16.03.2009 · Extremer als bei den baltischen Staaten können volkswirtschaftliche Beurteilungen kaum schwanken: In der jüngeren Vergangenheit wurden sie noch als baltische Tiger gefeiert, inzwischen bezeichnet mancher Estland, Lettland und Litauen eher als Bettvorleger.
Von Jürgen BüttnerExtremer als bei den baltischen Staaten können volkswirtschaftliche Beurteilungen kaum schwanken: In der jüngeren Vergangenheit wurden sie noch als baltische Tiger gefeiert, inzwischen bezeichnet mancher Estland, Lettland und Litauen eher als Bettvorleger.
Wie drastisch sich das Blatt gewendet hat, lässt sich an wenigen Zahlen zeigen. Im Jahr 2007, als die Welt noch in Ordnung schien, wuchs das Bruttoinlandsprodukt in Estland um 6,3 Prozent, in Litauen um 8,9 Prozent und in Lettland sogar um 10,3 Prozent. Doch im Laufe des Vorjahres ging diese Dynamik verloren, und die Kreditkrise forderte die Zeche ein für die zuvor aufgebauten volkswirtschaftlichen Blasen. Schon 2008 schwächte sich das Wachstum in Litauen auf 3,2 Prozent ab, und in Estland und in Lettland sank die Wirtschaftsleistung sogar um 3,6 und 4,6 Prozent.
Von der Wachstums- zur Schrumpfwirtschaft
Doch damit nicht genug: Für 2009 rechnen die Volkswirte beim Broker Hansabank Markets mit noch schlechteren Zahlen. So wird für Litauen ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts von sechs Prozent, für Estland von sieben Prozent und für Litauen gar von zehn Prozent vorhergesagt.
Manche Volkswirte sind sogar noch pessimistischer. Angesichts der konjunkturellen Lage kann die EU froh sein, dass die baltischen Staaten nur auf ein Gewicht von knapp einem Prozent am nominalen Bruttoinlandsprodukt der EU kommen. So sind die Summen, um die es geht, noch überschaubar.
Lettland fürchtet den Staatsbankrott
Bisher hat nur Lettland ein Rettungsprogramm im Umfang von 7,5 Milliarden Euro mit dem Internationalen Währungsfonds vereinbart. Doch ob das ausreicht, ist längst noch nicht sicher. Selbst der neue lettische Premierminister Valdis Dombrovskis sprach jüngst von der Gefahr eines Staatsbankrotts, wenn dem Land die bewilligten Kredite verweigert werden sollten, weil es Sparanforderungen nicht erfüllt.
Zu schaffen macht den baltischen Staaten unter anderem eine hohe Auslandsverschuldung. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt, erreichen in Lettland und in Estland die Auslandsschulden mehr als 100 Prozent. Gleichzeitig gehören die Balten zu jenen Ländern, in denen der geringste Deckungsgrad der Auslandsschulden durch Devisenreserven besteht.
Feste Wechselkurse werden zum Problem
Verstärkt wird die Problematik im Baltikum noch durch die fixen Wechselkursregime, da die Devisenreserven zur Stützung der heimischen Währung verwendet werden müssen. Führende Experten befürchten, dass die fixen Wechselkursbindungen nicht verteidigt werden können. Doch wenn abgewertet wird, stärkt das zwar die Wettbewerbsfähigkeit, doch dafür würden viele der in ausländischer Währung verschuldeten Haushalte und Unternehmen endgültig in den Bankrott getrieben werden.
Wie real das Problem ist, zeigt sich am Beispiel Estlands, wo die Arbeitslosenquote mit 7,7 Prozent bereits auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1993 gestiegen ist. Staatspräsident Toomas Ilves schließt nicht aus, dass die Quote in der Spitze noch bis auf 20 Prozent steigen wird.
Haussegewinne sind passé
Die schwerste Krise, welche die baltischen Staaten seit der Erlangung der Unabhängigkeit Anfang der neunziger Jahre durchleben, hat auch bei den lokalen Aktien tiefe Spuren hinterlassen: Während sich die Anleger von Ende 2001 bis Ende 2006 beim OMX Baltic Benchmark GI Index noch über ein Plus von 453 Prozent freuen konnten, ging es danach ebenso rasant bergab. Seit Anfang 2007 bis heute hat der OMX Baltic Benchmark GI Index fast 75 Prozent an Wert verloren. Er ist damit fast wieder bis auf den Ausgangspunkt der Hausse zurückgefallen.
Aber auch sonst befinden sich die baltischen Börsen auf Schrumpfkurs. Daran hat auch die Bündelung des Handels an der schwedischen OMX und die im Februar beschlossene Verlängerung des täglichen Handels um zwei Stunden nichts geändert. In der Vorwoche wurden trotzdem Aktien im Wert von nur 1,5 Millionen (Litauen), 1,1 Millionen (Estland) und 58.000 Euro (Lettland) gehandelt. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf nur rund fünf Milliarden Euro. Für fast alle institutionellen Anleger scheiden baltische Aktien wegen zu geringer Größe und fehlender Liquidität als Anlagealternative aus. Manche Titel könnten allerdings wegen ihrer einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnisse langsam wieder interessant werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3270 | −0,10% |
| Rohöl Brent Crude | 118,15 $ | −0,45% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |