http://www.faz.net/-gqz-6y0a2

Zum Tod Dmitri Nabokovs : Lolitas Sohn

Dmitri Nabokov (1934 - 2012) Bild: dapd

Das Werk seines Vaters reichte ihm für ein großzügiges Leben. Doch Dmitri Nabokov war mehr als nur ein geschickter Verwalter der Rechte an „Lolita“ und „Laura“.

          Der „Playboy“ hatte Dmitri Nabokov für den geheimnisumwitterten „Laura“-Roman seines Vaters das höchste je für einen Vorabdruck bezahlte Honorar überwiesen, und auch bei den Verlagen hatte der Sohn von Vladimir Nabokov hoch gepokert. Die handschriftlichen Notizen ließ er dann auch noch versteigern. Über Jahre hinweg hatte Dmitri Nabokov die Vermarktung des „Originals von Laura“ angeheizt - auch mit der Drohung, er wolle das Manuskript, wie vom Vater ehedem angeordnet, verbrennen.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Aber das hatte Nabokov, der wegen der Revolution Russland verlassen und nach Berlin gezogen war, auch von seinem berühmtesten Werk, „Lolita“, verlangt, das er später in den Vereinigten Staaten geschrieben hatte. Diesem Wunsch widersetzte sich seine Witwe, die nie daran dachte, „Lolita“ dem Fegefeuer im Kamin zu übergeben, wo Nabokov in seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten im Hotel wohnte und Schmetterlinge sammelte. Der sensationelle Erfolg des 1955 erschienenen Romans hatte es ihm erlaubt, seine Professur für russische Literatur in Amerika aufzugeben und als Dichter in die Schweiz zu ziehen.

          Sehr vermögend und vielseitig begabt

          Seit dem Tod von Nabokovs Frau lastete die Verantwortung für den Nachlass auf dem einzigen Sohn. Der noch in Berlin auf die Welt gekommene Dmitri Nabokov studierte in Harvard Literatur und Geschichte. Er war auch ein begabter Opernsänger, der 1961 in Puccinis „Bohème“ neben Pavarotti debütierte. Der Reichtum - dank der Tantiemen der väterlichen „Lolita“ - erlaubte es Dmitri Nabokov, an der „Riviera des Genfer Sees“ das frivole Leben eines Playboys zu führen. Ein schwerer Autounfall mit seinem Ferrari in Lausanne führte zu einer Behinderung, mit der er seine wachsenden finanziellen Bedürfnisse begründete. Zum Verkauf von „Laura“ habe ihm sein Vater im Traum geraten, erzählte er noch vor einigen Jahren.

          Dass die zur Vorstufe und Nachfolgerin von „Lolita“ verklärte „Laura“ nicht einmal ein Fragment war, wusste der Erbe des Manuskripts nur zu genau. Als wir ihn aus Anlass der Veröffentlichung besuchen wollten, machte er gerade Urlaub in Florida. Schnelle Boote liebte er nicht weniger als heiße Autos und gute Bücher. Er war kultiviert, charmant, ironisch. Am vergangenen Mittwoch ist Dmitri Nabokov im Krankenhaus von Vevey gestorben. Er wurde siebenundsiebzig Jahre alt.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Die stolzen Alemannen

          Ringen : Die stolzen Alemannen

          Ein kleines Stück Sportgeschichte: Alemannia Nackenheim ringt im Viertelfinale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft mit. Der Erfolg liegt an einer Familie - und am Niedergang der Bundesliga.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Zweite Chance für die GroKo : Zwischen gestern und morgen

          Diese Woche traf sich der CDU-Bundesvorstand zur Besprechung der Wahlanalysen und zur Klärung der Frage, wie man der SPD begegnen solle. Es wurde deutlich: Für eine große Koalition gibt es noch allerhand Unwägbarkeiten.
          Das amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon (Archivaufnahme von 2008)

          Verteidigungsministerium : Das Pentagon forschte jahrelang nach UFOs

          Über Jahre wurden Millionen-Aufwendungen für das „Programm zur Identifizierung von Bedrohungen im Luft-und Weltraum“ im Verteidigungshaushalt versteckt. Doch auch nach Ablauf des Programms verfolgten Mitarbeiter Berichte über UFOs.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.