Allerdings macht das bei gängigen Modellen nur zwischen 80 und 340 Euro jährlich aus. Ab 1. Juli soll die Kfz-Steuer aber umgestellt werden und nach Schadstoffausstoß berechnet werden, sattt wie bisher nach Hubraum. Umweltschonende Wagen haben dann einen Vorteil. Der Steuertarif enthält einen Sockelbetrag von 50 Euro für Benziner, Diesel-Autos zahlen einen Aufschlag. Jeder Wagen, der mehr als 120 Gramm CO2 je Kilometer ausstößt, zahlt zusätzlich zwei Euro je Gramm drauf. Ein Opel Corsa etwa hat einen Ausstoß von 145 Gramm CO2 und zahlt damit 13 Euro weniger. Mancher Diesel-Motor spart maximal 260 Euro. Bei der Ersparnis kann man sich als Autofahrer durchaus auf das Staatsangebot einlassen.

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Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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