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Zum Tod von Peter Koslowski Gesichtspflege der besonderen Art

 ·  Nüchtern blickte er in die Abgründe der Finanzwelt und auf die Lücken der ökonomischen Theorie: Der Philosoph und Wirtschaftsethiker Peter Koslowski ist im Alter von 59 Jahren unerwartet gestorben.

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Es war vor ein paar Wochen, in einer Fernsehrunde des ORF zum Thema Wirtschaftsethik. Sich gegenüber saßen Peter Koslowski und Julian Nida-Rümelin, ihre neuen Bücher im Gepäck. Dass die beiden sich nicht grün sind, ach was: sich nicht riechen können - das sah man auf einen Blick. Während Nida-Rümelin mit faszinierender Gestik - kein Satz ohne ausladendes Armheben oder eindringliches Handkreisen - den Zuschauer in Bann schlug, schaute Koslowski stur auf den Boden und hob den Kopf immer erst dann, wenn Nida-Rümelin geendet hatte. Gesichtspflege der besonderen Art.

Peter Koslowski, der als Wissenschaftsmanager auf tausend Foren und Tagungen die Regeln zuvorkommender Diplomatie beherrschte, konnte doch mimisch gefrieren, wenn ihn irgendein Affekt erwischte. Dann wurde der Eloquente von jetzt auf gleich einsilbig und apodiktisch - in solchen atmosphärischen Umschwüngen seinem frühen Lehrer Robert Spaemann nicht unähnlich, bei dem Koslowski 1979 an der Universität München in Philosophie promoviert wurde, bevor er dort auch das Studium der Volkswirtschaftslehre abschloss.

Als Professor für Philosophie und Politische Ökonomie zunächst an der Universität Witten/Herdecke, stand er von 1987 bis 2001 als Gründungsdirektor dem Forschungsinstitut für Philosophie Hannover vor. Dieser von der Diözese Hildesheim getragenen Einrichtung gab Koslowski - jahrelang gemeinsam mit Reinhard Löw - ein solides philosophisches Profil, das von Fragen der Wirtschaftsethik bis zu einer spekulativen Philosophie des Christentums reicht und unter dem gegenwärtigen Direktor, dem Theologen Jürgen Manemann, mit Forschungen zum philosophischen Pragmatismus ergänzt wird.

Kritik der ökonomischen Theorie

Seit 2004 forcierte Koslowski, inzwischen an der Freien Universität Amsterdam, seine wirtschaftsethischen Studien, die er zuletzt in dem Buch „Ethik der Banken“ explizit auf die globale Finanzkrise bezog. Als Frucht seiner dreißigjährigen Beschäftigung mit dem Kapitalismus als Wirtschaftsform leistete er darin einen substantiellen Beitrag zur Kritik der ökonomischen Theorie, die in ihrer methodischen Haltlosigkeit inzwischen auch von Hans Magnus Enzensberger und Joseph Vogl vorgeführt worden war.

Umstritten ist, ob Koslowskis Begriff der „Sachgerechtigkeit“ als regulative Idee der Wirtschaftsordnung tragfähig ist oder nicht vielmehr am Ende immer nur das als ethisch ausweist, was man zuvor als sachgerecht behauptet hat. Ein Zirkelschluss, von dem jedweder teleologische Forschungsrahmen bedroht ist, dem wie Löw und Spaemann auch Koslowski nahestand. Am Dienstag ist Peter Koslowski im Alter von neunundfünfzig Jahren unerwartet verstorben.

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