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Absicherungsgeschäft Deutsche Bank in Italien in der Kritik

Die Deutsche Bank gerät wegen eines komplexen Absicherungsgeschäfts mit der Banca Monte dei Paschi die Siena (MPS) in Italien unter Druck. Das Institut war vom italienischen Staat gerettet worden.

© dapd Vergrößern

Am Donnerstag berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Vertragsunterlagen, dass MPS mit Hilfe des Geschäfts Verluste hätte verschleiern können, bevor sie staatliche Hilfen beantragt habe. Die Deutsche Bank verwies darauf, dass das Absicherungsgeschäft von den internen Komitees genehmigt worden sei. Zudem hätten die Genehmigungen des extern beratenen Kunden vorgelegen. Dabei dürfte es sich um Anwälte und Wirtschaftsprüfer handeln. Die im toskanischen Siena ansässige MPS, die im Jahr 1472 gegründet wurde, gab keinen Kommentar ab.

Swaps über 1,5 Milliarden Euro

Wie Personen aus dem Umfeld der Transaktion bestätigten, hatten die Deutsche Bank und MPS im Dezember 2008 ein Absicherungsgeschäft (Swap) über 1,5 Milliarden Euro abgeschlossen, das auf der Wertentwicklung von italienischen Staatsanleihen beruht habe. Diese waren im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise hohen Kursschwankungen ausgesetzt. Offenbar wollte sich MPS gegen die Risiken aus ihrem hohen Bestand an italienischen Staatsanleihen absichern. Diese sollen laut Finanzkreisen mit bis zu 30 Milliarden Euro dreimal so hoch gewesen sein als das Eigenkapital und damit deutlich höher als bei anderen italienischen Großbanken.

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MPS benötigte Staatshilfen über insgesamt 3,9 Milliarden Euro, unter anderem auch wegen der Verluste aus Staatsanleihen. Auch aus dem Swap-Geschäft fielen Verluste an, weil italienische Staatsanleihen bis zum November 2011 deutlich an Wert verloren hatten. Entsprechend war die zehnjährige Rendite auf mehr als 7 Prozent gestiegen. Derzeit liegt sie wieder bei 4,1 Prozent. Für Kritik an der Deutschen Bank dürfte in diesem Zusammenhang sorgen, dass sie im zweiten Quartal 2011 als eine der ersten Banken ihre Risiken aus italienischen Staatsanleihen deutlich abgebaut hatte, und zwar von 8 Milliarden auf knapp 1 Milliarde Euro.

Dies versucht der frühere Regierungschef Silvio Berlusconi in die politische Diskussion zu zerren. Er behauptet, alleine die Deutsche Bank habe mit ihren Anleiheverkäufen die Vertrauenskrise der Finanzmärkte gegenüber Italien - und seiner 2011 gestürzten Regierung - ausgelöst. Die Deutsche Bank, die gegenwärtig zahlreichen Rechtsrisiken auf der ganzen Welt ausgesetzt ist, geriet in den vergangenen Monaten in Italien auch wegen anderer Vorfälle in die Schlagzeilen.

Schon einmal verurteilt

Zuletzt sahen die Bankenaufseher der Notenbank den Betrieb von elektronischen Zahlterminals im Vatikan durch die Deutsche Bank Italia als illegal an. Im Dezember 2012 wurde die Deutsche Bank von einem Gericht in Mailand zusammen mit UBS, JP Morgan und Depfa Bank wegen betrügerischer Irreführung der Mailänder Stadtverwaltung mit Zinsprodukten in erster Instanz verurteilt. Der gesamte Schaden für die öffentliche Verwaltung wurde auf 89,6 Millionen Euro beziffert. Während das Gericht befand, die Stadtverwaltung sei getäuscht worden, sagen andererseits Fachleute, die Stadt Mailand hätte nicht einmal einen Mitarbeiter gehabt, der diese strukturierten Produkte mit marktabhängigen Preisen betreute. Wegen solch komplexer Zinsprodukte ist die Deutsche Bank auch hierzulande von Kommunen und Unternehmen verklagt worden. Im März 2011 hatte sie deshalb ein Verfahren vor dem Bundesgerichtshof verloren.

Die italienische MPS, die als älteste Bank der Welt gilt, hat in den vergangenen Jahren viele Probleme angehäuft. Neben den hohen Risiken aus italienischen Staatsanleihen kämpft Italiens drittgrößte Bank noch immer mit der Übernahme der Banca Antonveneta. Sie hatte im Jahr 2007 dafür 9 Milliarden Euro an die spanische Santander gezahlt. Gegenwärtig kommt MPS nur noch auf einen Börsenwert von 3,5 Milliarden Euro.

Organisiert als Sparkasse, wurde sie lange Zeit von der Politik beherrscht. Weil die Sparkassenstiftung nicht die Mittel für Kapitalerhöhungen hatte, zugleich nicht auf externe Geldgeber zurückgegriffen werden sollte, war auch die Kapitaldecke der Bank dünn, als die Finanzkrise begann. Daher war MPS dann zu Beginn der Krise manches Mittel recht, um die Verluste zu begrenzen. Die Eigenkapitaldecke musste schließlich zweimal mit staatlichen Mitteln aufgestockt werden. Zuletzt war dies im November 2012 der Fall, was die MPS-Spitze laut Bloomberg auch mit den Belastungen aus strukturierten Produkten, die an italienische Staatsanleihen gekoppelt sind, begründete. Ein solches strukturiertes Produkt könnte das Swap-Geschäft mit der Deutschen Bank sein.

Quelle: F.A.Z.

 
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