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Anleihemarkt Neue Tschechien-Anleihe interessant

08.05.2009 ·  Tschechien hat die wieder etwas gestiegene Risikobereitschaft zur Platzierung einer neuen Staatsanleihe genutzt. Für einen Emittenten mit einem A-Rating bietet das Papier einen akzeptablen Renditeaufschlag.

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Der Kreditmarkt hat sich zuletzt wieder etwas geöffnet. Auch Emittenten aus Schwellenländern und Unternehmen konnten wieder Papiere platzieren. Etwas Belebung in das Geschehen ist auch in Osteuropa gekommen. Nachdem Polen bereits Mitte Januar erfolgreich aktiv wurde und die Slowakei für das zweite Quartal eine Anleihe plant, hat jüngst Tschechien erstmals seit vergangenen Juni wieder eine neue Euro-Anleihe (ISIN: XS0427020309, Kurs: 99,02 Prozent, Rendite: 4,712 Prozent) aufgelegt.

Das Volumen betrug 1,5 Milliarden Euro. Nach Angaben der WGZ Bank gingen Kaufaufträge von etwa 2,1 Milliarden Euro ein, so dass der Bond, dessen geplanter Verkauf im Februar noch wegen vorherrschenden Risikoaversion verschoben werden musste, leicht überzeichnet war. Die bis zum 5. November 2014 laufende Anleihe weist einen Kupon in Höhe von 4,5 Prozent und eine auch für Privatanleger interessante 1.000er-Stückelung auf. Bei der Emission lag der Renditeaufschlag bei 190 Basispunkten über dem Swapsatz. Zum Vergleich: Bei der bisher letzten Emission musste nur auf Aufschlag von 25 Basispunkten gezahlt werden.

WGZ Bank rät zum Umschichten

Laut WGZ-Analyst Tobias Gruber weist der Titel verglichen mit anderen tschechischen Anleihen eine höhere Rendite auf. Im hauseigenen Musterdepot wurde deshalb eine bereits existierende und bis Juni 2014 laufende Anleihe (Isin XS0194957527) gegen das neue Produkt ausgetauscht - zum Umschichtung rät er auch den Kunden.

Wer sich für das Produkt interessiert, sollte sich vorab auch mit den volkswirtschaftlichen Rahmendaten des Landes vertraut machen. Wer das tut, wird zum einen schnell merken, dass die Kreditkrise auch Tschechien nicht ungeschoren gelassen hat, dass der Datenkranz zum anderen aber trotzdem noch immer solider ist als in den meisten anderen osteuropäischen Staaten. Vor allem eine sinkende Exportnachfrage hat das Plus beim Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal auf nur noch 0,7 Prozent gerückt. Das ist deutlich weniger als die in den Jahren zuvor üblichen Raten von mehr als sechs Prozent.

Für 2009 rechnet der Internationale Währungsfonds sogar mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 3,5 Prozent. Gestützt wird diese negative Prognose durch die im April veröffentlichten makroökonomischen Kennziffern. So wurde unter anderem über eine um 23,4 Prozent gesunkene Industrieproduktion berichtet und über Einzelhandelsumsätze, die um 7,9 Prozent niedriger ausgefallen sind.

Inflationsdruck hat deutlich nachgelassen

Aber immerhin bewegte sich der Leistungsbilanzsaldo bereits 2008 mit einem Minus von etwa 3 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt in einem noch vertretbaren Rahmen. Und auch die Staats- und Auslandsverschuldung ist im Vergleich zu dem Durchschnitt der bei Fitch Ratings wie Tschechien mit A eingestuften Ländern als niedrig zu bezeichnen. Wobei allerdings in diesem Jahr wieder mit einem deutlich höheren Haushaltsdefizit gerechnet werden muss. Im Finanzministerium wird ein Minus von 4,5 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt nach minus 1,5 Prozent im Vorjahr befürchtet.

In die richtige Richtung entwickelte sich dagegen zuletzt die Inflation. Diese hat sich im März auf 2,3 Prozent zurückgebildet, nachdem sie Anfang 2008 noch bei 7,5 Prozent lag. Vermutlich auch deshalb hat die Notenbank erst an diesem Donnerstag den Leitzins um 25 Basispunkte auf ein Rekordtief von 1,5 Prozent gesenkt.

Ein Pluspunkt stellen zudem die in den vergangenen Jahren stetig gestiegenen internationalen Währungsreserven dar. Ende März beliefen sich diese auf knapp 37 Milliarden Dollar. Und nach dem Urteil der WGZ Bank scheint auch das tschechische Bankensystem, insbesondere im Vergleich zu den anderen osteuropäischen Ländern, robust zu sein. So wird der Anteil an vergebenen Fremdwährungskrediten als gering bezeichnet und die Verpflichtungen gegenüber dem internationalen Bankensystem als moderat. Zusammengefasst bietet die neue Tschechien-Anleihe somit eine interessante Rendite im Segment der Emittenten mit einem A-Rating.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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