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Aktien-Analyse Börse in Kiew steigt wie Phönix aus der Asche

08.05.2009 ·  Die Ukraine ist laut Osteuropa-Bank das weitaus größte Krisen-Sorgenkind. Doch das hat den lokalen Aktienindex PFTS in den vergangenen beiden Monaten nicht von einer Kursverdoppelung abgehalten.

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Die Rally, die derzeit an den Weltbörsen abläuft, ist schon mehr als erstaunlich. Alles, was vor kurzem noch gnadenlos zusammengefaltet worden war, befindet sich plötzlich auf einem fulminanten Höhenflug. Am stärksten fallen dabei die Kursausschläge in der Ukraine aus. Denn erst mutierte der lokale Aktienindex PFTS mit einem Minus von rund 90 Prozent zu einem der größten Verlierer überhaupt, bevor er sich in den vergangenen beiden Monaten aus dem Stand heraus glatt verdoppelte.

Alleine am Donnerstag kletterte der Index um 7,84 Prozent auf 399,63 Punkte. Aus einem teilweise zu Buche stehenden dicken Jahresminus ist dadurch inzwischen ein Jahrsplus von beachtlichen 52,2 Prozent geworden. Am Vortag standen vor allem Bankaktien auf der Gewinnerseite. So gewannen Raiffeisen Bank Aval 30 Prozent, Ukrsotsbank 24 Prozent und Bank Forum 16 Prozent. Zurückzuführen war dies auf die Meldung, wonach die Ukrsotsbank auf einem der italienischen Mutter von der Europäischen Bank für Wiederaufbau gewährten Kredittopf 100 Millionen Dollar erhalten soll. Außerdem half die Meldung, wonach es der Alfa Bank doch noch gelungen ist, einen fälligen Kredit zurückzuzahlen.

Ukraine für Osteuropabank Sorgenkind Nummer eins

Neuigkeiten wie diese dämpfen zumindest fürs Erste die Befürchtungen, das komplette Bankensystem könnte kollabieren. Außerdem kursierten zuletzt auch immer wieder Gerüchte über einen Staatskollaps. Doch auch diese Ängste haben sich zuletzt nicht zuletzt dank eines IWF-Kredits verringert. Ablesen lässt sich das auch an den Renditeaufschlägen für fünfjährige Credit Default Swaps. Denn diese haben sich alleine seit dem Monatsende von 3.858 Basispunkten auf 1.684 Basispunkte zurückgebildet.

Aber auch das ist natürlich noch immer eine Menge Holz. Doch die hohen Risikoaufschläge haben auch einen realen Hintergrund. So hat die Osteuropa-Bank EBRD erst an diesem Freitag wieder betont, die Ukraine bleibe wegen großer wirtschaftlicher und politischer Schwierigkeiten das Sorgenkind Nummer eins. „Die Ukraine macht uns in jeder Beziehung Sorgen“, sagte EBRD-Präsident Thomas Mirow. Dies betreffe die ökonomische Lage (die Prognose für das Bruttoinlandsprodukt wurde jüngst für 2009 von minus fünf auf minus zehn Prozent gesenkt) und vor allem die politische Entwicklung. Im stark reformbedürftigen Energiesektor seien dringend hohe Investitionen nötig. In ihrer kürzlich vorgelegten Konjunkturprognose zu Ost-, Mittel- und Südosteuropa geht die EBRD für die Ukraine 2009 von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um zehn Prozent aus.

Mirow forderte die westlichen Banken auf, Tochterinstitute in Mittel- und Osteuropa zusätzlich zu stützen. Ohne weitere externe Hilfe lasse sich die Bankenkrise nur schwer bewältigen. Aus Sicht der EBRD ist die Spitze des Eisbergs bei notleidenden Krediten noch nicht erreicht. „Kommen die erforderlichen externen Finanzierungen nicht zustande, könnte dies zu einer Reihe von Banken- und Währungskrisen führen“, heißt es in einem EBRD-Papier.

Illiquider Markt

Ein Ruhekissen sind Investments in der Ukraine somit sicherlich nicht. Zumal auch nicht vergessen werden darf, dass es sich um einen sehr illiquiden Markt handelt. Brokerangaben zufolge beliefen sich die Tagesumsätze beim PFTS am Donnerstag nur auf 1,8 Millionen Dollar. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, können die Kurse natürlich theoretisch noch weiter steigen, solange die Risikoaversion an den Börsen nicht wieder allgemein stark steigt. Schließlich sind die Notierungen zuvor sehr stark gefallen und haben nun entsprechendes Aufholpotenzial. Außerdem spiegeln sich die Ängste der Marktteilnehmer auch jetzt noch immer in relativ niedrigen Bewertungen wider. So weisen laut dem Broker UFC Capital viele Werte auf dem Kurszettel Kurs-Buchwert-Verhältnisse von unter eins auf.

Nach einer Kursverdoppelung in sehr kurzer Zeit spricht aber zunächst vieles für eine bald bevorstehende Verschnaufpause. Auch die Analysten der Alfa Bank haben zum Wochenausklang vor einer kurzfristigen Überhitzung und einer drohenden Kurskorrektur gewarnt. Wer sich in Produkten wie dem von der HypoVereinbank emittierten Open End Zertifikat auf den Ukrainian Traded Index (UTX, Isin DE000HV5S8C9) engagiert, sollte das im Hinterkopf behalten. Wobei aber auch konstatiert werden muss, dass die Charttechnik trotz aller volkswirtschaftlicher Schwierigkeiten und kurzfristiger Korrekturgefahren derzeit eher für mittelfristig weiter steigende Notierungen spricht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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