22.01.2012 · Friedrichs Liebe zur Aufklärung fand ihre Grenzen bisweilen an den praktischen Fragen der Politik. Der Liebe der Denker zu ihm hat das lange keinen Abbruch getan.
Von Otfried HöffeRichtlinien für Lesermeinungen
Die FAZ.NET-Redaktion bietet allen registrierten und eingeloggten Nutzern die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Beiträgen auf FAZ.NET konstruktiv und kritisch auseinanderzusetzen und eigene Leser-Kommentare zu veröffentlichen. Für jede Meinungsäußerung stehen 1000 Zeichen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Veröffentlichung ist, dass die Verfasser und Verfasserinnen ihren wirklichen Namen nennen, d.h. in ihrer FAZ.NET-Registrierung den korrekten Vor- und Nachnamen eingetragen haben. Im Falle der Veröffentlichung des Leser-Kommentars weisen wir am Beitrag sowohl den Klarnamen als auch den Nickname des Lesers aus. Unter Pseudonym oder anonym verfasste Texte können nicht berücksichtigt werden.
Veröffentlicht werden nur Beiträge, die auf den jeweiligen Artikel und sein Thema seriös und sachbezogen eingehen. Links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende, verleumderische sowie ruf- und geschäftsschädigende Inhalte können nicht berücksichtigt werden, ebenso wenig sachlich falsche oder in angemessener Zeit nicht nachprüfbare Behauptungen. Links sind in den Leser-Kommentaren von FAZ.NET nicht gestattet. Die Redaktion behält sich vor Leser-Kommentare zu kürzen oder zu modifizieren. Jeder verfasste Beitrag wird von der Redaktion geprüft und schnellstmöglich veröffentlicht, sofern er diesen Richtlinien für FAZ.NET-Lesermeinungen nicht zuwiderläuft. Nutzern, die wiederholt versuchen, den Richtlinien nicht entsprechende Beiträge zu veröffentlichen, kann die Registrierung entzogen werden.
Für veröffentlichte Meinungsbeiträge gewähren Sie uns das unentgeltliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte und nicht ausschließliche Recht, diese Aussagen ganz oder teilweise zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen, zu veröffentlichen, zu übersetzen, zu bearbeiten, zu verbreiten, aufzuführen und darzustellen, Dritten einfache Nutzungsrechte an diesen Aussagen einzuräumen sowie die Aussagen in andere Werke und/oder Medien zu übernehmen.
Wir möchten Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Auftritt von FAZ.NET von verschiedenen Suchmaschinen intensiv ausgewertet wird und die Inhalte dort auch gelistet werden. Das schließt die Leser-Kommentare automatisch ein, so dass diese auch über FAZ.NET hinaus im Internet jederzeit recherchierbar sind.
Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.
Die Wahrheit im Bereich menschlichen Zusammenlebens besteht aber NICHT
in Gerechtigkeit. Sie ist wichtig, aber nicht die Wahrheit. Das
wußte schon Aristoteles: "Zu sagen nämlich, das Seiende
sei nicht oder das Nicht-Seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das
Seiende sei und das Nichtseiende sei nicht, ist wahr. Wer also ein Sein
oder Nicht-Sein prädiziert, muss Wahres oder Falsches aussprechen."
Jeder der was von Methaethik versteht, weiß dass Gerechtigkeit
weder mit Wahrheit noch mit Unwahrheit zu tun hat.
Wahrheit ist Intersubjektiv oder wenn man es vorziehen möchte, der
Gegenstand von Sätzen oder Aussagen.
Friedrichs Fiskalpolitik - ganz aktuell
Während Friedrich der Große als Feldherr, Philosoph, Misantroph, Komponist und merkantilistischer Wirtschaftspolitiker populär, bewundert und verhasst ist, bietet seine Finanzierung des Siebenjährigen Krieges ein weniger bekanntes Vorbild für die Politik der Eurorettung durch Flutung der Märkte mit neugeschaffenem Geld. Friedrich verpachtete das Münzrecht im eroberten Kursachsen an die beiden jüdischen Finanziers Veitel Ephraim und Daniel Itzig und wies sie an, schlechte Münzen mit niedrigem Silbergehalt zu prägen. Während der kriegführende Staat Preußen den Hauptnutzen aus dieser Münzverschlechterung zog, richtete sich der Hass des Publikums, das die Münzen "Ephraimiten" nannte, gegen die beiden Juden. Diese sind damit das Vorbild für die verhassten und geschmähten "Bonibanker" unserer Tage, die zwar persönlich übermäßig profitieren, die man aber trotz geheuchelter Empörung gewähren lässt, weil sie das Geld für den nimmermüden Kredithunger defizitärer Staaten beizubringen haben.
Beim diesem Versuch, das Unrechtfertigbare noch in ein Florilegium der Philosophie schuetzend einzuhuellen, wird mir speiuebel. Absolutismus und absolute Philosophie sind alte Bettgenossen: wir wissen, was Platon passierte, als er sich mit dem Tyrannen einliess, um seine Philosophie durchzusetzen! Einen Moerder, der unprovoziert Schlesien in Schutt und Asche legt, mit einem Mark Aurel, der keine Lust hatte, mit Nachbarn Kriege zu fuehren, zu vergleichen, das folgt stillschweigend Friedrichs eigener Logik der Selbstbeweihraeucherung. Den Satz uebers Raisonnieren demokratisch umzudeuten, wo er doch nur Zeichen absolutischer Machtfuelle war, erscheint unredlich. Er fuehrte die Kartoffel ein,toll. Hunde, wollt ihr ewig leben? Wie ging er mit seiner viel kultivierteren Schwester um? Wenig Sein hinter dem Schein. Nicht nur Bach verspottete ihn. Das 'Aus seiner Zeit verstehen' entspricht nicht dem Programm der Aufklaerung. Dem floetenden, dilletierenden Massenmoerder die damnatio memoriae!
Reine Verklärung der Geschichte
findet sich in dem gleichwohl kenntnisreichen Artikel von Otfried
Höffe. Es bleibt dabei, Friedrich II hat unendlich viel Leid
über die Menschen gebracht und mit unendlicher Lebensverachtung
Menschen in hochriskante Kriegsabenteuer gestürzt. Kein Geringerer
als Carl von Clausewitz hat dies bereits in seinen Abhandlungen
beschrieben: "Irgendein großes Gefühl muß die
großen Kräfte des Feldherrn beleben. Sei es (....) der Stoz
eines glorreichen Untergangs wie in Friedrich dem Großen".
Sein Vater war Offizier in der preußischen Armee und hat nach dem
siebenjährigen Krieg den Dienst quittiert. Carl von Clausewitz
dürfte mit seiner Einschätzung, wie mit seinen Analysen
insgesamt, ziemlich gut gelegen haben.
Bitte keine Glorifizierung eines in seiner Kindheit geschundenen
Menschen wie Friedrich II.
Titel eingeben
"Es bleibt dabei, Friedrich II hat unendlich viel Leid über
die Menschen gebracht und mit unendlicher Lebensverachtung Menschen in
hochriskante Kriegsabenteuer gestürzt. Kein Geringerer als Carl von
Clausewitz hat dies bereits in seinen Abhandlungen beschrieben:
"Irgendein großes Gefühl muß die großen
Kräfte des Feldherrn beleben. Sei es (....) der Stoz eines
glorreichen Untergangs wie in Friedrich dem Großen"."
Es bleibt dabei, Friedrich II hinterließ eine Großmacht - wo
vorher nur ein unbedeutender Kleinstaat war. Und wenn die Preußen
begriffen hätten, daß sie Preußen sind ... und eben
KEINE Deutschen, dann hätten sie sich 1871 bzw. in der Zeit davor
GEGEN Deutschland und FÜR Preußen entschieden - und
könnten heute noch in einem Preußen leben, das ihnen
Friedrich hinterließ - statt etwa als als vergessene Vertriebene
ohne jedes Bewußtsein ihrer selbst als Sklaven der BRDler vor sich
hin zu dämmern.
Bringt man mit oder ohne Platon einen wahrhaften Philosophen mit einem
akademischen Amt in Verbindung? Das nur, weil diese Unterscheidung vom
Verfasser mehrfach getroffen wird.
Ein schöner Artikel, nicht nur passend zum Geburtstag von Friedrich II.
Ja, es gibt wahrlich genug Anlass, um über den
Philosophen-Königssatz nachzudenken. Insbesondere wenn das
Staatsoberhaupt das "Vertrauen der Bürger und deren
Achtung" vollumfänglich verspielt hat, sich auf bloße
Rückendeckung seitens der Kanzlerin und deren Parteisoldaten
verlässt und - nachdem er sich selbst die Absolution erteilt hat -
auf das Vergessen der Bürger spekuliert.
So wie der Verfasser über Platon hinaus geht und vom
philosophischen Herrscher Staatsreformen erwartet, wünsche ich mir,
dass unsere Justiz endlich über bloßes Nachdenken hinaus geht
und durch Ermittlungen demjenigen aus dem höchsten Staatsamt
verhilft, der nichts repräsentiert, was hier als wünschenswert
vorgestellt wird.