Natürlich hat die Kreditkrise auch in Polen Bremsspuren hinterlassen. So geht die Regierung davon aus, dass die Arbeitslosenquote bis Jahresende wieder bis auf 12,5 Prozent steigt. Aber insgesamt betrachtet ist Land speziell im europäischen Vergleich relativ gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Während die meisten EU-Staaten im zweiten Quartal mit sinkender Wirtschaftsleistung kämpfen mussten, legte das polnische Bruttoinlandsprodukt um 1,1 Prozent gegenüber dem Winterquartal zu.
Das war nicht nur Spitze in Europa, sondern damit ist Polen auch das einzige Land in Osteuropa, das eine Rezession vermeiden konnte. Vielmehr winkt Polen zum vierzehnten Mal in Folge eine Steigerung der jährlichen Wirtschaftsleistung. Denn auch im dritten und vierten Quartal rechnet das Wirtschaftsministerium mit rund einem Prozent Wachstum. Und für 2010 prognostiziert der Internationale Währungsfonds ein Plus von 2,2 Prozent.
Es stehen einige Hausaufgaben an
Allerdings bedeutet das nicht, dass sich nicht auch die mit Abstand größte Volkswirtschaft der osteuropäischen EU mit Schwierigkeiten herumplagen muss. Probleme bereiten unter anderem das stark steigende Haushaltsdefizit. Im kommenden Jahr dürften die Staatsschulden Polens laut Fitch Ratings einen Wert von 56,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen. Das würde dann über der Marke von 55 Prozent liegen und damit über dem Wert, bei dem die Regierung per Gesetz zur Defiziteinschränkung verpflichtet ist.
Reformbedarf sieht Gunter Deuber, Volkswirt bei DB Research zudem im sozialen Sicherungssystem und dem Arbeitsmarkt. Rückstände selbst zu einigen andern großen aufstrebenden Volkswirtschaften macht er außerdem beim Geschäftsklima, der Regulierung im privaten Sektor, der Infrastruktur und der Diversifizierung bei der Energieversorgung aus. Eine Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen erhofft sich Deuber aber erst, falls es im Zuge der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in den Jahren 2010 und 2011 zu einer Auflösung der derzeitigen Blockade zwischen Regierung und Präsidenten kommt.
Das zusammen mit einer Inflationsrate von zuletzt 3,4 Prozent, die sich damit hartnäckig am oberen Ende des von der Zentralbank vorgegebenen Zielbereichs von 1,5 bis 3,5 Prozent hält, hat möglicherweise in diesem Jahr zu einer im Benchmarkvergleich relativ schwachen Entwicklung beigetragen.
Renditeabstand könnte sich verringern
Doch für 2010 rechnet die WGZ Bank mit einem deutlichen Rückgang bei der Teuerung. Und vermutlich auch ermutigend durch die hauseigene Prognose haben die dortigen Analysten gerade erst den Anteil polnischen Staatsanleihen im Emerging Markets Strategieportfolio angehoben. Konkret wurde die Position bei der im Vorjahr emittierten und bis zum 03. Februar 2014 laufenden Euro-Staatsanleihe (Isin: XS0410961014, Kupon: 5,875 Prozent) um 1,5 Prozent auf 3,5 Prozent aufgestockt.
Zur Begründung heißt es auch, wegen des soliden makroökonomischen Rahmens gebe es Potential für Spreadeinengungen. Derzeit wirft das Papier bei einem Kurs von 108 Prozent eine Rendite von 3,8 Prozent ab. Das liegt immerhin rund 148 Basispunkte über dem, was vergleichbare deutsche Bundesanleihen bringen.
man kann es nicht mehr hören!
Dirk Kampschäfer (dk26)
- 23.10.2009, 22:40 Uhr
Trotz mancher Wohltaten den Polen angetragen gilt:
Stan Kowalski (Naschfreudiger)
- 24.10.2009, 11:02 Uhr
