http://www.faz.net/-gqz-7230y

Zum Tod Joe Kuberts : Er zeichnete das Überleben

Bei der Arbeit: Joe Kubert im Februar 2006 Bild: dapd

Joe Kubert galt als Amerikas Comicveteran. Mit der Soldatencomicserie „Sgt. Rock“ hatte er sich in die vorderste Reihe der amerikanischen Zeichner vorgearbeitet. Nun ist Kubert im Alter von fünfundachtzig Jahren gestorben.

          Er war der Letzte, der noch in jenen New Yorker Ateliers geschwitzt hatte, die man einfach „Shops“ nannte. Das waren Comicmanufakturen der vierziger Jahre, in denen in kürzester Zeit eine Geschichte nach der anderen gezeichnet wurde, um den damals schier unstillbaren Hunger der Jugendlichen und Soldaten nach Superheldengeschichten zu befriedigen. Ein Chefzeichner leitete eine Handvoll jugendlicher Assistenten an - volljährige Zeichner mussten in den Krieg -, und einer dieser Assistenten war 1942 der sechzehnjährige Joe Kubert.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Eine bessere Schule als diese Fron war kaum denkbar, eine härtere aber auch nicht. Kubert eignete sich dort die Vielfalt der Stile an, über die er verfügte, wobei er vor allem mit seinem Realismus reüssieren sollte, für den man zwei Jahrzehnte später, als junge Comiczeichner an Hochschulen und in Privatkursen bekannter Zeichner ausgebildet wurden, die Bezeichnung „Kubert School“ prägte. Sie gab auch einer realen Schule den Namen, die Kubert in den sechziger Jahren gründete. Eine ganze Generation von amerikanischen Zeichnern wurde hier ausgebildet, darunter auch Kuberts eigene Söhne Adam und Andy.

          Ein Interesse am Menschen im Krieg

          Die Familie war sein Ankerpunkt, mehr als für viele andere Menschen, denn den größten Teil seiner Angehörigen hatte der 1926 im damals polnischen, heute ukrainischen Jerzierzany geborene Sohn eines jüdischen Fleischers in der Schoa verloren. Seine Eltern aber hatten das Land noch im Jahr der Geburt von Josef verlassen und waren nach Brooklyn ausgewandert. Dieser Glücksfall seines Lebens ließ Kubert nie mehr los, und noch 2003, im Alter von 76 Jahren, zeichnete er den Comic „Yossele“: die fiktive Biographie eines Jungen, der im Warschauer Gettoaufstand das erleben musste, was Joe Kubert durch die Voraussicht seiner Eltern erspart geblieben war. Der Band ist ein bedrückendes Meisterwerk - ästhetisch wie erzählerisch.

          Mit „Sgt. Rock“, einer neuen Soldatencomicserie, hatte sich Kubert von 1959 an in die vorderste Reihe der amerikanischen Zeichner vorgearbeitet: Die Zwiespältigkeit der Erlebnisse der Titelfigur kam seinem eigenen Interesse am Überlebenskampf der Menschen im Krieg entgegen. So war er auch der ideale Zeichner für das Album „Fax aus Sarajewo“, in dem 1996 die reale Geschichte eines jugoslawischen Comic-agenten erzählt wurde, dessen bis dahin gesicherte Existenz über der Belagerung seiner Stadt zerbricht. Den unfreiwilligen Abschluss sollte Kuberts siebzigjährige Karriere aber mit der erst vor zwei Monaten begonnenen Superheldenserie „Before Watchmen“ finden, die das Wagnis eingeht, den legendären Vorläufer „Watchmen“ zu ergänzen. Nach Erscheinen des ersten Hefts, das Kubert gemeinsam mit seinem Sohn Andy dafür gestaltet hat, ist der Altmeister am 12. August gestorben, kurz vor seinem sechsundachtzigsten Geburtstag.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Mafiaboss Riina beigesetzt Video-Seite öffnen

          Italien : Mafiaboss Riina beigesetzt

          Der italienische Mafiaboss Riina, bekannt auch als „die Bestie“, war am 17. November im Alter von 87 Jahren in einem Gefängnis in Parma gestorben. Sein Sarg hatte mit einer Fähre Sizilien vom italienischen Festland aus erreicht.

          Hariri zurück im Libanon Video-Seite öffnen

          Rückkehr : Hariri zurück im Libanon

          Der ehemalige Ministerpräsident des Libanon, Saad al-Hariri, ist am Dienstag erstmals nach seiner Rücktrittserklärung in sein Heimatland zurückgekehrt. Er wurde am Flughafen Beirut von Sicherheitskräften empfangen

          Topmeldungen

          Nächtliche Beratung : SPD-Führung schließt Groko nicht mehr aus

          Die Kurve kriegen, aber keine faulen Kompromisse machen, lautet das Motto der SPD-Spitze. Man könne über alles mögliche reden – viel mehr dringt nach acht Stunden Nachtsitzung nicht durch. Zumindest zur unmittelbaren Zukunft von Martin Schulz gibt es klare Worte.
          Berthold Albrechts Witwe Babette kämpft im Rechtsstreit bei Aldi Nord um ihren Einfluss (Bild aus dem Jahr 2015)

          Gerichtsverfahren : Machtkampf bei Aldi Nord geht weiter

          Vor Gericht streiten die Firmenerben von Aldi Nord weiter um ihren Einfluss auf die Führung des Discounters. Wie steht es um die Entscheidung im Machtkampf der Nachfahren von Theo Albrecht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.