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Osteuropa Währungen verlieren immer mehr an Wert

17.02.2009 ·  Die schwachen Währungen vieler osteuropäischer Länder sind ein Zeichen dafür, dass Anleger die Region für instabil halten. Mit ihrem Kapitalabzug erhöhen sie die Instabilität weiter. Ungarn will mit Steuererhöhungen reagieren.

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Die Kurse osteuropäischer Währungen fallen immer tiefer. Zu Wochenbeginn mussten für die tschechische Krone so wenig Euro gezahlt werden wie im Jahr 2005, und der polnische Zloty fiel zum Euro sogar auf den tiefsten Kurs seit Juni 2004. Der ungarische Forint sank gar auf den tiefsten Stand seit der Euro-Einführung. In der Spitze mussten Anleger am Montag für einen Euro 304,50 Forint bezahlen. Damit sind diese in der Vergangenheit konstant aufwertenden Währungen bisher die größten Verlierer auf den Devisenmärkten im Jahr 2009. Forint und Zloty haben seit Jahresbeginn sogar stärker verloren als der seit Wochen in großen Turbulenzen befindliche russische Rubel.

Lange war Osteuropa von der Finanzkrise nicht sichtbar betroffen gewesen. Noch bis zum Spätsommer 2008 trieb die meisten Währungshüter in den Zentralbanken die durch hohe Nahrungs- und Energiepreise geschürte Inflation um. Sie trieb die Leitzinsen in Ländern wie Ungarn, Rumänien und im Baltikum auf mehr als 10 Prozent und lockte damit ausländisches Kapital an, das den Konsum auf Pump finanzierte. Seit aber in Westeuropa die Banken vom Staat gestützt werden müssen und wichtige Industrien wie Automobilhersteller gewaltige Absatzeinbrüche verzeichnen, hat die Krise Osteuropa voll erfasst.

Das Bankensystem ist fest in westeuropäischer Hand. Die Kreditvergabe an Osteuropäer stockt, weil die geschwächten westeuropäischen Banken am ehesten heimischen Unternehmen Kredit geben. Die Automobilzulieferer im Osten haben wenig Aufträge, weil die Hersteller in Westeuropa kurzarbeiten. Die Zentralbanken können zwar vielerorts wegen des abnehmenden Preisdrucks die Leitzinsen senken. Damit aber entfällt ein wesentlicher Anreiz für Anleger, sich in der Region zu engagieren. Hinzu kommt eine politische Instabilität, allen voran in der Ukraine, aber auch in Ungarn, die Anleger abschreckt.

Rating-Agenturen drohen mit Herabstufungen

Am augenfälligsten werden die Schwierigkeiten der Region derzeit in der Ukraine. Die einflussreiche Rating-Agentur Standard & Poor's drohte am Montag damit, die ohnehin mit „B“ schon sehr niedrig eingestufte Schuldnerqualität des Landes für Fremdwährungsverbindlichkeiten weiter herabzusetzen - womöglich gar um zwei Notenstufen. S&P stellt fest, dass der Kapitalmarkt für die Ukraine fast komplett verschlossen sei. Ende Januar habe das Land jedoch nur noch Reserven gehabt, um die in diesem Jahr fälligen Verbindlichkeiten des Bankensystems zu decken. Hinzu aber kämen noch 9,5 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten der Industrie. Im Nachbarland Russland zahlen Unternehmen derzeit selbst für wenige Tage laufende Schuldverschreibungen Zinsen von mehr als 30 Prozent. Für Kasachstan ist der Aufschlag der Versicherungsprämie gegen den Ausfall von fünf Jahre laufenden Verbindlichkeiten (CDS) auf 1300 Basispunkte geklettert.

Zu den hohen Zinsen kommen Schwierigkeiten bei der Rückführung der Verbindlichkeiten, wenn sie in aufwertenden Hartwährungen aufgenommen sind. In der Ukraine sind 80 Prozent der Schulden in Fremdwährung aufgenommen, in Ungarn sind es 55 Prozent. Werten die heimischen Währungen ab, fällt es den Schuldnern umso schwerer, ihre Kredite zu bedienen. Beide Länder brauchten im Herbst Nothilfen internationaler Organisationen unter Führung des IWF. S&P hat nun die Sorge, dass die harten Auflagen - unter anderem eine strikte Haushaltsdisziplin - von der ukrainischen Regierung nicht erfüllt werden.

Der Westen zieht sein Kapital ab

In Ungarn sind offenbar Steuererhöhungen geplant. So ist im Gespräch, den Mehrwertsteuersatz von 20 auf 23 Prozent zu erhöhen. Während zum Beispiel in Tschechien die Zentralbank bislang nur mit einem Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes um 0,3 Prozent im Jahr 2009 rechnet, erwartet die ungarische Regierung schon bisher ein Schrumpfen der Wirtschaft um 3 Prozent in diesem Jahr. Steuererhöhungen würden den Abschwung vermutlich verschärfen.

Schließlich gehört der allerdings oft auf Pump finanzierte Konsum bislang noch zu den Stützen der Wirtschaft. Direktinvestitionen westeuropäischer Unternehmen, mit denen die Staaten in Osteuropa in den vergangenen Jahren ihre Leistungsbilanzdefizite finanziert haben, sind vielerorts versiegt. Dass auch die Anleger Ländern wie Ungarn den Rücken kehren, lässt sich nicht nur an den Wechselkursverlusten der Währung ablesen. So verabschiedeten sich parallel zu der Abwertung des Forint zum Euro zahlreiche Anleger aus ungarischen Staatsanleihen. Nach Angaben der Commerzbank hielten im Dezember 2008 so wenig Ausländer wie noch nie ungarische Staatsanleihen. Inzwischen hat sich der Betrag der ungarischen Staatsschuld in ausländischer Hand wieder leicht auf 2660 Milliarden Forint erhöht.

Gleichwohl trägt der Abzug von Kapital durch Anleger und westeuropäische Banken dazu bei, den Druck auf die Regierungen zu erhöhen. Diese reagieren nicht überall souverän. In Budapest gab es dieser Tage Demonstrationen von mehreren tausend Menschen für mehr Pressefreiheit. Die meisten heimischen Medien hielten das so gut wie gar nicht für berichtenswert.

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