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Zum Wohl aller Bürger : Bruttoinlandsglück

  • -Aktualisiert am

Was Bhutan tut, kann Venezuela schon lange: Wohlbefinden fördern. Der Weg dahin führt - so will es Präsident Maduro - über ein neues Ministerium.

          Es ist so eine Sache mit dem öffentlichen Glück. Gerade hierzulande, wo trotz Tausenden von Glückshandbüchern, Glückstherapeuten und Wirtschaftsglücksmeldungen jede U-Bahn-Fahrt der triste Besuch in einem Kabinett der langen Gesichter ist und jedes Gespräch über die Zukunft der potentielle Auslöser einer chronischen Depression, ist immer noch unklar, wer überhaupt für das Bürgerglück zuständig ist.

          Vielleicht die Volksparteien, die, jede auf ihre Art, das große Glück versprechen, im Kreise der Liebsten, wohlernährt und am besten im Grünen nachhaltig zu altern? Aber dann versteht man nicht, wieso alle Politiker (bis auf die Piraten, aber das ist ja schon gegessen), die doch vorbildlich glücklich sein sollten, immer so sauertöpfisch dreinschauen. Oder ist etwa das EU-Parlament zuständig, das sich gerade heroisch dafür einsetzt, dass man auf europäischen Flügen ein zweites Handgepäckstück mitnehmen darf?

          Eine zentrale Anlaufstelle für Beschwerden

          Da sind andere Länder, muss man schon sagen, in Sachen Glück wesentlich weiter. Liest man zum Beispiel Artikel 9 der Verfassung der südasiatischen Monarchie Bhutan, wird einem gleich klar, wie gut es andere auf diesem jämmerlichen Planeten haben: „Der Staat bemüht sich, jene Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Bruttoinlandsglück ermöglichen.“ Vom Wunsch der edlen Herrscher Bhutans, jenes Vorhaben in die Tat umzusetzen, zeugen womöglich das totale Rauchverbot und die damit verbundenen Geldstrafen, für die ein durchschnittlicher Bhutaner ungefähr drei Leben lang schuften müsste.

          Im selben menschenfreundlichen Geist hat nun Venezuelas Präsident Nicolás Maduro angekündigt, es werde demnächst ein „Vizeministerium für das höchste soziale Glück des venezolanischen Volkes“ eingerichtet. Es soll alle Ämter vereinen, die sich bisher der Beschwerden benachteiligter Bürger annahmen. Außerdem soll die Behörde, wie Maduro erklärte, „unseren Kommandanten Hugo Chávez“ sowie den Befreier des Landes, Simón Bolívar, ehren – ein Ziel von ja fast allen Maßnahmen der Regierung Venezuelas, auch schon, als der verstorbene Chávez noch lebte und regierte.

          Die Reaktionen auf Maduros Bekundung sind, um es zurückhaltend zu formulieren, vorsichtig. Ein Skeptiker kommentierte via Twitter: „Genau das, was Venezuela braucht: ein Glücksamt und doch keine Lohnerhöhung!“ Auf Facebook schrieb eine Exil-Venezolanerin: „Jetzt wird endlich alles gut! Aber warum nicht gleich ein richtiges Ministerium?“ Wie auch immer, das Vizeministerium fürs Glück wird einiges zu tun haben. Venezuelas Regierung wird als korrupter wahrgenommen als die Weißrusslands oder Kongos. Im Lande sind Angriffe gegen Regierungskritiker Alltag. Und in den vergangenen Jahren haben sich Armut und Kriminalität beträchtlich vervielfacht. Höchste Zeit also für das höchste Glück.

          Quelle: F.A.Z.

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