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Veröffentlicht: 04.07.2012, 16:10 Uhr

Zum Tode von Sergio Pininfarina Die Reifenprüfung

Kann Automobildesign je schöner werden? Er schuf Formen, die nur der Natur - und auch ihr nur an guten Tagen - gelingen: Zum Tod des Sportwagengestalters Sergio Pininfarina.

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© AP Auf Augenhöhe mit zeitloser Anmut: Sergio Pininfarina betrachtet 1959 in Turin einen Ferrari 400 Superamerica, der wiederum ihn zu betrachten scheint

Man muss mit seinem Vater beginnen. Battista Farina, genannt „Pinin“, der Kleine, gründete 1930 in Turin eine Karosserieschmiede - in einer Zeit, in der sich gutsituierte Automobilisten in einer Autofabrik nur ein Chassis mit Motor kauften und sich bei Leuten wie Farina eine Karosserie nach ihren Wünschen schneidern ließen, um das zu vermeiden, was heute alle Golf- und Škoda-Fahrer plagt: auf einem Parkplatz neben achtzehn baugleichen Autos zu stehen und umständlich auf dem Kennzeichen nachsehen zu müssen, welches wohl das eigene ist. Farina war ein Formkünstler, der Blech zu einmaligen Porträts bog - und später mit eigenen Entwürfen für die Kleinserienproduktion von Cisitalia- und Ferrari-Sportwagen berühmt wurde. Einer seiner Entwürfe steht im New Yorker Museum of Modern Art: Zu Recht, denn vielleicht sind italienische Sportwagen für das zwanzigste Jahrhundert das, was römische Renaissanceskulpturen für ihre Zeit waren - die Formen, mit denen Geldadel und Machthaber ein gut sichtbares Zeichen ihres Geschmacks setzten.

20327547 Sein Maserati A6GCS Berlinetta Pininfarina © AFP Bilderstrecke 

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Als Battista Pininfarina 1966 starb, hatte sein 1926 geborener Sohn Sergio schon an zahllosen legendären Entwürfen mitgearbeitet. Mit dem Alfa Romeo Duetto Spider begann die Ägide des Sohns - jenem Wagen, den Dustin Hoffman als Ben in dem Film „Die Reifeprüfung“ fährt. Hätte er, statt in dem roten Pininfarina-Cabrio, die Nachbarstochter Elaine in einem knatternden Chevy Corvair abgeholt, hätte sie im dramatischen Finale des Films wohl nicht ihren Bräutigam unter entschlossener Zerstörung eines Kreuzes vor dem Altar stehengelassen und mit Ben die Flucht ergriffen. Ohne Pininfarina gäbe es ein paar amerikanische Helden weniger: Thomas Magnums Ferrari308 - ein Entwurf von Pininfarina. Sunny Crocket fährt in „Miami Vice“ zwei Pininfarinas, erst einen Ferrari Daytona, dann einen weißen Testarossa, dessen hintere Kotflügel aussahen wie die autogewordenen Schulterpolster seines Leinensakkos.

Wie ein Ufo auf der Straße

Sergio Pininfarina verstand sich nicht nur als Designer, sondern auch als Unternehmer, der die besten Talente in seinem Atelier versammelte; kaum ein wichtiger italienischer Automobilgestalter, der nicht bei und von Pininfarina lernte. Sergio Pininfarina blieb trotz einiger Extravaganzen den Formmaximen seines Vaters treu: Eine PininfarinaKarosserie verzichtet auf Brüche und zu Schrilles; sie setzt auf maximale innere Spannung der Form. Zum Lamborghini Countach und dem von Tom Tjaarda wie mit Rasierklingen gezeichneten DeTomaso Pantera verhielten sich Pininfarinas Ferraris wie Hochrenaissance zum Spätmanierismus. Dort die gesprengte, kubistisch zerlegte Form - der Countach und der Pantera sind die Demoiselles d’Avignon des Automobilbaus; bei Pininfarina dagegen die maximal gespannte, organisch entwickelte Skulptur, die immer noch einen plötzlichen virtuosen Hüftschwung hinlegt, wenn man fürchtet, sie könne sehr klassisch und, wie eine Bach-Fuge, in ihrer Vorhersehbarkeit etwas langweilig werden.

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