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Ukraine Währung steht vor Bewährungsprobe

19.05.2009 ·  Nach ihrem Absturz hat sich der Kurs der ukrainische Währung Griwna zuletzt etwas stabilisiert. Aus dem Schneider sind Land und Währung aber noch nicht. Vor allem die Rückkehr zu freien Wechselkursen dürfte ein echter Härtetest werden.

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Die Ukraine hat einen fast zehnjährigen Wirtschaftsboom mit Zuwachsraten von durchschnittlich 7 Prozent hinter sich. Doch das ist längst Schnee von gestern. Für 2009 rechnet etwa der lokale Broker Dragon Capital mit einem Einbruch der Wirtschaft um 12,5 Prozent.

Das klingt durchaus plausibel, nachdem die Industrieproduktion in den vergangenen vier Monaten jeweils mit einer Rate von mehr als 30 Prozent gesunken ist. Deutlich wird der drastische Stimmungswandel auch im Einzelhandel. Dessen Umsätze sind im April um 14,3 Prozent geschrumpft, nachdem sie im Vorjahresmonat noch um 29 Prozent gestiegen waren.

Tief gefallene Griwna zuletzt etwas stabilisiert

Im allgemeinen ist die Lage des Landes schlecht. Trotz Milliardenhilfen der Nationalbank und des Internationalen Währungsfonds, von dem das Land 2008 einen Kredit über 16,4 Milliarden Dollar erhielt, wird an den Finanzmärkten seit Monaten über einen Staatsbankrott spekuliert. Regierung, Parlament und Präsidentenamt blockieren sich schon seit langem gegenseitig und verschlimmern die Situation.

Der Ernst der Lage spiegelt sich auch am Devisenmarkt wider. Während man für einen Dollar Anfang Juli noch 4,25 Griwna bekam, waren es Ende Februar in der Spitze mehr als doppelt so viel. Im Zuge der zuletzt wieder höheren Risikobereitschaft der Anleger hat sich der Wert der ukrainischen Landeswährung wieder bis auf 7,62 Dollar erholt. Geholfen hat dabei die Auszahlung einer zunächst zurückgehaltenen IWF-Kredittranche in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar. Kurzfristig trugen die im April eingeführten Kapitalverkehrskontrollen ebenfalls zur Stabilisierung bei.

Bankensterben steht bevor

Aus dem Schneider ist das Land aber trotzdem noch lange nicht. Deutlich wird das auch an der anhaltend kritischen Haltung der Ratingagenturen. So hat Moody's erst vor wenigen Tagen die Bonitätsnote für ukrainische Staatsanleihen in Landes- und Fremdwährung auf „B2“ von „B1“ gesenkt und mit einem negativen Ausblick versehen. Zur Begründung wurde auf die anhaltend fragile Lage der Volkswirtschaft und des Bankensystems verwiesen.

Als zusätzlichen Grund für die Abstufung wurde die Unsicherheit genannt, die wegen der Verhängung von Kapitalverkehrskontrollen durch die Zentralbank entstanden sei. Diese erhöhten das Risiko, dass ukrainische Unternehmen und Banken ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Ausland nicht erfüllen könnten.

Der Bankensektor, der innerhalb weniger Jahre bereits die dritte große Krise durchleidet, wird auch jetzt wieder schwer gebeutelt. Derzeit befinden sich 8 Kreditinstitute unter staatlicher Kontrolle. In einem internen Papier der Regierung wird prognostiziert, dass von den derzeit 180 Geschäftsbanken des Landes nur etwa 100 die Krise überleben werden.

Vor allem Kreditausfälle machen den ukrainischen Banken zu schaffen. Noch 2008 haben sich nach IWF-Schätzung die Banken mit knapp 40 Milliarden Dollar verschuldet. Ukrainische Unternehmer haben gar Schulden in fremder Währunge von rund 73 Milliarden Euro. Experten der Deutschen Beratergruppe in Kiew gehen davon aus, dass 15 bis 20 Prozent dieser Darlehen nicht getilgt werden.

Analysten sehen Griwna mittelfristig wieder fallen

Für die Devisenexperten der Commerzbank zeigt das Urteil von Moody´s, dass trotz sinkender Risikoaufschläge für Kreditausfallversicherungen die Ukraine noch immer mit großen Problemen zu kämpfen hat. Risikoreich ist aus ihrer Sicht auch das offenbar von der Zentralbank dem IWF gegenüber gegebene Versprechen, den Dollar-Griwna-Wechselkurs freizugeben. Einer Mitteilung zufolge sollen mögliche exzessive Abwertungen, die eine Tilgung der Schulden in Fremdwährung noch weiter erschweren würden, dann mittels Zinserhöhungen vermieden werden.

Allerdings stellt sich für die Analysten der Commerzbank die Frage, wie stark die Zinsen dann erhöht werden müssten und ob das der angeschlagenen Wirtschaft bekommen würde, allzumal sich wegen der Kapitalverkehrskontrollen einiger Verkaufsdruck aufgebaut haben dürfte. Die Commerzbank geht deshalb davon aus, dass die Notenbank mit einer hohen Wahrscheinlichkeit versuchen wird, noch einige Zeit mit dem derzeitigen Wechselkursregime eines fixierten Dollar-Griwna-Wechselkurses durchzukommen. Erst mittelfristig dürfte dem Druck des IWF nachgegeben werden, dann müsse aber mit einer deutlichen Abwertung gerechnet werden. Ein Absturz in den Bereich von 11 Griwna für den Dollar sei in diesem Falle nicht auszuschließen.

Etwas weniger pessimistisch sind die Analysten von Dragon Capital. Nach der jüngsten Beruhigung haben sie ihre Wechselkursprognose etwas angehoben, sehen den Kurs zum Jahresende allerdings auch bei 8,50 Griwna für den Dollar, was einer Abwertung von fast 12 Prozent gegenüber der aktuellen Notiz entspricht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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