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Zukunft des Füllers Wieder federführend

 ·  Immer mehr Menschen schwärmen für das Schreiben mit spitzer Feder, Füllhalter-Produzenten und Versandhändler verzeichnen eine Verdopplung der Nachfrage. Was ist zu halten von der neuen Liebe zur Tinte?

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Pelikan oder Geha? Das war früher die ultimative Frage auf den Schulhöfen und löste bisweilen sogar einen Glaubenskrieg aus, den der Schriftsteller Max Goldt bei Gelegenheit ausgeweitet und milieutheoretisch gedeutet hat: Demnach gehörte man entweder zur „katholischPelikan-Nesquik“- oder zur „evangelisch-Geha-Kaba“-Fraktion. Nun könnte man glauben, im einundzwanzigsten Jahrhundert sei die Tinte vertrocknet und in Zeiten von Mail, Chat und SMS das Interesse an klassischer Schreibkultur verloren. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Nicht nur ist neben dem Schnürsenkelbinden das fleckenlose Tintentanken eine der technischen Spitzenleistungen, die Grundschülern immer noch abverlangt wird. Jetzt berichtet der „Daily Telegraph“ in seiner neuesten Ausgabe, dass ihn in den vergangenen Wochen mehr als hundert Briefe erreicht haben, die von der Liebe der Leser zum Füller erzählen. Die Zeitung kann sich dabei auch auf Angaben von Herstellern wie Parker und Lamy stützen, die erfreut Zuwächse bei ihren Tintenfüllern melden. Und sie verweist auf die aktuellen Zahlen des Online-Händlers Amazon, wonach sich der Verkauf von Füllfederhaltern dort zwischen Januar und Mai dieses Jahres gegenüber dem gleichen Zeitraum 2011 verdoppelt hat.

Hier nimmt sich jemand Zeit

Dass man freilich auch auf anderem Weg zu einem Schreibgerät kommen kann, belegt ebenfalls das Internet. Dort ist der tschechische Präsident Václav Klaus zu sehen, wie er ausgerechnet während einer Pressekonferenz mit seinem chilenischen Amtskollegen heimlich einen Füller in seiner Tasche verschwinden lässt. Immerhin, das schlechte Gewissen steht dem Mann ins Gesicht geschrieben. Wollen wir hoffen, dass er damit seine Briefe nicht allzeit mit zittriger Hand schreibt. Denn Briefe sind ja immer viel verräterischer als etwa eine schnell getippte Mail. Ein steiler Aufstrich, eine dicke Schleife oder Unterlängen vermitteln eben etwas Persönliches, das in der Typographie der Computer und Handys verschwindet.

Vor allem jedoch signalisiert der Brief von Hand: Hier nimmt sich jemand Zeit, hier ordnet einer seine Gedanken. Welch absurde Folgen das haben kann, habe ich dieser Tage von einem Dichter erfahren. Weil er am Bildschirm viel besser mit den Worten spielen kann, tippt er seine Briefe zunächst in den Computer - und schreibt sie dann ab.

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Jahrgang 1970, Redakteurin im Feuilleton.

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