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Russland Rubel-Abwertung bringt Bonitäten unter Druck

04.03.2009 ·  Der Rubel fällt und die Kreditmärkte sind eingefroren. Für russische Unternehmen, die sich während des Rohstoffbooms üppig im Ausland verschuldet haben, bringt dies Ungemach. Vor allem Nicht-Exporteure könnten Schwierigkeiten bekommen.

Von Martin Hock
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Die Sorgen um die osteuropäische Wirtschaft sind nicht aus der Welt. Doch während eine Zahlungsbilanzkrise eines kleineren Landes schmerzlich wäre, könnte eine Krise in Russland der Weltwirtschaft einen heftigen Schlag versetzen.

Um so genauer fällt der Blick derzeit auf Russland, das in Zeiten des Ölbooms so unangreifbar schien, aber mittlerweile erhebliche Zeichen der Schwäche zeigt. Durch die deutlich geringeren Einnahmen aus dem Ölexport wird aus dem Überschuss des Staatshaushalts im laufenden Jahr ein Defizit werden. Jüngste Berechnungen gehen dabei von 8 Prozent Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

Vom Boom in die Krise

Nach sechs Jahren mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von mehr als 7 Prozent rechnet das russische Wirtschaftsministerium in diesem Jahr mit einem Rückgang des BIP um 0,2 Prozent. Die Industrieproduktion und die Investitionen sollen sinken, die Inflation hoch bleiben.

Im Bestreben, das Wachstum zu stützen, injizierte die Zentralbank Liquidität ins Bankensystem und versuchte gleichzeitig die Zinsen niedrig zu halten. Das aber führte nicht nur dazu, dass die einst üppigen Währungsreserven innerhalb von nicht einmal einem Jahr um mehr als ein Drittel schmolzen, sondern setzte auch den Rubel unter Druck, dessen Wert seit August um mittlerweile 30 Prozent gefallen ist.

Ein Fünftel mehr Schulden durch Währungsverfall

Das gefährde auch die Bonitätsnoten russischer Unternehmen, so die Rating-Agentur Moody's in einer Studie. Da sie sich aufgrund der Finanzkrise kaum noch in fremder Währung zu refinanzieren vermögen und immer mehr Rubel aufwenden müssen, um Devisen zu erwerben, ist ihre Fähigkeit, Fremdwährungsschulden zu bedienen, in hohem Maße von der Struktur der Mittelzuflüsse abhängig, die die Unternehmen erwirtschaften.

In der Zeit steigender Rohstoffpreise stieg die Fremdwährungsverschuldung russischer unternehmen kontinuierlich und erreichte im Dezember nach Schätzungen von Moody's 144 Milliarden Dollar oder 4,3 Billionen Rubel. Seitdem hat allein die Rubel-Abwertung dafür gesorgt, dass dieser Schuldenberg um 22 Prozent gewachsen ist. Auch die Gesamtverschuldung stieg so um 17 Prozent.

Operative Mittelzuflüsse werden wichtiger

Besser aufgestellt sind naturgemäß Unternehmen, die einen größeren Teil ihrer Mittelzuflüsse in Fremdwährung erwirtschaften, wozu vor allem die Rohstoff- und Seetransportunternehmen gehörten. Weniger günstig sieht die Situation für binnenwirtschaftlich orientierte Unternehmen aus dem Eisenbahnsektor, der Telekommunikation, der Chemie und dem Handel aus.

Mehr als 20 Prozent der Unternehmen erwirtschaften weniger als ein Viertel ihrer Erlöse in Devisen - andererseits tätigt rund jedes sechste mehr als 75 Prozent seiner Umsätze in fremder Währung.

Doch auch diese Unternehmen haben es nicht leicht, sorgt doch die Weltwirtschaftskrise für eine geringere Rohstoffnachfrage und dürfte damit auch die Mittelzuflüsse schwächen.

Unter Beobachtung

Die Anleihen russischer Unternehmensanleihen weisen im allgemeinen schon jetzt hohe Renditeaufschläge auf. In diesem Jahr werden Anleihen im Volumen von 39 Milliarden Dollar fällig. Die fälligen Tilgungszahlungen könnten die Bonität der Unternehmen deutlich belasten, meinen die Rating-Analysten.

Vier Anleihen werden auch am deutschen Anleihenmarkt gehandelt, deren Rating im oberen spekulativen bzw. untern Investment-Grade-Bereich liegt. Am schwächsten erscheint derzeit die Bonität des Metallkonzerns TMK, die von Moody's schon jetzt lediglich mit „Ba3“ bewertet wird, wobei die Zeichen auf eine weitere Herabstufung stehen. Von seiner Branchenpositionierung könnten dagegen der Mobilfunkanbieter Megafon die meisten Sorgen bereiten.

Moody's sieht keine aktuelle Veranlassung zu generellen Herabstufungen, will aber die russischen Unternehmen intensiv beobachten und von Fall zu Fall entscheiden. Auch wenn die Renditen derzeit verlocken mögen, die Zeichen stehen auf Sturm für russische Unternehmen. Privatanleger aber haben einen gewissermaßen natürlichen Schutz - die meisten russischen Unternehmensanleihen sind nur in großer Stückelung handelbar.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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