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Zweihundertster Jahrestag der Völkerschlacht : Keine Daten und Schlachtordnungen!

Vereinnahmung an der Tagesordnung: Besonders die Nachwirkungen der Mythen und Symbole von 1813 stehen im Fokus der Ausstellung Bild: dpa

Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig sucht neue Wege zur Völkerschlacht und lässt die Schlacht selbst außen vor. Trotz visuell beeindruckender Präsentation geht auf diese Weise etwas verloren.

          Von morgen an gedenkt die Stadt Leipzig vier Tage lang der Völkerschlacht, die vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 rings umher tobte und am letzten Tag auch in die Mauern der Stadt selbst einzog. Dieses Gefecht, das eigentlich aus einer Abfolge mehrerer Schlachten bestand, hat die Stadt berühmt gemacht, und auch wenn sie danach nicht von Krieg und Kriegsgeschrei verschont blieb, musste sie vergleichbar Schlimmes nie wieder erleben. Keine Messe brachte jemals mehr Fremde in die alte Handelsstadt als das Gemetzel zwischen Napoleons Truppen und den gegen ihn verbündeten Russen, Preußen, Österreichern, Schweden und Briten. Insgesamt nahmen 600 000 Soldaten daran teil. Noch sechs Monate lang danach sorgten Seuchen dafür, dass die Sterblichkeit in der Stadt das übliche Maß um fast das Zehnfache überstieg. Es starben viel mehr Leipziger nach als während der Schlacht.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Bei den Soldaten war das anders, insgesamt zählte man fast 100 000 Tote, davon die meisten während der vier Kampftage. Kein Wunder also, dass sich die Ereignisse nicht nur ins Gedächtnis der Stadt eingegraben haben, sondern auch in das der beteiligten Parteien - bis im Ersten Weltkrieg eine neue Form des Massentötens etabliert wurde, die das Gedenken an Leipzig und die dortigen Opfer aus dem kollektiven Bewusstsein verdrängte. Das Völkerschlachtdenkmal, das 1913 zum hundertsten Jahrestag als Opfergedenkstätte und nationales Wahrzeichen eingeweiht worden war, hatte schon wenig später, nach der von Millionen Toten begleiteten Niederlage von 1918, seine Funktion eingebüßt. Es standen nun ganz andere Zahlen und ein neues deutsches Selbstverständnis zur Bewältigung an.

          Deshalb setzte das breite Gedenken an die Völkerschlacht für ein Jahrhundert aus, obwohl es in der Stadt weiter gepflegt wurde, nicht zuletzt zu DDR-Zeiten aus Gründen der deutsch-russischen Waffenbrüderschaft. Doch zum zweihundertsten Jubiläum hat sich jetzt ganz Leipzig auf friedliche Weise gerüstet, um die Neugierigen zu empfangen, die sich am Ort selbst an das historische Ereignis erinnern lassen wollen. Das Völkerschlachtdenkmal, frisch renoviert, strahlt so hell wie nie zuvor. Und das Stadtgeschichtliche Museum hat eine große Ausstellung zu bieten, die sich jedoch nicht mit der Schlacht selbst, sondern mit deren Rezeption befasst.

          Germania auf der Wacht am Rhein, Lorenz Clasen (1812–1899), 1860, Öl auf Leinwand
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          Germania auf der Wacht am Rhein, Lorenz Clasen (1812–1899), 1860, Öl auf Leinwand :

          Es mag seltsam wirken, gerade am Schauplatz eine solche Ausstellung vorzufinden, die dem Ereignis selbst kaum ein Objekt widmet. Das hat seinen Grund darin, dass das Stadtgeschichtliche Museum auf dem Gelände des Völkerschlachtdenkmals sein „Forum 1813“ betreibt, ein eigenes Museum, das sich ganz der Schlacht widmet. Man hätte dessen Bestände aufteilen müssen, wäre die Schau im Haupthaus auch mit Relikten zu bestücken gewesen. Zudem erwartete man mehr heutige Schlachtenbummler draußen am Denkmal als in der Innenstadt. Das könnte indes täuschen, denn mitten in Leipzig haben sich einige Gebäude erhalten, die damals zentrale Orte der Auseinandersetzung waren. Zum Beispiel am Markt das Thomésche Haus, in dem sich Napoleon vor seinem Abzug von dem mit ihm verbündeten sächsischen König verabschiedete. Oder das Alte Rathaus, von dessen Turm aus der Senat der Stadt den Kampfverlauf beobachtete. Es ist schade, dass die zentrale Ausstellung nicht dort ihren Platz gefunden hat.

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