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Veröffentlicht: 27.06.2016, 04:22 Uhr

Zum Tod von Götz George Hart auf hart

Seinen Kommissar Schimanski kennt jeder. Doch das war zwar die populärste Rolle von Götz George, aber nicht seine einzige. Ein Nachruf.

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© dpa Götz George

Den Vornamen bekam er nach der Lieblingsrolle seines Vaters. Götz von Berlichingen, den fränkischen Reichsritter frei nach Goethes Darstellung, hatte Heinrich George gespielt: Ein Draufgänger und Getriebener, der keiner Fehde aus dem Weg geht und das große Wort führt, hinter dessen Gepolter aber noch etwas ganz anderes steckt.

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Eine solche Rolle fand der Sohn auch und mit ihr wurde er im deutschen Fernsehen zur prägenden Figur: In 29 „Tatort“-Folgen spielte Götz George den Duisburger Kommissar Horst Schimanski, der bei jedem seiner Fälle kurz vor dem Rauswurf stand, weil er auf die übliche Etikette pfiff und, wenn es hart auf hart kam, und das kam es eigentlich immer, die Dienstvorschrift gerade nicht parat hatte.

© dpa, afp Trauer um Götz George

Um der Gerechtigkeit willen teilte er aus, deshalb mochten ihn die Leute. Und zwar so sehr, dass der Westdeutsche Rundfunk „Schimanski“, der seinen Job im „Tatort“ zwischen 1981 und 1991 gemacht hatte, von 1997 an ein Solo gab, von dem die Zuschauer nicht genug bekamen. Götz George spielte Schimanski in weiteren siebzehn Filmen. Erst 2013 verabschiedete er sich von der Rolle, in der ihn jeder kennt, die ihm zu seiner großen Popularität verhalf, aber auch eine Last war.

Götz George © dpa Vergrößern Die Rolle seines Lebens: George als Horst Schimanski

Denn hinter diesem Schimanski drohte immer wieder zu verschwinden, was für ein schauspielerischer Tausendsassa Götz George war und wie er sich an allem abarbeitete. Tragödie, Komödie, Kammerspiel, Klassiker, Thriller, Action – George hatte sämtliche Genres drauf und in jedes und in jede Rolle begab er sich mit Haut und Haaren, näherte sich seinen Figuren mit jeder Faser in einer Weise an, die seinen Mitspielern, den Regisseuren und Produzenten, alles abverlangte.

Götz George © dpa Vergrößern 2008 bei der Vorstellung seiner Biografie in Berlin

Ruft man sich Götz George als Horst Schimanski vor das geistige Auge, Fäuste schwingend, über Autos springend und wie ein Kesselflicker fluchend, was alles so leicht und lässig und zufällig und ungeprobt aussieht, kann man sich schwerlich vorstellen, wovon Diejenigen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, berichten: Bei Götz George musste jeder Schritt, jede Geste, jede Regung so perfekt sein, wie er es sich vorstellte.

Er wollte es allen beweisen

Evident wird das jedoch, erinnert man sich nur an einige von Götz Georges anderen Rollen im Kino und im Fernsehen. Er spielte den Serienmörder Fritz Haarmann in Romuald Karmarkars „Der Totmacher“, den KZ-Mediziner Josef Mengele in Roland Suso Richters „After the Truth“ - Nichts als die Wahrheit“, den Schriftsteller, der ein Mörder sein könnte in dem Thriller „Der Sandmann“; die Zeitungsverlagschefknallcharge in Helmut Dietls „Schtonk“; den an Alzheimer erkrankten Busfahrer Richard Esser in „Mein Vater“ oder einen Menschenschleuser in Lars Beckers Krimireihe „Nachtschicht“, der plötzlich Anteil am Schicksal derer nimmt, die in seinem Lastwagen kauern, bis hin zu dem letzten Film, in dem wir George im Fernsehen spielen sahen, „Besondere Schwere der Schuld“, in dem er einen Mann verkörpert, der vielleicht zu Unrecht verurteilt wurde und nach dreißig Jahren an den Ort des Geschehens zurückkehrt, um die Wahrheit herauszufinden. Bis hierhin war es ein weiter Weg für einen Schauspieler, der in den sechziger Jahren unter anderem in Karl May-Verfilmungen als Jugendschwarm begonnen hatte.

Götz George © dpa Vergrößern Wie Cornelia Froboess war auch Götz George schon in jungen Jahren ein gefragter Schauspieler. Das Foto zeigt die beiden 1980 in Berlin.

Götz George schlug einen großen Bogen. Er wollte es allen beweisen, vor allem aber maß er sich an Einem, dem er es nie beweisen konnte: Seinem Vater Heinrich George, der im September 1946 im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen starb. Da war sein Sohn gerade acht Jahre alt.

„Du hast mich immer überholt. Du warst halt immer besser, besessener“, rief Götze George in einer ARD-Dokumentation seinem Vater nach, dessen Ruf als in der NS-Zeit vom Regime korrumpierten Schauspieler Götz George zu revidieren suchte, was ihm spätestens in dem 2012 gedrehten Film „George“ in der Rolle seines Vaters auch gelungen sein dürfte.

Götz George © dpa Vergrößern 2014 erhielt er aus den Händen des Bundespräsidenten einen Verdienstorden.

Götz George, der Privatmensch

Am Bild seines Vaters in der Öffentlichkeit litt Götz George, aber auch an seinem eigenen. Nie schien ihm im eigenen Land die angemessene Anerkennung zuteil zu werden, mochte es noch soviel Zuspruch des Publikums, Lob der Kritiker und Preise geben. Georges Ausbrüche sind legendär, er konnte – gerne auch der Presse gegenüber – eine große Diva sein. Bei ihm wusste man nie, ob ein Talkshowauftritt, bei dem es eigentlich um seinen neuen Film gehen sollte, im Affront und in einer Generalabrechnung endete – mit der Filmbranche, mit dem Fernsehen, in dem es nur noch um Quote, aber nicht um Qualität gehe, oder gleich mit der gesamten Öffentlichkeit.

Götz George © dpa Vergrößern Schimanski lief später nicht mehr als „Tatort“-Reihe, sondern unter eigener Flagge.

Grund, mit dieser zu hadern, dürfte Götz George jedoch allein wegen seiner Erfahrungen mit der Boulevardpresse gehabt haben, die sich, wie bei seiner Prominenz üblich, weniger für seine Rollen als für sein Privatleben interessierte. Das wusste er abzuschirmen, indem er sich immer wieder auf ein Anwesen auf Sardinien zurückzog.

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Doch auch auf den Privatmenschen Götz George, den man allein aufgrund seines großen Repertoires irgendwann wirklich nicht mehr mit Hort Schimanski verwechseln konnte, fiel schließlich das richtige Licht. 2014 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, nicht nur seines schauspielerischen Schaffens wegen, sondern auch für sein Engagement für den Weißen Ring, die Krebshilfe und verschiedene soziale Projekte in Duisburg, der Schimanski-Stadt. Das hatte Götz George nie an die große Glocke gehängt. Den Applaus und auf die Bühne wollte er nur als Schauspieler. Am 19. Juni ist Götz George, wie erst jetzt bekannt gegeben wurde, im Alter von 77 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.

Götz George © dpa Vergrößern „Tatort“-Kommissare unter sich: Klaus J. Behrendt, George und Dietmar Bär 2004 in Köln

Glosse

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