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Anleihemarkt Enge Verflechtung mit Osteuropa lastet auf Österreichs Staatsanleihen

13.02.2009 ·  Nicht nur die Risikoaufschläge für Anleihen aus Spanien, Portugal, Irland und Griechenland sind stark gestiegen. Auch die österreichischen Papiere hat es erwischt. Zurückzuführen ist das auf das starke Engagement der heimischen Unternehmen in Osteuropa.

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Im Gefolge der Kreditkrise und dem damit verbundenen Konjunkturabschwung ist das Zinsniveau der Staatsanleihen innerhalb der EU so weit auseinandergelaufen wie noch nie seit der Einführung des Euro.

Die allgemein vorherrschende Denkweise der Anleger kommt beispielhaft in der Strategieempfehlung der Commerzbank zum Ausdruck. Die dortigen Analysten favorisieren derzeit die Staatsanleihen der großen Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich und Italien. Sie raten dazu, weil sie damit rechnen, dass der Trend zu hohen Renditeabständen bis auf Weiteres noch intakt bleiben wird. Im Zuge der laufenden Neubewertung sehen sie die Anleihen von kleineren Mitgliedsstaaten unter Druck.

Wegen dieser Denkhaltung sind zuletzt bekanntlich die Kurse der Anleihen von Ländern wie Spanien, Portugal, Irland und Griechenland unter Druck geraten. Nicht zuletzt wegen der dort zu beobachtenden beträchtlichen Verschlechterung in den Leistungsbilanzsalden machen sich die Anleger Sorgen um die Bonität dieser Staaten. Dass diese Befürchtungen nicht unbegründet sind, zeigt sich an den in den Fällen von Griechenland, Spanien und Portugal bereits jüngst von der Ratingagentur Standard & Poor´s vorgenommenen Rückstufungen der Kreditwürdigkeit. Irland steht bei Standard & Poor´s zudem auf der negativen Credit-Watch-Liste, was die Gefahr einer baldigen Herabstufung signalisiert.

Bankensektor mit hohen Verbindlichkeiten im Osten

Doch die Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf die genannten Länder. Negativ betroffen ist vielmehr auch Österreich (siehe Grafik), obwohl dieses Land mit Überschüssen in der Leistungsbilanz aufwarten kann. Doch in diesem Fall wirkt ein anderer Faktor als Belastung. Von Marktteilnehmern werden die gestiegenen Risikoaufschläge auf die enge Verflechtung der österreichischen Wirtschaft mit Osteuropa zurückgeführt. Also ausgerechnet auf jenen Punkt, der früher noch als Pluspunkt zu Gunsten der österreichischen Volkswirtschaft angeführt wurde.

Sorgen bereitet insbesondere das starke Engagement der heimischen Banken in Osteuropa, nachdem sich in dieser Region mittlerweile die Kreditkrise ebenfalls stark negativ bemerkbar macht. Zwar sind auch Kreditinstitute aus Belgien, Niederlande, Italien und Schweden substanziell mit Osteuropa verflochten. Doch gemessen an den Verbindlichkeiten in der CEE-Region relativ zur Bilanzsumme des heimischen Bankensektors reicht kein anderes europäisches Land an den österreichischen Wert heran (siehe Grafik).

Region strickt an einem Hilfspaket für Osteuropa

Das ist vermutlich auch der Grund, warum die österreichische Bundesregierung seit geraumer Zeit Bemühungen um ein Osteuropa-Hilfspaket der EU sowie auch für Nicht-EU Mitglieder wie die Ukraine anstellt. Dieses Hilfspaket sollte zusätzlich zur IWF-Hilfe dringend benötigte Devisen für die ausgedünnten Währungsreserven mancher Länder der CEE-Region zur Verfügung stellen, um ihre unter Druck geratenen Währungen zu stabilisieren. Bislang stießen die österreichischen Vorschläge bei der EU allerdings auf taube Ohren.

Im Falle einer weiteren Verschlechterung der Situation in Osteuropa könnte laut den Analysten von Raiffeisen Research die Verzinsung österreichischer Anleihen weiter steigen (die bis 15.09.2016 laufende Anleihe (Isin: AT0000A011T9) bringt derzeit eine Rendite von 3,72 Prozent). Was wiederum die Finanzierung der geplanten Konjunkturpakete verteuern würde und insgesamt die Verschuldung Österreichs erhöht. Ein Hilfspaket für Osteuropa könnte sich deshalb unter dem Strich für Österreich lohnen, wobei das Land die Summe im Alleingang aber nicht stemmen kann.

Völlig geächtet werden die österreichischen Anleihen deswegen aber natürlich nicht. Manche Investoren fühlen sich durch den gestiegenen Renditeaufschlag vermutlich sogar angelockt. Die am 10. Februar aufgestockte 15-jährige Bundesanleihe der Republik Österreich mit einer Tranche von 1,65 Milliarden Euro war jedenfalls um das 1,75-fache überzeichnet. Für Raiffeisen Research ist diese Überzeichnung ein Beleg dafür, dass Österreich derzeit keine Probleme mit der Refinanzierung seiner Ausgabenposten hat. Für 2009 plant die Republik weitere Auktionen mit einem Begebungsvolumen von insgesamt 30 Milliarden Euro. Das ist sicherlich kein Pappenstiel. Wer investiert ist, sollte dies und die Entwicklung in Osteuropa im Auge behalten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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