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Osteuropa Die Starken und die Schwachen

02.03.2009 ·  Nach dem Sondergipfel zeigen sich die meisten osteuropäischen Staatsanleihen etwas erholt. Doch im Falle einiger Länder könnte diese Erholung Episode bleiben.

Von Martin Hock
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Der Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Sonntag in Brüssel hat den Ländern Ost-Mittel-Europas keine Milliardenhilfen beschert, so wie sie etwa Ungarn zu Beginn gefordert hatte.

Doch hatte Premierminister Ferenc Gyurcsány für seinen bis zu 190 Milliarden Euro
schweren europäischen Hilfsfonds schon unter den osteuropäischen Ländern keine Mitstreiter gefunden. Der amtierende EU-Ratschef, Tschechiens Ministerpräsident Mirek Topolanek, bezeichnete ein Hilfspaket für den Osten etwa als nicht notwendig.

Litauische Anleihen erholen sich

Das gab den meisten Anleihe-Anlegern anscheinend neuen Mut. Litauische Anleihen verzeichneten etwa deutliche Aufschläge, obwohl das Land im vierten Quartal zum ersten Mal seit 9 Jahren in die Rezession rutschte und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2 Prozent schrumpfte.

Und die Prognosen sind noch schlechter: Um bis zu 10 Prozent könne das BIP im ersten Quartal schrumpfen, sagt Jekaterina Rojaka, Volkswirtin bei DnB Nord Bankas. Die Rating-Agentur Moody's rechnet mit einer Kontraktion des Bruttoinlandsprodukts um 6 Prozent im laufenden Jahr und erwägt ebenso wie Standard & Poor's eine Herabstufung der Bonitätsnote.

Indes ist diese mit „A2“ bzw. „BBB+“ immer noch vergleichsweise gut und bliebe wohl zunächst im Bereich des Investment-Grades und so konnte das Land in der vergangenen Woche noch Anleihen im Volumen von 16,5 Milliarden Euro bei der DnB Nord Bankas plazieren.

Schwache Hoffnungszeichen in Ungarn

Wesentlich schlechter da steht Ungarn. Das Rating liegt nach einer Herabstufung durch Moody's im November nur noch bei „A3“, der Ausblick ist weiter negativ. Vor allem die eminente Auslandsverschuldung macht dem Land zu schaffen, das zuletzt Hilfen im Volumen von 6,5 Milliarden Dollar aus einem Fonds der Weltbank, der Osteuropabank und der Europäischen Investitionsbank als Teil eines umfassenderen Hilfspakets des Internationalen Währungsfonds erhielt.

Auch ungarische Anleihen zeigen sich am Montag etwas fester. Das dürfte vor allem daran liegen, dass sich der Einkaufsmanager-Index im Februar von seinem im Januar erreichten Rekordtief erholt. Zudem stiegt das Exportvolumen. Indes liegt der Einkaufsmanager-Index immer noch tief im negativen Bereich, allzumal eine Schrumpfung des BIP von rund 3,5 Prozent im laufenden Jahr erwartet wird.

Lettland und andere Wackelkandidaten

Noch härter dürfte es aber Lettland erwischen, das bislang Zusagen für Hilfen im Volumen von 3,1 Milliarden Euro erhalten hat. Hier rechnen Experten mit einer Schrumpfung des BIP von bis zu 12 Prozent, nachdem die Wirtschaft im vierten Quartal bereits um 10,5 Prozent kontrahierte, was zum Fall der Regierung von Ministerpräsident Ivar Godmanis vor wenigen Tagen maßgeblich beitrug. Dennoch erholen sich am Monat auch die lettischen Anleihen leicht, die von Standard & Poor's indes seit der vergangenen Woche als Ramschanleihen behandelt werden.

Doch neben den Wackelkandidaten, zu denen auch Rumänien gezählt wird, das genau wie Litauen als nächster Kandidat für Zahlungsbilanzhilfen gilt, gibt es auch Länder, die generell positiver eingeschätzt werden.

Slowenien und andere Starke

Allen voran ist dabei Slowenien zu nennen, das das dritthöchste Rating von „Aa2“ genießt und damit ähnlich eingestuft wird wie Italien oder Portugal. Dementsprechend sind die Renditen niedrig. Die mit 5,375 Prozent verzinste und 2011 fällige Anleihe rentiert mit 3,8 Prozent. Das sind immer noch 140 Basispunkte als vergleichbare portugiesische Renten, aber eben deutlich teurer als etwa die 2012 fällige litauische Anleihe, die bei einem Kupon von 5,875 Prozent mit 9,15 Prozent rentiert.

Auch Polen wird hoch gehandelt, indes hauptsächlich bei kürzeren Laufzeiten. Obwohl sich auch im Nachbarland das Wachstum verlangsamt, dürfte es wohl 2009 noch im positiven Bereich bleiben.

Gefälle im Osten

Insgesamt scheint sich nicht die befürchtete Spaltung zwischen Ost und West in Europa aufzutun, sondern vor allem eine Spaltung innerhalb des Ostens. Die Osteuropabank befürchtet, dass osteuropäische Finanzinstitute bis zu 150 Milliarden Dollar für eine Rekapitalisierung benötigen könnten. Diese dürften hauptsächlich in den baltischen Staaten, der Ukraine und im Südosten benötigt werden, wohingegen die mitteleuropäischen Staaten mit Ausnahme Ungarns stabiler erscheinen.

Dies kommt auch im Renditegefälle von der Ukraine nach Slowenien deutlich zum Ausdruck. Solange die Krise in den schwächeren osteuropäischen Volkswirtschaften schwelt, solange sind Zahlungsausfälle nicht auszuschließen, auch beispielsweise in Ungarn nicht, das seine Auslandsschulden bis dato stets bezahlt hat und dabei auch immer wieder zu Opfern bereit war.

Alternativen auch für zurückhaltendere Anleger

Doch an der Opferbereitschaft hegen die Analysten der Commerzbank im allgemeinen Zweifel. Der Internationale Währungsfonds stelle immer weniger Bedingungen, wodurch der Anpassungsdruck für die Hilfsempfänger nachlasse, wie die deutlich gesunkene Preise für Kreditversicherungen nahelegten.

Osteuropa ist nicht über einen Kamm zu scheren und bietet derzeit immer noch mit aller Vorsicht, Alternativen für Anleger, die versuchen geringeres Risiko mit höherer Rendite in Einklang zu bringen. Diesen bieten tschechische oder slowenische Anleihen durchaus noch Alternativen. Dagegen dürften Anleihen schwächerer Länder bei den nächsten negativen Meldungen wieder unter Druck geraten.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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