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Geldanlage Wer schützt uns vor Inflation?

 ·  Die Angst vor steigenden Preisen wächst. Längst denken sich die Banken Finanzprodukte aus, die der Geldentwertung trotzen. Die meisten davon taugen nichts.

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Kehrt die Inflation zurück? Die deutschen Anleger befürchten das, und es könnte sein, dass sie mit ihren Sorgen recht haben. Die Diskussion um Griechenlands Finanzprobleme hat wieder ins Bewusstsein gerückt, wie enorm die Staatsschulden angeschwollen sind. Erstmals ist der Staatsbankrott für einen Euro-Staat in die Nähe gerückt. Und die Deutschen bangen.

60 Prozent der Anleger erwarten in den nächsten Monaten zumindest leicht steigende Preise - so viel wie noch nie seit der Lehman-Pleite. Bei der Vermögensberatung „VZ Vermögenszentrum“ stellt Michael Huber fest: „Es ist massiv. Jeder zweite unserer Kunden hat große Angst.“

Schutzprodukt-Produktion läuft

Und wo die Anleger sich Sorgen machen, da sind auch die Banken nicht weit. Da sich die Deutschen vor der Inflation fürchten, bieten die Banken bald auch die passenden Anlageprodukte an. Die alten Inflationsschutz-Produkte aus der vergangenen Teuerungszeit Anfang 2008 sind zwar inzwischen häufig nicht mehr auf dem Markt, doch schon entstehen etliche neue.

Die West LB zum Beispiel bringt immer wieder neue Zertifikate auf den Markt, die bei rascher Teuerung mehr Zinsen bringen. Die Royal Bank of Scotland bringt dieser Tage gleich drei „Inflationsanleihen“ unters Volk. Dabei liegt die aktuelle Inflationsrate nur bei 0,6 Prozent und damit weit unter dem Mittelwert der vergangenen 20 Jahre.

Vier bis fünf Prozent können es schon werden

Nun sagen viele Experten, dass es trotzdem ganz sinnvoll ist, wenn Anleger ihr Vermögen vor einer Geldentwertung schützen. Zwar ist nach wie vor umstritten, ob in den kommenden Jahren wirklich eine Inflation droht oder eher eine lange Wirtschaftsflaute ohne Inflation. Und nicht einmal die größten Inflationsbefürchter erwarten gar eine neue Hyperinflation. Aber vier oder fünf Prozent Geldentwertung könnten es schon werden, glaubt so mancher.

Schließlich könnte es leicht passieren, dass die Zentralbanken die Kraft der Wirtschaft und die Inflationsgefahren unterschätzen und die Zinsen zu lange niedrig halten. Oder dass die neu aufsteigenden Schwellenländer so viel Öl und andere Rohstoffe kaufen, dass sich dadurch auch das Leben in Deutschland verteuert.

Dazu kommen jetzt die Schwierigkeiten mit den Staaten in Finanznot. „Ich sehe für den Zusammenhalt der Eurozone nur die Alternativen Transferunion oder Inflationsunion“, sagt Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburgischen Weltwirtschafts-Institutes. „In der Realität wird man wohl eine Mischung zu finden haben.“ Straubhaar rechnet mit einer Inflationsrate von etwa fünf Prozent. Bei den aktuellen Zinsen entstünde Anlegern da tatsächlich ein Kaufkraftverlust.

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, erwartet Inflationsraten um vier Prozent von 2012 an. Darum empfehlen Anlageexperten ihren Kunden, sich jetzt schon langsam auf diese Zeit vorzubereiten. „Inflation ist keine Frage des richtigen Timings. Die kann schnell kommen“, sagt Ralf Neuhaus, Kundenberater bei der Quirin Bank.

Zertifikate nur für niedrige Raten

Dass die Modeprodukte der Banken dafür der richtige Weg sind, ist allerdings nicht immer gesagt. Die Zertifikate von West LB und Royal Bank of Scotland etwa bringen zwar in Zeiten niedriger Inflation einen ordentlichen Zins. Aber den haben sich Anleger auch verdient angesichts des Risikos, das sie mit den Papieren eingehen - schließlich verlieren sie ihr Geld, falls die jeweilige Bank pleitegeht. Und wenn die Inflation kommt, zahlen West LB und Royal Bank of Scotland sogar ein gutes Stück weniger Zinsen als der deutsche Staat, der inflationsgeschützte Bundesanleihen anbietet.

Standardprodukte wie diese Bundesanleihen bleiben den Privatanlegern da als gute Alternative. Sie bringen zwar zuerst einen kleinen Zins, dafür wächst ihr Wert zusätzlich mit Preissteigerungen.

Gold und Immobilien

Anleger sollten allmählich auch mehr Geld in Sachwerte stecken, deren Wert meist mit anderen Preisen steigt: also in Aktien, Immobilien und Rohstoffe. „Die schwanken zwar stärker als andere Anlagen, aber das ist der Preis, den ich in Kauf nehmen muss“, sagt Huber. „Die Hälfte bis zwei Drittel des Depots sollte jetzt in Sachwerten liegen, aber nicht mehr.“

Von den Rohstoffen empfiehlt Hans-Jürgen Delp, Anlagestratege der Commerzbank, den inflationsbesorgten Anlegern vor allem Gold. Auch der Klassiker des Inflationsschutzes gehört jetzt ins Depot: Immobilien.

Wer eine Wohnung oder ein Haus kauft, sollte besonders darauf achten, dass sich der Preis gut entwickeln kann, empfiehlt Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum. Anleger, die sich keine Immobilie leisten können oder wollen, können auch Anteile an einem offenen Immobilienfonds kaufen. Zwar will Finanzminister Schäuble demnächst eine zweijährige Haltefrist für Immobilienfonds einführen, aber Huber findet diese Fonds auch mit diesem Handicap lohnend.

Wandelanleihen und Nahrungsmittel-Aktien

Und wer sich über die Inflationsentwicklung noch nicht so ganz sicher ist, für den hat Huber zwei Empfehlungen, die in jeder Lage einigermaßen gut funktionieren: zum Beispiel Wandelanleihen. Das sind Anleihen, die ein Anleger am Ende der Laufzeit auch in Aktien umwandeln kann, wenn die Aktie gut gelaufen ist und er noch länger investiert bleiben will. Läuft die Aktie dagegen schlecht, nimmt er lieber den Anleihenzins - der bei Wandelanleihen allerdings ein Stück tiefer liegt als bei anderen Anleihen.

Selbst für Wandelanleihen gibt es inzwischen nicht nur verwaltete Fonds, die solche Papiere bündeln, sondern auch günstige Indexfonds (“ETF“).

Auch Aktien von Nahrungsmittel-Firmen seien eine gute Wahl, findet Huber. Diese Konzerne können in Inflationszeiten leicht ihre Preise erhöhen, weil die Nachfrage nach Nahrung auch bei steigenden Preisen nie komplett zusammenbricht. Lebensmittelhersteller haben auch in der Wirtschaftsflaute meist ein recht stabiles Geschäft.

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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