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Osteuropa Europas Subprimes

17.02.2009 ·  Ein neuer Sturm scheint sich über Osteuropa zusammenzuziehen. Das hohe Engagement ausländischer Banken könnte zu einer sich selbst verstärkenden Depression aus schrumpfender Wirtschaft und schwindendem Kapital führen.

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Die Lage in Osteuropa ist instabil. Zunehmend bringt dies diejenigen Banken unter Druck, die in den vergangenen Jahren ihr Engagement dort stark ausgebaut haben. Besonders betroffen sind etwa die Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB) oder die Swedbank, die sich darauf einstellen müssen, dass ihr Bonitäts-Rating gesenkt wird.

Auch osteuropäische Banken, die in vielen Fällen Tochtergesellschaften ausländischer Finanzinstitute sind, stünden angesichts der schlechten Wirtschaftslage unter diesem Druck, so die Ratingagentur Moody's in einer am Dienstag veröffentlichten Studie und dies könnte sich auch auf die Bonitätsnoten der Mutterkonzerne auswirken.

Europas Subprimes

Auch die Rating-Agentur Standard & Poor's gibt düstere Prognosen ab. Die Bonitätseinstufung könnte überprüft werden, wenn sich die Situation weiter verschlechtere, sagte John Gibling von S&P am Dienstag zu Reuters.

Die Wirtschaftskrise hat weite Teile Ost- und Mitteleuropas erfasst. Vor allem die Ukraine und Rumänien gelten als die Sorgenkinder. Höhere Vorsorgen für faule Kredite, steigende Refinanzierungskosten und der Verfall der Währungen machen den Banken zunehmend Sorgen. Ohne Zweifel würden die Märkte derzeit Osteuropa als die „Subprime-Krise“ Europas ansehen, sagte Analyst Lars Christensen von der Danske Bank.

Rückzugsgefechte ausländischer Banken

Westeuropas Banken haben sich in den vergangenen Jahren den Großteil des Marktes in Osteuropa gesichert. In den Boomjahren bis 2007 haben vor allem Österreichs Erste Bank, Raiffeisen und die UniCredit-Tochter Bank Austria in diesen Märkt reüssiert. Zuletzt stammten die Hälfte deren Gewinne aus der Region.

Auf Banken und Finanzdienstleister aus Österreich, Italien, Frankreich, Belgien, Deutschland und Schweden entfallen 84 Prozent der Kredite, die westeuropäische Banken in Osteuropa vergeben haben. Moody's rechnet mit einem schweren wirtschaftlichen Abschwung in der einstigen Wachstumsregion, weil viele Länder auf die Kapitalzuflüsse westeuropäischer Banken angewiesen seien.

Das Moody's-Team um den Analysten Reynold Leegerstee geht davon aus, dass westliche Banken die Unterstützung für Tochtergesellschaften in „Ländern mit systemischen Risiken“ zurückfahren. Darüber hinaus dürften westliche Regierungen darauf achten, dass Banken, die staatliche Hilfen beziehen, die Kapitalspritzen nicht zur Stützung ausländischer Töchter verwenden.

Österreich unter Druck

Die österreichische Erste Bank hat den Firmenwert der Töchter in der Ukraine und Serbien mittlerweile komplett abgeschrieben und den der weitaus größeren rumänischen Tochter BCR bislang um mehr als eine Milliarde auf 2,7 Milliarden Euro verringert. Wegen der Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds wird sie zudem die Risikovorsorge aufstocken.

Den Risiken in Osteuropa „am meisten ausgesetzt“ ist laut Moody's denn auch der Bankensektor Österreichs. Etwas über 200 Milliarden Euro an Krediten haben sie in der Region, inklusive Russland, vergeben. Das entspricht rund drei Viertel des heimischen Bruttoinlandsproduktes.

Mit der RZB und der Erste Bank sind zwei der größten Finanzinstitute der Alpenrepublik in Osteuropa stark engagiert. Die RZB erzielte 2007 79 Prozent ihres Gewinns vor Steuern in der Region, die Erste Bank 65 Prozent. Beide Banken verhandeln derzeit mit der Regierung in Wien über eine staatliche Unterstützung.

Kreditversicherungen werden teurer

Zudem ersuchten sie zusammen mit der Unicredit, Intesa Sanpaolo, der Société Générale und KBC die Europäische Union um Finanzhilfen für Osteuropa. All diese Banken sind in der Region stark engagiert, so wie auch die Commerzbank, die vor allem in Russland, Polen und der Ukraine tätig ist und dort 2007 nach eigenen Angaben einen operativen Gewinn von gut 270 Millionen Euro erzielte.

An den Börsen sind die in Osteuropa aktiven Banken schon längere Zeit die großen Verlierer. Moody's Bericht führte in Wien zu einem massiven Verkäufen von Aktien der Erste Bank und der Raiffeisen. Erste verloren 11,3 Prozent auf 7,58 Euro und stürzten auf ein neues Allzeittief. Raiffeisen fielen um elf Prozent auf 13,36 Euro. Societe Generale verloren in Paris neun Prozent.

Auf den Kreditmärkten weiteten sich die Risikoaufschläge für die Institute aus. Auch der Staat Österreich zahlt mittlerweile einen höheren Preis für ein mögliches Risiko durch die Verflechtung mit Osteuropa. Der Risikoaufschlag zu deutschen Anleihen liegt bei rund 130 Basispunkten, nach langjährig üblichen 20 bis 25 Punkten.

Österreichs Banken halten offiziell an ihren Töchtern und ihrer Strategie fest. Die Region werde zu wenig differenziert gesehen, das Risiko derzeit überbewertet, sagen sie.

Horrorszenario Kumulative Kontraktion

Österreichs Regierung warb dagegen jüngst erst für ein Hilfspaket der Europäischen Union (EU), um die Volkswirtschaften Osteuropas zu stabilisieren. Bislang traf dies auf nur geringe Bereitschaft in der EU. Dagegen hat der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits Milliardenhilfen für Lettland, Ungarn, Serbien und die Ukraine gewährt. Maßnahmen für Bulgarien, Rumänien, Litauen und Estland könnten nach Expertenmeinung bald folgen.

Das hoher Engagement der ausländischen Banken in Osteuropa könnte schlimmstenfalls eine sogenannte kumulative Kontraktion bewirken. Erst vor wenigen Tagen wies die derzeit vom Staat gestützte belgische Banken- und Versicherungsgruppe KBC für das vierte Quartal 2008 einen Verlust von 2,63 Milliarden Euro aus, der unter anderem mit höheren Kreditausfällen in Osteuropa begründet wurde.

Diese höheren Kreditausfälle und die schwachen Wachstumsaussichten könnten ausländische Banken, die sich auch von anderer Seite her unter Druck befinden, dazu bewegen, ihre Kreditengagements weiter zurückfahren.

Das könnte wiederum dazu führen, dass für osteuropäische Unternehmen die Finanzierungsquellen knapp werden und so noch mehr der dort heimischen Firmen in Bedrängnis geraten, was einen weiteren Anstieg der Kreditausfälle in der Region bewirken könnte, was wiederum auf Wachstum und Kreditvergabe zurückwirken könnte.

Eine solche kumulative Kontraktion würde auch die schon geschwächte Wirtschaft Westeuropas nicht unbeeinflusst lassen. „Die Nachrichten zu Osteuropa sind bedeutsam, insbesondere für Länder wie Österreich und Deutschland. Der Fokus liegt heute auf den Banken, aber dies gilt auch für den verarbeitenden Sektor“, sagt Aktienstratege Gerhard Schwarz von Unicredit. „Jede weitere Verschärfung der Probleme in Osteuropa würde weitere Kapazitätskürzungen nötig machen.“

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