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Zum Tod des C64-Erfinders Jack Tramiel Computer für alle

 ·  Von elektrischen Tischrechnern über Chip-Taschenrechnern zum bekannten Commodore 64: Der Erfinder des ersten Spielcomputers, Jack Tramiel, ist tot.

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Der 1928 im polnischen Lodz geborene Jacek Trzmiel war ein Überlebender des Holocaust. 1939 kam er ins Lodzer Getto, danach in das Konzentrationslager Auschwitz und schließlich in das Arbeitslager Hannover-Ahlem, das sein Vater nicht überlebte. Noch in Hannover heiratete Trziemel die KZ-Überlebende Marie Helen Goldgrub. Das Paar emigrierte in die Vereinigten Staaten und änderte den Familiennamen Trzmiel (Hummel) zu Tramiel. In Amerika lernte Jack Tramiel die Reparatur von Schreibmaschinen und machte sich bald selbständig. Er zog nach Kanada, importierte Werkstücke der Consul-Schreibmaschinen von Zbrojovka Brno und ließ sie als kanadische Wertarbeit zusammenbauen. Seine Firma nannte er Commodore International.

Später kamen elektrische Tischrechner der Berliner Firma Feiler (Commodore CE) hinzu, noch später Bowman-Taschenrechner auf Chip-Basis (Commodore 790). Als der Chip-Lieferant Texas Instruments damit begann, eigene Taschenrechner unter dem Preis der Chipsätze zu verkaufen, stand Tramiels Firma vor dem Zusammenbruch. Tramiel (Spitzname: „The Survivor“) kaufte den Chip-Hersteller MOS Technologies, um unabhängig zu werden.

Ein großer Wurf auf dem Markt

Ein Angestellter dieser Firma schlug Tramiel vor, Microcomputer zu bauen. Der erste Rechner namens PET war noch ein System ganz im Sinne der Büromaschinentechnik, ein Akronym für „Personal Electronic Tabulator“. Er war nicht erfolgreich, weil Tabellierprogramme fehlten. Der Durchbruch kam mit den „Spielcomputern“ Vic-20 und C64, die Tramiel über Kaufhausketten und Versandhäuser in großen Stückzahlen absetzte. Besonders der 1982 eingeführte C64 wurde zum Verkaufsschlager. Mehr als zwanzig Millionen „Brotkästen“ wurden produziert. Technikinteressierte Jugendliche, die mit diesen und ähnlichen Geräten programmieren lernten, bilden heute als Vorfahren der digital Natives des Internets die Generation C64.

Jack Tramiel führte seine Firma nach Gutsherrenart. Widerspruch duldete er nicht, mit kurzfristigen kaufmännischen Entscheidungen entsetzte er so manchen Techniker und Programmierer. Dabei war „seine“ Firma Commodore eine Aktiengesellschaft, an der Tramiel nur ein kleines Aktienpaket hielt. Als er seine Söhne als Direktoren installieren wollte, wurde er gefeuert. Tramiel verkaufte alle Aktien und von diesem Erlös die marode Firma Atari vom Eigner Warner Brothers. Atari, einstmals mit Spielhallencomputern außerordentlich erfolgreich, wurde von Jack Tramiel und seinem Sohn Sam darauf getrimmt, einen Computer auf den Markt zu bringen, der billiger als der Apple Macintosh war und auch dem IBM-PC Paroli bieten konnte. „Computer for the masses, not the classes“, lautete Tramiels Devise. Den damaligen Apple-Chef Steve Jobs verärgerte Tramiel mit seinem Urteil über den Macintosh, dass dieser nur in Schönheits-Boutiquen verkauft werden könne. Der 1985 erschienene Atari ST entpuppte sich als großer Wurf im Markt der Homecomputer. Er brachte seine Exfirma Commodore in große Schwierigkeiten. Trotz weiterer Anstrengungen wie der Entwicklung eines innovativen billigen Laserdruckers gelang es Tramiel jedoch nicht, sein System bei den professionellen Anwendern zu etablieren.

1996 verkaufte Jack Tramiel seine Firma an den Festplattenhersteller JTS. Anders als viele IT-Erfinder und -Visionäre, die im Silicon Valley zu Milliardären aufstiegen, klinkte sich Tramiel aus der Szene aus, investierte in gänzlich andere Unternehmen und genoss seine Rolle als Mäzen. Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt hatte er 2007, als der 25. Geburtstag des C64 im kalifornischen Computermuseum gefeiert wurde. Im kleineren Kreis bereiste Tramiel zuletzt mit dem Dokumentarfilm „Angel of Ahlem“ die Vereinigten Staaten und klärte als Überlebender über den Holocaust auf. Am Sonntag ist der Computerpionier im Alter von 83 Jahren in Kalifornien gestorben.

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