03.02.2009 · Viele Jahre lang waren Anlagen in Osteuropa ein Volltreffer - doch seit der Krise reagiert richtig, wer sein Geld abzieht. Denn die Region ist stark abhängig vom Westen, der nun jedoch mit Investitionen geizt. Die Währungen sind derzeit im freien Fall.
Von Hanno Mußler und Gerald HospAuf dem Devisenmarkt sind die osteuropäischen Währungen bislang die größten Verlierer des Jahres. Am stärksten zum Euro verloren hat der russische Rubel, aber auch der ungarische Forint hat seit Jahresbeginn schon 11 Prozent abgewertet. Mit zeitweilig fast 300 Forint je Euro hat die ungarische Währung ein Rekordtief erreicht. Noch nie in einem Monat hat der Forint zum Euro so viel verloren. Etwa halb so groß wie der Wertverlust des Forint ist die Abwertung des rumänischen Leu und des polnischen Zloty seit Jahresbeginn zum Euro. In Dollar ist der Wertverlust der osteuropäischen Währungen noch größer. Schließlich hat der Euro zum Dollar seit Jahresbeginn um fast 9 Prozent abgewertet.
Viele Jahre lang waren Anlagen in Osteuropa ein Volltreffer. Die Aktienkurse stiegen schneller, und die Anleiherenditen lagen höher als im Euro-Raum. Untermauert waren die Aktienkursgewinne von einem - allerdings stark kreditgetriebenen - Wirtschaftswachstum, das in etwa doppelt so hoch war wie das im Euro-Raum. Noch bis zur Jahresmitte 2008 legten die wegen der damals hohen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise nur schwer beherrschbaren Inflationsraten weitere Leitzinserhöhungen durch die Notenbanken nahe. Doch spätestens seit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers Mitte September und den anschließenden Turbulenzen an den Finanzmärkten haben sich auch die Vorzeichen für die Region Osteuropa umgekehrt. Die Anleger, die ihr Geld von dort abziehen, reagieren vernünftig.
Der Westen geizt mit Investitionen
Denn in den Volkswirtschaften Osteuropas hat ein Anpassungsprozess begonnen, der auch noch 2010 tiefe Spuren hinterlassen wird, wie sogar die noch zu den Optimisten zählende Raiffeisenzentralbank in Wien erwartet. Das starke Lohnwachstum in den vergangenen Jahren hat die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert. Leistungsbilanzdefizite müssen stärker als in der Vergangenheit über die Kapitalmärkte finanziert werden, weil westliche Unternehmen mit Direktinvestitionen wegen der eingebrochen Nachfrage zum Beispiel in der Automobilindustrie und den relativ schlechteren Standortbedingungen geizen.
Hinzu kommt, dass einige Anleger statt Direktinvestitionen einen Kapitalabfluss aus der Region befürchten. In Osteuropa gibt es, mit Ausnahme der ungarischen OTP und einiger russischer Banken wie der Sberbank und der VTG, fast nur Niederlassungen und Tochtergesellschaften westlicher Banken. Viele von diesen sind durch Staaten im Westen gestützt worden und haben sich im Gegenzug für die Hilfe verpflichtet, vorrangig den heimischen Mittelstand mit Krediten zu bedienen.
Die teilverstaatlichte Commerzbank zum Beispiel ist die drittgrößte Bank in Polen; sie will jedoch an ihrem starken Engagement dort festhalten. Die in großen Schwierigkeiten steckende Bayern LB hat ihrer ungarischen Tochtergesellschaft MKB Bank nach ungarischen Agenturberichten am Montag sogar eine Kapitalzufuhr von umgerechnet 88 Millionen Euro zukommen lassen. Auch die Förderbank Osteuropabank (EBRD) in London betont, die überwiegend in der Region aktiven österreichischen, italienischen und belgischen Banken hätten ihre Töchter bislang nicht im Stich gelassen. EBRD-Chefvolkswirt Erik Berglof mahnt jedoch, es sei sehr wichtig, dass dies so bleibe.
Die russische Zentralbank gibt sich kämpferisch
Die Aktienkurse von Banken mit starkem Osteuropa-Geschäft wie Erste Bank, Unicredit und KBC haben seit Jahresbeginn stärker verloren als der europäische Bankenindex, der 15 Prozent nachgegeben hat. Hier spiegelt sich die Sorge der Anleger vor Abschreibungsbedarf auf Unternehmenskredite in Osteuropa. Auch robustere Länder wie Tschechien fürchten inzwischen den Fall in die Rezession. Das bislang von Direktinvestitionen und Konsumnachfrage getriebene Wachstum wird auch durch die hohe Verschuldung der Konsumenten in Fremdwährung zurückgeworfen. Nach Daten des Internationalen Währungsfonds müssen 55 Prozent der Kredite, die ungarische und rumänische Haushalte aufgenommen haben, in harten Fremdwährungen wie Franken und Euro zurückgezahlt werden, in Polen sind es immerhin 25 Prozent. Mit der Abwertung der heimischen Währung wird dies für die Konsumenten immer schwieriger.
In Russland hat die Zentralbank vor knapp zwei Wochen das Ende einer schrittweisen Abwertung des Rubels ausgerufen und das Handelsband für die russische Währung gegenüber einem aus Dollar und Euro bestehenden Währungskorb ausgeweitet, in der Hoffnung, weiterem Abwertungsdruck zuvorgekommen zu sein. Die Strategie hat sich als hinfällig erwiesen. Am Montag ermäßigte sich laut Reuters der Kurs gegenüber dem Währungskorb auf 40,80 Rubel. Der obere Rand des Bandes liegt derzeit bei 41 Rubel. Die russische Währung notierte sowohl gegenüber dem Dollar (36,1767 Rubel) als auch dem Euro (46,0457 Rubel) schwächer.
Die russische Währung ist in den vergangenen Monaten durch den Verfall der Rohstoffpreise und durch einen starken Kapitalabfluss unter Druck geraten. Zwischen November und Januar hatte die Zentralbank 20 kleinere Abwertungsschritte durchgeführt; dieses vorsichtige Vorgehen wurde kritisiert, weil dadurch gut ein Drittel der Währungsreserven aufgebraucht worden ist. Eine starke Abwertung hat es trotzdem gegeben: Seit dem vergangenen Sommer ist der Rubel gegenüber dem Dollar um knapp 35 Prozent im Wert gefallen. Für die russische Zentralbank stellt sich nun die Frage, ob sie eine weitere Ausweitung des Handelsbandes und damit eine Abwertung zulässt oder ob sie den „Grenzwert“ verteidigt und einen weiteren Abbau der Währungsreserven in Kauf nimmt, die derzeit noch 386,5 Milliarden Dollar betragen. Die Zentralbank gibt sich jedoch noch kämpferisch. Am Freitag hat sie einige Zinssätze um einen Prozentpunkt erhöht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |