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Osteuropa Zunehmend eine Last für Banken-Aktien

02.02.2009 ·  Die Konvergenzstory im Osten Europas wurde lange Zeit von den Banken mit angeführt. Doch in Zeiten der Kreditkrise wackelt das kreditfinanzierte Erfolgsmodell. Wie die stark gefallenen Kurse der Bankaktien zeigen, sind die Anleger alarmiert.

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Mit Aktien aus Osteuropa konnten Anleger über viele Jahre hinweg nichts falsch machen. Der Konvergenzprozess im Zuge der EU-Annäherung sorgte lange Zeit fast schon für garantierte Gewinne.

Doch auch die dortigen Börsen sind inzwischen längst keine Einbahnstraßen mehr. Und das gilt auch für die Aktien auf Osteuropa fokussierter Banken, die früher gemeinsam mit den Bauwerten die Hausse anführten. Die Kreditkrise hinterlässt vielmehr auch hier tiefe Spuren und hat die Kursgewinne früherer Jahre ausgelöscht.

Betroffen sind dabei nicht nur die Branchenvertreter aus Zentralosteuropa. Abwärts ging es querbeet vom Baltikum über den Balkan bis zu den GUS-Staaten und Russland. Selbst die in Osteuropa stark vertretenen westeuropäischen Banken wurden massiv nach unten gerissen.

Kreditfinanziertes Wachstumsmodell steht auf dem Prüfstein

Erklären lässt sich das mit veränderten Vorzeichen. Während die Anleger früher mehr auf die Chancen in der Region achteten, überwiegen inzwischen mehr die Risikoaspekte. Nachdem die Kreditinanspruchnahme stark gestiegen ist, machen sich die Marktteilnehmer mittlerweile Sorgen über steigende Ausfallsraten. Zumal es viele Fremdwährungskredite gibt, die jetzt wegen der schwächelnden Ostwährungen wackeln.

Vor diesem Hintergrund hat der Internationale Währungsfonds vor einem Kreditschock und einem Flächenbrand in Osteuropa gewarnt, sollten dort wegen der Rezession in Westeuropa Gelder abgezogen werden. Sollten die Ausfallquoten zu hoch werden, kann das die Möglichkeiten der Banken zur Finanzierung weiteren Wachstums stark beschneiden, zumal die Mittelaufnahme über die Kapitalmärkte schwierig und teuer geworden ist.

Kreditfinanziertes Wachstum auf dem Prüfstand

Nicht zuletzt deswegen zeigen sich die Volkswirtschaften der betroffenen Länder anders als zunächst erhofft längst geschwächt. Länder wie Ungarn, die Ukraine und Lettland mussten schon milliardenschwere Hilfspakete des Internationalen Währungsfonds in Anspruch nehmen. Andere Länder mit hohem Leistungsbilanzdefizit scheinen ebenfalls gefährdet.

Unter dem Strich steht durch die Wirtschaftskrise das Modell eines konsumgetriebenen und kreditfinanzierten Wachstums auf dem Prüfstein. Eine schnelle Rückkehr zu sehr hohen Wachstumsraten scheint in den meisten Fällen unrealistisch, meint die Deutsche Bank. Die EU-Kommission geht jedenfalls davon aus, dass das Wachstum in den zehn neuen mittel-, ost- und südosteuropäischen EU-Mitgliedsländern 2009 deutlich schwächer ausfallen wird als bislang erwartet. Für die drei baltischen Staaten sowie Ungarn erwartet die EU-Kommission für 2009 sogar ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt.

Es steht viel auf dem Spiel

Die betroffenen Banken selbst versuchen die Probleme zwar bisher eher herunterzuspielen und verweisen auf die nach wie vor eingefahrenen Gewinne. Doch neun in der Region vertretene Institute haben sich schon zu einer Interessengruppe zusammengeschlossen, um zum Kampf gegen die Kreditkrise in Osteuropa zu mobilisieren. Was auf dem Spiel steht, zeigt sich am Beispiel der österreichischen Banken. Diese haben in Osteuropa Kredite im Volumen von 224 Milliarden Euro vergeben. Das entspricht 78 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung.

Ähnlich groß ist die Bedeutung auch für die griechischen Institute. Diese haben in Osteuropa 2000 Zweigstellen aufgebaut und erwirtschaften bei einem Marktanteil von rund 20 Prozent in der Region etwa ein Fünftel ihrer Gewinne. Bei schwedischen Häusern wie der Swedbank oder der SEB steuert das Geschäft bis zu einem Drittel zum Ergebnis bei. Auch die Italiener sind über die Unicredit stark vertreten. Die Analysten von Morgan Stanley stufen das Osteuropageschäft als eines der größten Risiken für die Banken der Europäischen Union ein, deren Engagement dort auf 1,5 Billionen Dollar beziffert wird.

Bewertungen haben sich deutlich verringert

Allerdings muss man auch konstatieren, dass sich die Probleme in deutlich gefallenen Bewertungen widerspiegeln. So weisen viele Titel mittlerweile Kurs-Buchwert-Verhältnisse von deutlich unter eins auf. Bei österreichischen Instituten wie der Erste Group und Raiffeisen International sind es jeweils nur noch rund ein Drittel, während diese vor nicht allzu langer Zeit noch mit einem Vielfachen des Kurs-Buchwerts gehandelt wurden.

Damit enthalten die Kurse inzwischen schon kräftige Abschläge. Aber weil im weltweiten Bankensektor derzeit nichts mehr ausgeschlossen werden kann, dürfte die deswegen gegenüber dem Sektor vorherrschende Abneigung noch länger anhalten. Und auch die nach wie vor völlig intakten Abwärtstrends sprechen gegen ein Engagement.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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