02.03.2009 · Der Kurssturz an den Aktienmärkten trifft Osteuropa-Zertifikate mit voller Wucht. Eine Wende ist bisher nicht in Sicht. Trotzdem sehen Experten in Osteuropa unverändert hohes Wachstumspotential.
Von Daniel MohrDie Finanz- und Wirtschaftskrise trifft Osteuropa und mithin auch die Geldanleger in dieser Region mit besonderer Härte. Viele dieser Länder sind erheblich von Kapitalzuflüssen aus dem Ausland abhängig, um ihre mitunter hohen Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Seit in Westeuropa und den Vereinigten Staaten jedoch das Geld nicht mehr so locker sitzt, wie noch in den Jahren vor 2008, bricht das Wirtschaftswunder Osteuropa wie ein Kartenhaus zusammen.
Das Dilemma lässt sich an den Aktienindizes der Region gut ablesen. Um 87 Prozent ist der Leitindex der Ukraine seit Juli 2007 gefallen. Damals schien das Wachstum noch keine Grenzen zu haben, und gerade die Ukraine galt als einer der zukunftsträchtigsten Märkte. Aber auch auf dem Balkan, im Baltikum, in Polen und in Russland sind die Aktienindizes seither weit stärker gefallen als in Deutschland und Amerika mit je rund 50 Prozent. Allerdings war dem Absturz auch ein jahrelanger überdurchschnittlich kräftiger Kursanstieg an den Börsen in Osteuropa vorausgegangen.
Auch Absicherungsmechanismen funktionierten nicht
Das Ende des Aufschwungs hat die Geldanleger in Osteuropa voll getroffen. Die meisten der Zertifikate basieren auf der Entwicklung der Aktienindizes und haben mithin deren Entwicklung nachvollzogen. Auch verschiedene Gruppenindizes wie der CECE (Tschechien, Ungarn, Polen) oder der SETX (Bulgarien, Rumänien, Slowenien, Kroatien) konnten sich der Entwicklung nicht entziehen.
Manchem schien es ratsam, Zertifikate mit einem Absicherungsmechanismus zu erwerben. Doch auch dieser half angesichts des Ausmaßes der Kursverluste wenig. So hat das Bonuszertifikat der Hypo-Vereinsbank auf den CECEX, der CECE und SETX umfasst (Wertpapierkennnummer: HV2CF0), längst seinen Sicherheitspuffer aufgebraucht. Die Anleger haben somit ihren Bonusanspruch verloren. Im April 2007 wurde das Produkt aufgelegt, als der CECEX auf 1816 Punkten stand. Die Grenze von 1144 Punkten hätte er binnen drei Jahren nicht unterschreiten dürfen, dann hätten die Anleger mindestens 118 Euro für ihre Zertifikate erhalten, die zu Beginn 100 Euro kosteten. Der Puffer von 37 Prozent hat jedoch nicht gehalten, der Index liegt mittlerweile auf 575 Punkten, und ein Zertifikat ist noch 29 Euro wert.
Zertifikate mit Spezialthemen schneiden schlecht ab
Auch die von Zertifikateemittenten selbst zusammengestellten Aktienkörbe konnten dem Anleger nur selten einen Mehrwert zur schwachen Marktentwicklung bieten. So fiel der Wert des Baltic-10-Indexzertifikats der ABN Amro/Royal Bank of Scotland (WKN: AA0C6R) von rund 40 Euro im Sommer 2007 auf nun knapp 8 Euro. Der Index umfasst die zehn liquidesten Werte der baltischen Börsen in Estland, Lettland und Litauen.
Immerhin etwas besser halten konnte sich ein Zertifikat auf besonders dividendenstarke Titel in Osteuropa. Das Produkt auf den Dow Jones Stoxx Selected Dividends Osteuropa TR Index (WKN AA0FHL) fiel mit einem Abschlag von gut 50 Prozent seit Juli 2007 weniger im Wert als die Leitindizes der Länder. Die Zertifikate-Ratingagentur Scope Analysis bewertet das Produkt unter den Osteuropa-Zertifikaten mit der höchsten Note und vergibt als Urteil „gut“.
Andere Zertifikate mit Spezialthemen schnitten bisher nicht so gut ab. Das S-Box-Dimax-Zertifikat der Raiffeisen Centrobank (WKN RCB7TS) setzt speziell auf eine gedeihliche Entwicklung des Immobilienmarktes in Osteuropa. Im Sommer 2007 kostete ein Zertifikat gut 100 Euro, mittlerweile sind es nurmehr rund 11 Euro.
Nur die Slowakei steht etwas besser da
Einzig die Slowakei konnte sich dem starken allgemeinen Negativtrend etwas entziehen und steht mit einem Abschlag von nur 19 Prozent seit Juli 2007 für ihren Leitindex Sax besser da als fast alle anderen Börsen auf der Welt in diesem Zeitraum. Allerdings gibt es an der Börse in Bratislava so gut wie gar keinen Aktienhandel. Marktexperten gilt er als einer der illiquidesten Handelsplätze der Welt und wird in einem Atemzug mit der Mongolei genannt. Der Finanzdatenanbieter Bloomberg gibt nur fünf börsennotierte Unternehmen an. Zertifikate auf slowakische Aktien gibt es deshalb auch keine. Gleichwohl steht das Land wirtschaftlich besser da als viele andere in Osteuropa. Die Einführung des Euro zum Jahresbeginn hat dem Land eine vergleichsweise hohe Stabilität verliehen.
Generell sehen Experten in Osteuropa unverändert ein hohes Wachstumspotential mit der Aussicht auf eine Angleichung der Lebensverhältnisse an westeuropäisches Niveau. Dies könnte den Aktienmärkten in Osteuropa eines Tages wieder zu einer überdurchschnittlichen Entwicklung verhelfen. Wann jedoch der Absturz zu Ende geht und die Wende nach oben kommt, vermag niemand einzuschätzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |