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300. Todestag von Ludwig XIV. : Durch die halbgeöffnete Tür ins Elsass

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Ludwig XIV. in einer Darstellung von Claude Lefèbvre Bild: Picture-Alliance

Am 1. September jährt sich der Todestag von Ludwig XIV. zum dreihundertsten Mal. Zu Lebzeiten konnte der Sonnenkönig das Elsass für Frankreich gewinnen. Dies brauchte ein Jahrhundert Vorbereitung.

          Zu Beginn des Jahres 1629 gab der Erste Minister im französischen Kronrat, Kardinal Richelieu, seinem König Ludwig XIII. eine Empfehlung. Frankreich müsse der Sicherung des europäischen Gleichgewichts wegen Durchmarschwege einrichten und befestigen, auf denen französische Truppen durch Lothringen und das Elsass zum Rhein und von da aus ins Herz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vorstoßen könnten. Lothringen und das Elsass waren damals beide Teil des Deutschen Reichs - Letzteres sogar ununterbrochen, seit die Enkel Karls des Großen im Jahr 870 in Meerssen das großväterliche Imperium untereinander aufgeteilt hatten.

          Konkret herrschten mittlerweile die Habsburger über die maßgeblichen Landstriche im Elsass, und Richelieu sah 1629 den deutschen Kaiser in einer Position der Stärke. Ferdinand II. hatte sich sogar erlauben können, ein Restitutionsedikt zu erlassen, das die protestantischen Herrschaftsorgane im Reich verpflichtete, alle seit 1552 übernommenen katholischen Kirchengüter an deren frühere Besitzer zurückzugeben. Das betraf auch die protestantische Freie Reichsstadt Straßburg und ihr berühmtes Münster. Streit darüber war programmiert.

          Das Kraftfeld der imperialen Ellipse

          Richelieu empfahl wie immer Diskretion und warnte vor Übereilung, Frankreich solle seine Ziele verdeckt verfolgen. Die Erwartung, dass die Stadt Straßburg aus Ärger über das kaiserliche Edikt ihre Rheinbrücke für französische Truppen freigeben würde, war Kern seiner diplomatischen Bemühungen, wurde inhaltlich aber kaum thematisiert. Der Magistrat der Stadt fühlte sich deshalb überrumpelt, als plötzlich Offerten des französischen Königs auf den Tisch kamen. Straßburg dankte höflich und verlegen und blieb auf möglichst neutrale Weise reichstreu. Dies war der erste, noch sehr verhaltene Versuch eines französischen Zugriffs auf die elsässische Seite des Rheins. Noch ging es um Durchmarschwege, gar nicht um das Land.

          1630 gelang es Richelieu, nicht zuletzt durch handfeste Geldangebote, den schwedischen König mit einer schlagkräftigen Armee über die Ostsee nach Deutschland zu rufen. Der seit zwölf Jahren die deutschen Landschaften verheerende Krieg nahm eine neue Wendung; Richelieu kam dem Ziel seiner Militärpolitik näher. Nicht Glaubensfragen interessierten ihn, auch nicht die Erweiterung der französischen Landesgrenzen oder Zugewinn an Bevölkerung. Frankreich wollte das Kraftfeld der imperialen Ellipse durchbrechen, das vom Haus Habsburg mit den Brennpunkten in Madrid und Wien über Europa gespannt worden war. Dazu brauchte die französische Politik das Elsass, das im Netz der Heerstraßen Europas an einem Knotenpunkt lag.

          Die beiden wichtigen Rheinübergänge

          Im Dezember 1632, nachdem ihr König Gustav Adolf auf dem Schlachtfeld von Lützen gefallen war, zogen schwedische Truppen ins Elsass ein. Ohne zu zögern, begab sich die Freie Reichsstadt Straßburg unter ihren Schutz, denn die Brutalität der von den Schweden eingesetzten Söldner war auch bei deren Glaubensbrüdern gefürchtet, und tatsächlich sind nie wieder Dörfer und Städte des Elsass so verwüstet worden wie nach den beiden Jahren der schwedischen Besatzung.

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