18.02.2009 · Positive Konjunkturmeldungen stärkten den Euro im Verhältnis zum Dollar wenig: Er ist auf dem niedrigsten Stand seit zwei Monaten. Vor allem durch den Verfall der osteuropäischen Währungen steht der Euro unter Druck. Eine weitere Abwertung droht.
Von Judith LembkeDer Euro ist am Dienstag auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten gefallen. Am Morgen kostete ein Euro nicht viel mehr als 1,26 Dollar, nachdem er am Vortag noch zwei Cent höher notiert hatte. Selbst die unerwartet positiv ausgefallenen Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die am Dienstag veröffentlicht wurden, konnten im Verhältnis vom Euro zum Dollar keine neuen Akzente setzen.
„Die Daten des ZEW haben den Euro zwar nicht gestärkt, aber immerhin seinen weiteren Verfall aufhalten können“, sagt Dorothea Huttanus, Devisenanalystin der DZ Bank. Dass die positiven Nachrichten den Devisenmarkt nicht stärker beeinflusst haben, wertet sie als ein weiteres Zeichen, dass die Konjunkturentwicklung für die Marktakteure nur noch zweitrangig ist. „Den Markt bewegen im Moment vor allem andere Dinge, wie die Ängste vor einem Auseinanderbrechen des Euro-Raumes oder ein Zahlungsausfall Irlands“, sagt sie.
Das wirkliche Risiko ist noch nicht eingepreist
Besonders stark lastet jedoch der rapide Verfall der osteuropäischen Währungen auf dem Euro. Denn die Probleme der neuen EU-Staaten können sehr schnell auch zu Problemen der alten werden, da hauptsächlich westeuropäische Banken in Ungarn, Polen oder Rumänien engagiert sind.
„Die Gläubiger aus dem Euro-Raum tragen die Hauptlast der sich rapide verschlechternden Kreditqualität der osteuropäischen Schuldner“, sagt Lutz Karpowitz, Devisenanalyst der Commerzbank. Investoren aus Japan, den Vereinigten Staaten oder auch Großbritannien seien in der Region hingegen kaum aktiv.
Seiner Ansicht nach ist die Lage in den osteuropäischen Ländern so kritisch, dass der Euro noch stärker unter Druck geraten müsste. „Der Markt hat das wirkliche Risiko noch gar nicht eingepreist“, sagt der Währungsfachmann. Tatsächlich scheinen die Länder in einem Teufelskreis zu stecken.
Da sie einen Großteil ihrer Schulden in Fremdwährungen aufgenommen haben, trifft eine Abwertung der eigenen Währung die Schuldner besonders hart. Es kommt vermehrt zu Zahlungsausfällen, die Herabstufungen durch die Rating-Agenturen nach sich ziehen. Die schlechten Bonitätsnoten bestärken die ausländischen Anleger darin, ihr Geld aus den osteuropäischen Staaten weiter abzuziehen - woraufhin die Währungen weiter abwerten dürften.
Dollar und Yen profitieren
Während die Gemeinschaftswährung schwächelt, profitieren Dollar und Yen nach wie vor von der hohen Risikoaversion der Anleger. Dieser Trend dürfte sich nach Ansicht von Analysten erst einmal fortsetzen: „Die Risikoaversion an den Finanzmärkten hat sehr zugenommen und dürfte auch noch weiter steigen“, sagt Ulrich Wortberg, Währungsanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen.
Wie stark die Marktakteure das Risiko scheuen, lässt sich zum Beispiel an der Entwicklung des Yen ablesen: Selbst der überraschende Rücktritt des japanischen Finanzministers am Dienstag sowie die Nachricht, dass die japanische Volkswirtschaft in der schwersten Krise der Nachkriegszeit stecke, konnten den Höhenflug des Yen nicht wirklich stoppen.
„Wir beobachten seit einigen Wochen, dass Dollar und Yen von schlechten Konjunkturnachrichten profitieren und der Euro von guten Botschaften - und zwar unabhängig davon, aus welcher Weltregion sie kommen“, sagt Karpowitz. Das kann unter Umständen zu der scheinbar paradoxen Situation führen, dass der Dollar als Reaktion auf schlechte Konjunkturdaten aus Amerika steigt.
Erholung in Amerika von den Anlegern stärker wahrgenommen
Dementsprechend glaubt Karpowitz auch, dass der Euro noch weiter abwertet. Am Jahresende sieht die Commerzbank die Gemeinschaftswährung bei 1,12 Dollar. Allerdings dürfte die Volatilität auch weiterhin hoch bleiben. „Wenn die Risikoaversion der Anleger abnimmt, dürfte der Euro davon zunächst profitieren“, glaubt Karpowitz.
Wenn im nächsten Schritt jedoch die Konjunktur wieder anziehe, müsste davon wiederum der Dollar profitieren - selbst wenn die Erholung im Euro-Raum gleichzeitig einsetzt. „Die Erholung in Amerika wird von den Anlegern einfach stärker wahrgenommen, so dass sie zunächst einmal den Dollar beflügeln wird“, sagt Huttanus.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |