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Zwei Welten

15.02.2003 ·  Zwischen Zhang Yimous „Hero“ und Michael Winterbottoms „In This World“ liegt die ganze Spannbreite des Kinos: China im dritten Jahrhundert vor Christus, der Weg von Pakistan nach London im Jahre 2002.

Von Peter Körte
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Nirgends kommen sie einander näher als auf einem Festival: das große und das kleine, das reiche und das arme Kino. Hier wird die Schwerkraft aufgehoben, dort scheint sie die Akteure zu erdrücken. Hier verleibt sich die eine Macht all ihre Gegenspieler ein, dort bleiben die Differenzen.

Zwischen Zhang Yimous "Hero" und Michael Winterbottoms "In This World" liegt die ganze Spannbreite des Kinos: China im dritten Jahrhundert vor Christus, der Weg von Pakistan nach London im Jahre 2002.

Eine Staatsgründungslegende vom Kampf der Königreiche, aus dem der erste Kaiser hervorging, der die chinesische Mauer errichten ließ. Ein road movie auf der alten Seidenstraße, das vom Flüchtlingslager im Grenzgebiet zur britischen Einwanderungsbehörde führt. Ein Attentäter und seine Helfer, dessen filigrane Intrige scheitert und der durch seinen Tod zum Helden wird. Zwei afghanische Flüchtlinge, Cousins, deren zufällige Spuren sich in den Migrantenströmen zu verlieren drohen.

Ein gewaltiger Erfolg

Ein gewaltiger Erfolg in China für einen Regisseur, der immer wieder Probleme mit der Zensur hatte, wobei für westliche Augen nur schwer zu entschlüsseln ist, wo diesmal sein Kotau liegt; schwerelose Schwertkämpfer-Ballette, eine einzige gewaltige, opernhafte Choreographie, die Massen zu Ornamenten arrangiert.

Eine Kette von dubiosen Helfern zwischen Peschawar, Teheran, Istanbul und Triest, die an der Hilfe verdienen, Verzweiflung, Ausbeutung, Betrug. Eine geschlossene Welt voller Ähnlichkeiten, in der alles so auseinander hervorgeht wie der Charakter des Kämpfers aus der Kalligraphie; homogene Zeichen, Tableaus, Landschaften wie gemalt, Stars des Hongkong-Kinos wie Jet-Li oder Maggie Cheung. Der spröde Minimalismus des Digitalvideos, mit Laien gedreht, graue, verwischte Flächen, zerfließende Farben in kargen Landschaften, Zeichen der Armut und der globalen Marken, dramatisiert allein durch die Musik.

"Hero" ist überwältigend, weil er Raum, Zeit, die Gesetze der Physik suspendiert; "In This World" ist es, weil er ganz und gar in den Koordinaten unserer Zeit bleibt. "Er ist nicht in dieser Welt", sagt am Ende der jüngere der beiden Cousins zu seinem Onkel am Telefon. Sein Cousin ist im Container erstickt. "Alles unter einem Himmel vereinigen" heißt die Losung in "Hero". Unter dem Dach eines Filmfestivals entsteht zwischen diesen Extremen eine flüchtige Koexistenz.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8.2.2003, S. 37
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Jahrgang 1958, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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