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Sonntag, 12. Februar 2012
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Zum Tod von Ernst Cramer Springers erster Journalist

19.01.2010 ·  Ein Gentleman des Wortes: Kurz vor seinem 97. Geburtstag ist Ernst Cramer in Berlin gestorben. Von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben, kehrte er 1945 nach Deutschland zurück und war von 1958 an der engste Vertraute des Verlegers Axel Springer.

Von Michael Hanfeld
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Im Burda-Verlag gibt es eine außergewöhnliche Planstelle. Es ist die des „1. Journalisten“, der „Focus“-Chefredakteur Helmut Markwort hat sie inne. Hätte es eine solche je beim größten Zeitungshaus der Republik gegeben, wäre sie ihm zugekommen: Ernst Cramer, dem engsten Wegbegleiter Axel Springers, dem ehemaligen Herausgeber der „Welt am Sonntag“, Testamentsvollstrecker Springers und Vorsitzenden der Axel Springer Stiftung.

Cramer, sagt der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, sei nach Springer „die prägendste Figur“ des Verlags gewesen. Dieser Einschätzung wird niemand widersprechen. Cramer war der Nestor, der Lordsiegelbewahrer, ein distinguierter, aufrechter, zerbrechlich scheinender, charmanter, innerlich unbeugsamer Herr, ein Gentleman und Meinungskämpfer für die Freiheit, eine Jahrhundertfigur. Noch bis in seine letzten Tage erschien er in seinem Büro im achtzehnten Stock des Springer-Hochhauses.

Der Barbarei entronnen

Geboren wurde Ernst Cramer als Sohn einer jüdischen Familie am 28. Januar 1913 in Augsburg. Sein Vater war Kaufmann, zeitweise Weinhändler und Freund der Literatur. Gemeinsam mit Bertolt Brecht gründete er in Augsburg die „Literarische Gesellschaft“. Ernst, sein jüngerer Sohn, machte eine Kaufmannslehre, dann ein landwirtschaftliches Volontariat auf einem jüdischen Auswandererlehrgut in Schlesien. Zwei Tage nach der Reichspogromnacht wurde Ernst Cramer verhaftet und nach Buchenwald deportiert, wegen seiner Ausbildung kam er frei, als einem der letzten Juden gelang es ihm, aus Deutschland zu fliehen, er wanderte in die Vereinigten Staaten aus. Seine Eltern und sein älterer Bruder wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Ernst Cramer kehrte als amerikanischer Soldat im Mai 1945 zurück, und ausgerechnet als er mit den Befreiern in Buchenwald anlangte und die Barbarei sah, der er entronnen und seine Familie zum Opfer gefallen war, entschloss er sich hierzubleiben.

Der amerikanische Colonel, mit dem er in Buchenwald war, erinnerte sich Ernst Cramer später, habe ihm gesagt, er könne verstehen, wenn Cramer möglichst schnell weg von diesem Ort und die Armee verlassen wolle. Doch Cramer wollte das Gegenteil. Gerade dieses Erlebnis habe ihm gezeigt, „wo mein Weg in der nahen Zukunft zu liegen hat. Nach dem Furchtbaren, das wir gesehen haben, finde ich, ist es nahezu meine Pflicht, hierzubleiben, am Wiederaufbau mitzumachen und ein wenig dabei mitzuhelfen, dass in Deutschland wieder Vernunft, Anstand und Gerechtigkeit herrschen.“ Heute, siebzig Jahre später, schrieb Cramer in einem Erinnerungsstück, sei er „wieder daheim“.

Zwei Seelen in seiner Brust

Mit dieser Beseeltheit war Cramer für Springer der richtige Mann. 1958 holte ihn der Verleger, zwischenzeitlich war Cramer nach Amerika zurückgekehrt und arbeitete für die Nachrichtenagentur United Press International, von 1948 bis 1954 hatte er für die Militärverwaltung in Bayern gewirkt, unter anderem als Chefredakteur der „Neuen Zeitung“. Cramer machte eine Blitzkarriere, wurde Herausgeber der „Welt am Sonntag“, war bei alldem Springers engster Vertrauter und – sozusagen – politischer Sekretär. Die beiden einte das Streben nach Versöhnung zwischen Deutschland und Israel ebenso wie das nach der Überwindung der deutschen Teilung, gepaart mit Antitotalitarismus, der sich gegen den real existierenden Sozialismus richtete.

Zwei Seelen, schrieb Ernst Cramer einmal, wetteiferten in seiner Brust. Die eine sei „entsetzt über das viele Unrecht, das von Deutschen – nicht nur an meinen Eltern und meinem Bruder – während des Dritten Reiches begangen wurde“. Die andere sei „glücklich, dass wir in Deutschland wieder in einer anderen, vernünftigeren, einfach einer anständigen Welt leben“. Am Dienstag ist Ernst Cramer, kurz vor dem 97. Geburtstag, in Berlin gestorben.

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr