24.02.2009 · Ein hoher Bedarf an ausländischem Kapital bringt zahlreiche Länder in Ost- und Mitteleuropa stark unter Druck. Weltbank-Chef Robert Zoellick fordert von den westeuropäischen Staaten Unterstützung für die notleidenden Länder.
Von Benedikt FehrDie Finanz- und Wirtschaftskrise trifft zahlreiche Staaten in Ost- und Mitteleuropa mit großer Wucht. Nach Einschätzung von Robert Zoellick, dem Präsidenten der Weltbank in Washington, benötigen die Länder in Osteuropa einschließlich Russlands, der Ukraine und der Türkei 120 Milliarden Dollar, um ihre Banken zu rekapitalisieren.
Nach einer Studie der Dekabank ist die Lage vor allem in der Ukraine brisant. Die Schwierigkeiten der osteuropäischen Länder schlagen auf Westeuropa zurück, da Banken aus Österreich, Belgien, Schweden, Italien und Deutschland zu den größten Kreditgebern und Investoren in der Region zählen.
Der Geldhahn wird zu- statt aufgedreht
Laut Zoellick arbeiten Weltbank, Internationaler Weltwährungsfonds, Osteuropabank und Europäische Investitionsbank daran, den finanziell klammen Ländern in Osteuropa Kapital bereitzustellen. „Aber wir werden keinen Erfolg haben, wenn uns die westeuropäischen Staaten nicht unterstützen“, sagte Zoelick der „Süddeutschen Zeitung“.
Einige der westeuropäischen Banken mit großem Einfluss auf das Finanzsystem in Osteuropa hätten Geld aus Osteuropa abgezogen, offenbar zum Teil auf Druck ihrer Regierungen. Auf diese Weise werde den betroffenen Ländern „der Geldhahn zugedreht“, sagte Zoellick. Letztlich könne dies nicht im Interesse der westeuropäischen Banken sein, denn als große Kreditgeber würden auch sie selbst unter einer Krise in Osteuropa leiden.
Abhängigkeit vom Ausland wird zum Verhängnis
In ihrer Studie haben die Analysten der Dekabank zwölf Länder untersucht, die in den vergangenen Jahren durch ein stark kreditgetriebenes Wachstum gekennzeichnet waren. Mit Ausnahme Russlands ging dieses Wachstum stets mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit einher - und damit auch der Notwendigkeit von Kapitalzuflüssen aus dem Ausland.
Die Abhängigkeit von der Außenfinanzierung werde nun zum Verhängnis, schreiben die Analysten der Dekabank, dem Spitzeninstitut der deutschen Sparkassen. Denn angesichts der zunehmenden Risikoscheu sei die Refinanzierung der kurzfristigen Auslandsverbindlichkeiten gefährdet.
Nach Schätzungen der Dekabank reichen die Währungsreserven in vielen Ländern nicht, den kurzfristigen Refinanzierungsbedarf zu decken, nämlich das für 2009 erwartete Leistungsbilanzdefizit sowie die im Jahr 2009 anstehenden Tilgungen von Auslandsschulden.
Besonders dramatisch ist demnach die Lage in Lettland, wo der kurzfristige Finanzierungsbedarf für dieses Jahr mehr als 400 Prozent der Währungsreserven beträgt. In Estland beträgt er mehr als 200 Prozent. Die Dekabank hält deshalb das Risiko, das es zu einem Finanzierungsengpass kommt, in diesen Ländern für hoch (siehe Tabelle).
Risiko von Währungskrisen ist hoch
Eine Schuldenkrise hätte fast unweigerlich einen dramatischen Währungsverfall zur Folge, schreiben die Analysten. Auslöser dafür könne der Zusammenbruch einer wichtigen Bank sein oder die Flucht privater Investoren aus der heimischen Währung. Laut Dekabank ist das Risiko einer Währungskrise in mehreren Ländern hoch; allerdings sei es wahrscheinlich, dass diesen Ländern in solch einem Notfall von der EU oder dem IWF geholfen werde - so wie dies teilweise schon durch Kredite geschehen ist.
Ähnlich wie in Westeuropa führt die Banken- und Wirtschaftskrise auch in vielen osteuropäischen Ländern zu hohen Lasten für die öffentlichen Haushalte. Wie die Analysten aufzeigen, lag das Verhältnis von Staatsschulden zu Bruttoinlandsprodukt mit Ausnahme von Ungarn in allen untersuchten Ländern im Jahre 2008 unter 40 Prozent; das ist ein vergleichsweise günstiger Wert. Unter anderem deshalb schätzen die Fachleute das Risiko eines Staatsbankrotts als nicht allzu hoch ein. Eine Ausnahme ist die Ukraine, wo die Lage aufgrund der innenpolitischen Spannungen als besonders brisant eingeschätzt wird.
Österreichischen Banken drohen hohe Verluste
In vielen Ländern Osteuropas wird das nationale Bankensystem von ausländischen Kreditinstituten beherrscht. Kreditausfälle in Osteuropa könnten diesen Banken hohe Verluste bereiten. Als in dieser Hinsicht gefährdet gilt vor allem Österreich. Denn das Kreditvolumen österreichischer Banken in Osteuropa entspricht rund 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Investmentbank Goldman Sachs hat unlängst mehrere Krisenszenarien durchgespielt.
In einem mittleren Szenario drohen österreichischen Banken demnach Verluste in Höhe von 5,5 Prozent des BIP. Besorgnisse, dass in solch einem Fall der österreichische Staat mit großen kreditfinanzierten Kapitalhilfen eingreifen müsste, haben die Risikoprämien für Anleihen der Alpenrepublik zuletzt stark nach oben getrieben. Laut Goldman Sachs drohen auch Banken in Italien, Schweden und Belgien vergleichsweise hohe Verluste aus ihren Osteuropa-Engagements, auch deutsche Banken könnten milliardenschwere Einbußen erleiden.
woher nehmen?
Alexander Hemp (Widerstaendler)
- 24.02.2009, 10:25 Uhr
Woher nehmen II
CF Roth (CFRoth)
- 25.02.2009, 10:09 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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