13.07.2007 · Lange hat es gedauert, bis der Dax sein Niveau aus dem März 2000 erreicht hat. Die Freude, dass das Tal durchschritten ist, hält sich allerdings in Grenzen. Immerhin scheint das Rückschlagrisiko bei weitem nicht so groß wie damals.
Von Steffen Uttich und Hanno MußlerGenau sechs Wochen nach dem Sprung über die 8000-Punkte-Marke hat der Deutsche Aktienindex Dax am Freitag ein neues Rekordhoch erreicht. Im frühen Handel stieg das Kursbarometer der deutschen Standardwerte bis auf 8151,57 Punkte - so hoch wie niemals zuvor. Mehr als sieben Jahre hat es gedauert, bis der Index damit an sein Niveau aus dem März 2000 anknüpfen konnte. Die Freude, dass das Kurstal nun durchschritten ist, hielt sich allerdings in Grenzen. „Eine Party gab es hier nicht. Der Dax-Rekord wurde eher nüchtern aufgenommen“, sagt ein Frankfurter Aktienhändler.
Tatsächlich läuft die nun schon vier Jahre andauernde Hausse unter anderen Vorzeichen ab als der Börsenaufschwung zur Jahrtausendwende. Übertreibungen in den Bewertungen sind eher die Ausnahme als die Regel. „Relativ zur Gewinnentwicklung ist der Dax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,5 nicht hoch bewertet“, sagt die Fondsmanagerin Alexandra Hartmann von der amerikanischen Investmentgesellschaft Fidelity.
„Es gibt ganz gewiss keinen Absturz“
Für viele deutsche Unternehmen laufe es derzeit so gut wie lange nicht mehr. Durch die moderaten Lohnabschlüsse in den vergangenen Jahren hätten sie einen großen Teil der Wettbewerbsnachteile aufgeholt. „Es gibt ganz gewiss keinen Absturz, der Markt hat ein gutes Fundament“, äußert sich Analyst Kai Stefani von Allianz Global Investors ähnlich optimistisch.
Das Rekordhoch kam in einem Moment zustande, an dem gerade die Risiken stärker in den Vordergrund zu rücken schienen. Noch am Mittwoch erreichte die Krise am amerikanischen Markt für Hypothekenanleihen mit geringer Bonität eine neue Qualität, die auf die Aktienmärkte überzugreifen drohte. Als Belastungsfaktoren gelten zudem die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen, der hohe Euro-Kurs gegenüber dem Dollar und der steigende Ölpreis.
23 Prozent Wertzuwachs seit Jahresbeginn
Unter besonderer Beobachtung steht die Entwicklung der Unternehmensgewinne. In der anlaufenden Quartalsberichterstattung wird von einem weiteren Gewinnwachstum ausgegangen, allerdings mit einer geringeren Dynamik als in den vorangegangenen Quartalen. Da der laufende Börsenzyklus schon fortgeschritten ist, rechnen viele Anlagestrategen mit zunehmenden Kursschwankungen.
Inzwischen weist der Dax seit Jahresbeginn einen Wertzuwachs von 23 Prozent auf. Damit steht er unter den großen europäischen und amerikanischen Aktienindizes einsam an der Spitze. Der Euro Stoxx 50 mit den größten Werten aus dem Euro-Raum legte im gleichen Zeitraum um 10 Prozent zu, der amerikanische S&P 500 um 9 Prozent und der britische FTSE 100 um 8 Prozent.
Sparbuch bleibt die beliebteste Anlageform
Trotz der inzwischen schon vier Jahre andauernden Aufwärtsbewegung der Kurse am deutschen Aktienmarkt halten sich Privatanleger zurück. Die schmerzhaften Verluste im Zuge der dreijährigen Baisse nach dem Hoch im März 2000 haben den Appetit vieler Anleger auf Aktien nachhaltig verdorben. Fondsgesellschaften beobachten, dass das Wiedererreichen der alten Kurshöhen von Privatanlegern eher zu Gewinnmitnahmen als zum Einstieg genutzt wird.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres zogen Anleger rund 8 Milliarden Euro mehr aus Aktienfonds deutscher Anbieter ab, als sie gleichzeitig einzahlten. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, die am Freitag veröffentlicht wurde, favorisieren derzeit nur 6 Prozent der Deutschen die Aktienanlage. Beliebteste Anlageform ist mit 44 Prozent weiterhin das Sparbuch.
„Das Ziel lautet auf 8950 Dax-Punkte“
Technische Analysten werteten das neue Dax-Hoch als Zeichen für die sehr gute Verfassung des Aktienmarktes. Für neue Kursziele gelte es jedoch, Schlusskurse oberhalb des alten Hochs von 8136 Punkten abzuwarten. „Sobald dies vielleicht schon in der nächsten Woche geschafft ist, lautet das Ziel auf 8950 Dax-Punkte“, sagt Wieland Staud von Staud Research. Diese Prognose leitet er daraus ab, dass in der Vergangenheit in drei Viertel aller Fälle einem nachhaltigen Überwinden alter Hochs ein Zuwachs von rund 10 Prozent folgte.
Achim Kremser von der DZ Bank sieht, sobald das alte Hoch auf Schlusskursbasis erreicht ist, ein mit Hilfe von Fibonacci-Relationen ableitbares unmittelbares Anschlusspotential für den Dax bis auf 8320 Punkte. „Falls der Dax dieses Ziel schnell und mit hoher Dynamik erreicht, werden sich höhere Kursziele aufdrängen“, sagt Kremser.
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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