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Zum Tode Patrick Moores : Der ungläubige Patrick

Sir Patrick Moore (1923 - 2012) Bild: Reuters

Statt nach Cambridge ging er zur Luftwaffe. Dann erklärte er in Friedenszeiten England die Weiten des Alls: Zum Tod des britischen Astronomen Sir Patrick Moore.

          Patrick Moore besaß keinen Doktortitel, er hatte nicht einmal studiert, doch kein Astronom hat eine derart breite Wirkung gehabt wie dieser passionierte Amateur, der Fachleute ebenso ansprach wie Kinder. Mit zerzaustem Haar, schlecht sitzenden, übergroßen Anzügen über der mächtigen Figur und vor das rechte Auge geklemmtem Monokel entsprach Moore der Karikatur eines verrückten Professors. In schnell ratternden Sätzen hat er Generationen von Briten in der seit 1957 laufenden BBC-Sendung „The Star at Night“ die Planeten und Sternbilder erklärt - mit dem knappen, etwas nuschelnden Oberschicht-Akzent alter englischer Filme. Er stand sogar im „Guinness-Buch der Rekorde“ als der am längsten dienende Moderator einer Sendung in der Welt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          „The Star at Night“ lebte von der eigenwilligen Mischung aus Wissen, Neugier und Begeisterung, die Moore vermittelte. Er wollte die Existenz von intelligentem Leben jenseits der Erde nicht ausschließen und pflegte stets auf die Grenzen unseres Wissens hinzuweisen. Unverblümt und auf unaffektierte Weise skurril, wurde er zu einer vielfach parodierten Institution, was seinem Ansehen in der Zunft keinen Abbruch tat. Seine Karten der Mondoberfläche dienten sowohl der russischen wie der amerikanischen Weltraumforschung als Grundlage.

          Ein leidenschaftlicher Astronom

          Auf seiner Schreibmaschine aus dem Jahr 1908 tippte Moore mehrere Dutzend Bücher, darunter Science-Fiction-Romane für Kinder sowie unter Pseudonym auch humoristische Bände wie das Handbuch „Bureaucrats - How to Annoy Them“. Er komponierte Opern, spielte Xylophon wie ein Derwisch und behauptete, Albert Einstein beim Geigenspiel auf dem Klavier begleitet zu haben.

          Die Leidenschaft für die Astronomie wurde bei dem Sohn eines Offiziers und einer Opernsängerin durch ein Buch über die Geschichte des Sonnensystems geweckt, das er als Sechsjähriger gelesen hatte und bis zuletzt bei sich behielt. Moore trug noch kurze Hosen, als er seinen ersten wissenschaftlichen Beitrag schrieb (über einen Mondkrater, den er durch ein kleines Fernrohr beobachtet hatte) und kurz darauf als jüngstes Mitglied der British Astronomical Association aufgenommen wurde.

          Statt einen Studienplatz in Cambridge anzunehmen, meldete er sich beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit gefälschter Altersangabe bei der britischen Luftwaffe. Seine Verlobte kam bei einem deutschen Bombenangriff um, und Moore, der nie geheiratet hat, hegte deshalb einen Hass auf die Deutschen.

          Überhaupt hielt dieser politisch unkorrekte, einer längst vergangenen Zeit verhaftete Exzentriker nicht hinter dem Berg mit Vorurteilen - gegenüber Zuwanderern, der Europäischen Union und anderen Erscheinungen des modernen Zeitalters. In den 55 Jahren Laufzeit seiner monatlich ausgestrahlten BBC-Sendung hat Moore nur ein einziges Mal gefehlt: wegen einer fast tödlich verlaufenen Lebensmittelvergiftung.

          In den letzten Jahren wurden die Sendung in seinem Haus an der Südküste von England aufgezeichnet, mitten unter den Memorabilien eines langen Astronomenlebens. Dort sah man ihn vor einer Woche noch auf dem Bildschirm, mit charakteristischer Entschiedenheit verkündend, er werde erst glauben, dass Wasser auf dem Mond sei, wenn man ihm einen Kelch davon zu trinken gebe. Und dort im Haus ist Sir Patrick Moore am Sonntag im Alter von 89 Jahren auch gestorben.

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