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Mehr Angebot als je zuvor : Revolution im Fernsehen

Bild: Mart Klein und Miriam Migliazzi

Mehr Serien, mehr Filme, mehr Sport: Anbieter wie Netflix und Amazon setzen die klassischen Fernsehsender unter Druck. Doch auch dort tut sich jetzt einiges. Die Zuschauer kann es freuen.

          Der Mann hat den bösen Blick. Er ist das Böse. Das Böse, das mit der Atombombe in die Welt kam. Es fährt in Menschen und sorgt für grenzenloses Unheil. Auch den sanften FBI-Ermittler Dale Cooper hat es erwischt, am Ende der Serie „Twin Peaks“, mit der David Lynch und Mark Frost vor mehr als 25 Jahren das Fernsehen revolutionierten. Sie drehten eine Serie, die zugleich Seifenoper, Thriller und mysteriöse Science-Fiction war. Und an deren Erfolg zunächst niemand glaubte. Obwohl die beiden Serienmacher Lynch und Frost gegen sämtliche Gesetze des Fernsehens verstießen und nicht einmal den Mord an der jungen Laura Palmer, der den kleinen Ort Twin Peaks erschüttert, aufklären wollten, ließ sich der Sender ABC auf das Vorhaben ein und setzte einen Meilenstein der Fernsehgeschichte.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was und wer immer heute an seltsamen Zeitgenossen Serien und Filme im Fernsehen bevölkert, welche Tricks, Un- oder Übersinnlichkeiten die Handlung auch spicken: Mit „Twin Peaks“ nahm es 1990 seinen Anfang. Nun findet es seine Fortsetzung, so wie es Laura Palmer, die nach ihrem Tod dem von Kyle MacLachlan gespielten FBI-Agenten erscheint, vorhersagte: In einem Vierteljahrhundert sähen sie sich wieder. Allerdings wurde die dritte Staffel der Serie nicht mehr von einem großen Network, sondern von einem Bezahlsender namens Showtime produziert, der sich auf hochkarätige Serien spezialisiert hat und diese weltweit weiterverkauft: die Geheimdienstserie „Homeland“, die Geschichte des Sexualforschers William Masters in „Masters of Sex“ oder das Wall-Street-Drama „Billions“ zum Beispiel.

          Eine tektonische Verschiebung ist im Gange

          Solche Stücke sind teuer. Schon die Pilotfolge einer Serie kann mit bis zu vier Millionen Dollar zu Buche schlagen. Und sie sind nicht dafür gedacht, das ganz große Publikum zu gewinnen, sondern ein überschaubares, das bereit ist, dafür zu bezahlen. Also wandert „Twin Peaks“ von Showtime in Amerika zum Abosender Sky nach Deutschland, der ein ganzes Bündel von Serien- und Spielfilmkanälen anbietet und selbstverständlich auch Fußball im Programm hat. Denn auf diesen Feldern wird die Schlacht um die Zukunft des Fernsehens geschlagen: Serien, Filme, Sport.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche.

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          Die technische Frage nach dem Fernsehen von morgen ist längst beantwortet. Es ist da, wo es läuft, über Kabel, Satellit und Internet, auf dem Fernseher, Computer, Tablet und Smartphone, linear in den klassischen Programmen und auf Abruf bei den Streamingdiensten und in Mediatheken. Was zählt, ist, das Programm zu haben, das die anderen nicht haben, und da ist im Augenblick eine tektonische Verschiebung im Gange, die seit Jahren beschworen wurde, von der die Vertreter der klassischen Sender sagten, es werde noch ewig dauern, bis sie komme. Dabei ist sie längst da - angeschoben von der Konkurrenz aus dem Netz, vor allem von Netflix und Amazon, aber auch von anderen. Youtube ist dabei, sich von der Videoplattform von jedermann für jedermann zum Fernsehsender zu wandeln. Facebook streamt schon live und will nach Mark Zuckerbergs Willen bald mit eigenen Inhalten auf Sendung gehen.

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