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50 Billionen Euro : Deutsche Bank hat hohen Derivatebestand

Hier wird viel spekuliert: Die Zwillings-Türme der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: Fiechter, Fabian

Mit fast 50 Billionen Euro haben die Derivate der Deutschen Bank ein Volumen, das einem Vielfachen der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht. Nur JP Morgan hat mehr. Fürs Risikomanagement ist das eine Herausforderung.

          Der Derivatebestand der Deutschen Bank ist mehr als 18 Mal so groß wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt: 49,6 Billionen Euro umfassen die außerbörslichen Derivate-Kontrakte wie Zinstauschgeschäfte oder Kreditausfallversicherungen (CDS). Zum Vergleich: Die wirtschaftliche Leistung Deutschlands im vergangenen Jahr belief sich auf 2,7 Billionen Euro, die des Euroraums auf 9,6 Billionen Euro. Wenige Tage bevor die Deutsche Bank die Bedingungen ihrer 8 Milliarden Euro umfassenden Kapitalerhöhung bekanntgeben wird, meldete sie am Wochenende ihre Daten, mit der die Aufsichtsbehörden die Relevanz für das internationale Finanzsystem bewerten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der große Umfang des Derivatebuchs erklärt sich auch daraus, dass viele Kontrakte sich gegenseitig aufheben und das tatsächliche Risiko deutlich kleiner ist. Denn ihre Bilanzsumme gibt die Deutsche Bank nur mit 1,75 Billionen Euro an. Doch die Bankenaufseher im Baseler Ausschuss, die für die internationalen Kapitalregeln (Basel III) zuständig sind, nehmen den Nominalwert des Derivatebestands als Kriterium, um die Komplexität einer Bank zu beurteilen. Denn er gilt als Indikator für das Risiko, das von einer Bank für das Finanzsystem in der Welt ausgeht.

          Seit 2007 ist der Markt um ein Fünftel gewachsen

          Die Deutsche Bank zählt am Markt für außerbörsliche Derivate zu den größten Wettbewerbern, was auf ihre führende Rolle als Investmentbank an den internationalen Kapitalmärkten zurückgeführt werden kann. Die beiden Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen das Geschäft an den internationalen Kapitalmärkten ausbauen und nehmen deshalb neues Kapital auf.

          Einen größeren Derivatebestand hat mit 70 Billionen Dollar nur die amerikanische Großbank JP Morgan. Die Deutsche Bank kommt umgerechnet auf 67,5 Billionen Dollar. Hinter ihr liegt die Citigroup mit 62 Billionen Dollar. Goldman Sachs weist einen Bestand von 48 Billionen Dollar auf und die Bank of America 39 Billionen Dollar. Allein diese vier amerikanischen Banken kontrollieren 30 Prozent des globalen Derivatemarktes. Mit der Deutschen Bank sind es 38 Prozent.

          Wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Anfang des Monats mitteilte, ist der außerbörsliche Markt (Over the counter; OTC) für Derivate seit dem Jahr 2007 um ein Fünftel auf inzwischen 710 Billionen Dollar gewachsen. Nach Angaben der Bundesbank belief sich Ende Juni 2013 das Volumen der fünf im Derivategeschäft tätigen deutschen Banken auf 52,3 Billionen Euro. Davon entfallen 95 Prozent auf die Deutsche Bank.

          Ein Risiko für das internationale Finanzsystem

          Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers erforderte die Verrechnung der von der amerikanischen Investmentbank begebenen Derivate mehrere Notsitzungen von Banken und Aufsehern. Die Derivaterisiken haben die britische Barings Bank in den Ruin getrieben. Bei der französischen Société Générale verursachten die über Derivate eingegangenen Wetten des Händlers Jérôme Kerviel im Jahr 2008 Verluste von 4,8 Milliarden Euro.

          Die Aufsichtsbehörden bemühen sich, die Risiken am Derivatemarkt durch höhere Sicherheits- und Transparenzanforderungen besser in den Griff zu bekommen. Ein großes Derivatebuch stellt eine Herausforderung für das Risikomanagement einer Bank dar. Die Deutsche Bank zählt der Finanzstabilitätsrat der G-20-Regierungen seit vergangenem November zu der zweiten Gruppe der Banken, die ein Risiko für das internationale Finanzsystem darstellen und deshalb höhere Eigenkapitalanforderungen erfüllen müssen. Zu dieser Gruppe gehören auch Barclays, BNP Paribas und Citigroup. Noch höhere Kapitalvorgaben müssen nur JP Morgan und HSBC erfüllen.

          Innerhalb des Finanzsystems ist die Deutsche Bank mit 250 Milliarden Euro verschuldet. Dem stehen Forderungen gegen andere Banken von 303 Milliarden Euro gegenüber. Im Ausland hat sie Kredite über 763 Milliarden Euro vergeben bei Verbindlichkeiten über 674 Milliarden Euro. Ihre Zahlungsverkehrsaktivitäten umfassten im vergangenen Jahr 165 Billionen Euro.

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