Die Tiere hatten uns ebenso wenig gesehen oder gehört wie wir sie. Als wir nur noch ein paar Schritte von ihnen entfernt sind, stürmt der Rehbock plötzlich in wilder Panik los und setzt mit raschen Sprüngen krachend ins Unterholz. Es klingt, als würden Knochen brechen und Äste splittern. Den beiden Rehen, die weiter links im Schnee nach Futter suchten, versperren wir, ohne es zu wollen, den Weg in das rettende Wäldchen. Sie stürmen in entgegengesetzter Richtung davon, aufs freie Feld, wo sie völlig ungeschützt sind. „Schauen Sie, jetzt merken die beiden, dass sie in die falsche Richtung gelaufen sind, wissen nicht wohin, und schlagen in ihrer Ratlosigkeit Haken“, sagt Botho Strauß. Wir blicken den langsamer werdenden Rehen nach, die einige Male die hübschen Köpfe nach uns wenden, erst aus Angst, dann, als sie in sicherer Entfernung sind, wie aus Neugier. Scheue Schönheiten, die nach wenigen hundert Metern hinter dem Kamm des Hügels verschwunden sind.
Wir setzen unseren Weg fort, stapfen durch den Schnee, über das Feld, auf dem der Winterweizen zaghaft sprießt, dann links am Ufer des kleinen Badesees vorbei, das Haus auf der Anhöhe immer im Blick, bis wir vor einem Badesteg stehen bleiben, den es hier gar nicht geben dürfte, weil der See wie das ganze umliegende Gelände zum geschützten Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gehört: Stille und Abgeschiedenheit auf 130.000 Hektar nordöstlich von Berlin.
Im Sommer kommt Botho Strauß gern zum Schwimmen an den kleinen See. Den Steg hat ein Angelverein errichtet, dessen Mitglieder jedoch kaum noch hier fischen. Eines Tages kam ein ganzer Trupp und suchte mit Netzen und Lampen den See nach einem Ungeheuer ab. „Ein drei Meter langer Wels soll in dem kleinen Gewässer hausen. Das glauben hier alle, auch wenn ihn noch keiner gesehen hat. Für die Kinder war das der Leviathan, auch wenn sie das Wort natürlich nicht kannten. Heute gibt es hier keine Kinder mehr.“ Seit zwanzig Jahren lebt Botho Strauß hier: gottverlassene Einsamkeit mit Seeblick. Der Leviathan ist sein Nachbar. Ein Fabelwesen. Wie jedes andere Wesen auch.
Der tolerante Verzeihling und andere Fabelwesen
„Die Fabeln von der Begegnung“, so heißt das neue Buch von Botho Strauß. Fabeln sind seit der Antike kleine Erzählungen mit moralischem Anspruch und belehrender Absicht. Äsop, Jean de la Fontaine, Luther, Lessing, James Thurber und viele andere ließen Tiere, Pflanzen und Mischwesen agieren und dabei menschliche Züge und Verhaltensweisen an den Tag legen. Im Tier soll der Leser sich erkennen. In den Fabeln des Botho Strauß gibt es keinen schlauen Fuchs und keinen diebischen Raben, keinen fleißigen Biber und keinen bedächtigen Dachs. Dieser Fabeldichter erzählt auch in seinem neuen Buch, wovon er immer schon erzählt hat, vom simpelsten und kompliziertesten, banalsten und kostbarsten Stoff der Literatur, dem Menschen.
Menschen, die ausharren oder ausbrechen, die flüchten, die Haken schlagen, in die falsche Richtung rennen, aber nicht mehr zurückkönnen, die beobachten und beobachtet werden, sich annähern und abgrenzen, die vertraut im einen und fremd im nächsten Augenblick sind - das ist das Personal, für das der Autor sprechende, mitunter aber auch rätselhafte Namen findet: Da sind der „neue Dandy“ und der „tolerante Verzeihling“, da die „zarte Schöne“ und „der Brunnenjunge“, da sind zwei Frauen namens „die Lösung“ und „das Problem“. Der Autor selbst, mittlerweile 68 Jahre alt, gibt sich ganz am Ende seines Buches als „puer fabulae“ zu erkennen. Wie soll man das übersetzen? Vielleicht so: ein alter Knabe, der gern alterslose Geschichten erzählt. Die Fabeldichter früherer Zeit nahmen den Umweg über das Tier, um ihren Zeitgenossen etwas mitzuteilen, was sie geradeheraus nicht sagen wollten oder konnten. Botho Strauß kennt andere Schliche.
Alle Fußspuren stammen von ihm
Vom Frühstückstisch aus konnten wir den See sehen, bevor wir zu unserer Wanderung aufbrachen. Auf der Fensterbank in der Küche lag griffbereit ein Fernglas: „Was sich bewegt, wird beobachtet“, sagte der Hausherr. Die beiden Grünspechte, die vor dem Fenster mit energischen Schnabelhieben auf den gefrorenen Boden einhackten, waren so nah, dass wir sie mit bloßem Auge gut erkennen konnten. Vielleicht ließen wir deshalb das Glas auf der Fensterbank liegen. Als wir Stunden später mitten im Wald stehenbleiben und aus gebotener Entfernung zum Horst eines Raubvogels hoch oben im Geäst einer mächtigen Buche hinüberblicken, könnten wir das Fernglas gut gebrauchen: „Der sieht uns besser als wir ihn“, sagt Botho Strauß und drängt zum Weitergehen. „Die Vögel sollen unter sich bleiben.“
Dann geht es quer durch den Wald. Wege gibt es hier nicht, höchstens Trampelpfade. Botho Strauß weist mit der Spitze seines Spazierstocks in den Schnee und lacht: „Alle Fußspuren, die Sie hier sehen, stammen von mir.“ Er klingt zufrieden, als wäre der ganze Wald in seiner Einsamkeit, mit all seinen Buchen und Eichen, mit den Seen und kleinen Bachläufen, mit Lichtungen, Anhöhen und Senken, allein sein Revier, sein persönliches Jagdgebiet. Aber was jagt Botho Strauß hier eigentlich?
Das Werkzeug der Magie
Den Gehstock hat er vor vielen Jahren in Portugal gesehen, Eleganz in Eschenholz, Anfertigung nur auf Bestellung. Er musste eine kleine Ewigkeit darauf warten, doch das hat ihm nichts ausgemacht. So ein Stock hält ein Leben lang und länger, er gehört zu jenen seltener werdenden Gebrauchsgegenständen, die ihre Besitzer überdauern. Den Knauf bildet ein kieselglatter, grünlich schimmernder Halbedelstein. Schraubt man ihn ab, kommt eine Klinge zum Vorschein, spitz, lang und dünn, eine Blutrinne an jeder Seite. „Niemand, der mir hier begegnet, sollte glauben, ich wüsste mich meiner Haut nicht zu wehren“, sagt Botho Strauß mit gespieltem Ingrimm, sieht dabei aber nicht sehr furchteinflößend aus. „Damit haben früher vermutlich spanische Granden beim Promenieren Eindruck schinden wollen“, sagt er und stapft weiter, „Sie werden nicht glauben, welch gute Dienste mir dieser Stock hier in Schnee und Morast schon geleistet hat.“
Dreißig Jahre musste das Holz lagern, und dreißig Jahre ist der Stock jetzt schon im Besitz des Schriftstellers. Zusammengerechnet sind das sechzig Jahre, früher war das ein ganzes Menschenleben. Dabei wirkt der Stock mit seinen silbernen Beschlägen, als stamme er aus dem neunzehnten Jahrhundert. Ein Zeitholz also, ein Werkzeug der Magie, das der Dichter beim Gehen fröhlich schwingt. Jetzt bleibt er jedoch stehen, sichtlich verstimmt. Vor uns liegt ein Bachlauf. Müssen wir da jetzt rüber? „Ja, müssen wir. Können wir aber nicht. Die Tür ist weg.“ Welche Tür?
Ein letzter Tanz im Schredder
In den Büchern von Botho Strauß wäre ein Tür, die sich inmitten eines Waldes auftut, nicht weiter überraschend. Vor sieben Jahren, in dem Band „Mikado“, beschrieb er einen „menschlichen Haftzeher“, der mit seinen Saugnäpfen die glatte Mauer einer Talsperre emporkletterte, hinter der im „großen Reservoir“ das gesamte Wissen der Menschheit gespeichert war. In den „Fabeln“ heißt es nun, der Geist habe sich aus sich selbst zurückgezogen: „Er ist nur noch ein blasser Spot, ein dünner Scheinwerferfleck auf dem Hinterhof eines weltweiten Speditionsunternehmens. Leuchtquellle unbekannt.“ Der Speicher verrät seinen Inhalt.
In „Vom Aufenthalt“, erschienen 2009, sieht ein Spaziergänger plötzlich über sich das gigantische Bild eines Mannes, der vom Himmel auf die Erde herabgrinst wie von einem Urlaubsfoto. Eine andere Prosaskizze dieses Bandes handelte vom Angsttraum, „die ganze geschriebene Welt“ könne zwischen zwei Klammern, die wie Stahlwände zusammenrücken, zu einem einzigen Quader zusammengepresst werden, so dass „von allen Werken und Entwürfen, von allem Können und Entsprechen nur dies bittere Faktum einer formschlichten Traurigkeit übrig bleibt, ein stummer Quader Schrift“, die sich nie wieder entziffern lässt.
Jetzt wird das Bild von der Stahlpresse in den „Fabeln von der Begegnung“ wiederaufgenommen: „Das Schlußbild gehört der Kammerzofe aus einem lange nicht gespielten Vaudeville.“ Durch den Spalt einer halb geschlossenen Tür blickt die Zofe in die fröhliche Hölle eines Ballsaals: „Männer, Frauen, letzte Feste, Tanz im Schredder, Tombola zwischen Stahlplatten, die sich von vier Seiten unmerklich sacht zusammenschieben, langsame Zunahme von Beengung und Gedränge, aber alle noch bei Festtagslaune, stärkere Verdichtung eingeweihter Kreise bei immer noch sehr guter Stimmung, Lachen der Gezwängten, Männer und Frauen, fast schon eins ins andere gepreßt, schließlich Brust an Brust zerberstend.“
Erzähler der Anti-Kommunikation
Ein Tanz auf dem Vulkan, Szenen einer Apokalypse. Dann, zum Schluss des nur knapp zwei Seiten langen Textes, folgt überraschend die ironische Brechung: Zuletzt, die Stahlplatten haben sich fast schon geschlossen, reicht einer der Eingeschlossenen noch den „Glutstummel seiner Zigarette“ nach draußen, denn drinnen „gab es ja nirgends Aschenbecher. Das Rauchen war verboten bis zuletzt.“
Was ist das? Die morbide Untergangsphantasie eines randständigen Mahners und Moralisten? Oder die ins Surrealistische gewendete Satire eines galligen Zeitdiagnostikers? „Stärkere Verdichtung eingeweihter Kreise bei immer noch sehr guter Stimmung“, das klingt wie eine Beschreibung hochaktueller Zustände. Erfasst eine solche Formulierung nicht perfekt die Vorgänge, die sich jüngst in Finanzkrisengewinnlerkreisen zugetragen haben? Das wirft die Frage auf, mit welchem Blick unsere Gesellschaft in den Fabeln betrachtet wird. Ist es der Blick des Soziologen, des Dramatikers, des Melancholikers?
„Gesellschaft? Das Wort ist mir eigentlich viel zu groß. Der Blick auf das Ganze einer Gesellschaft ist ja heute nicht mehr möglich, dazu gibt es zu viele Einzelmodule, die in sich zu komplex und auf die komplizierteste Weise miteinander verbunden sind.“ Sein Blick gelte Konstellationen, Begegnungen, in die sich auch Biographisches mische, es sei der Blick des Randständigen, des Außenseiters: „Ich suche immer nur Inseln im Geschehen. Eigentlich ist mein Erzähler die Gestalt der Anti-Kommunikation.“
Die immergleiche Endmoränenlandschaft
Am richtigen Platz ist er dafür hier jedenfalls. Außer dem Leviathan in seinem Weiher und dem Dichter in seinem Haus auf der Anhöhe, das er sich vor zwanzig Jahren bauen ließ, leben auf einer Fläche von gut vierzig Quadratkilometern 805 Menschen in der kleinen uckermärkischen Gemeinde. Das macht etwa zwanzig Einwohner je Quadratkilometer. In Berlin-Charlottenburg, wo der Schriftsteller noch eine Stadtwohnung hat, ist die Bevölkerungsdichte etwa 250 Mal so hoch. Wie kann es sein, dass der als Dramatiker wie als Prosaautor gefeierte Phänomenologe unserer Befindlichkeiten, der große Gebärdensammler unserer Zeit, seit zwei Jahrzehnten in völliger Abgeschiedenheit lebt?
„Ich habe Berlin nie gemocht und nie gern dort gelebt.“ Lange habe er nach einem passenden Platz gesucht, um sich niederzulassen. „Ich war eigentlich überall auf der Suche, im Spessart, im Allgäu, im Elsass. Dann kam ich hierher und war sofort sicher, dass ich den mir gemäßen Ort gefunden hatte.“ Jeden Morgen blickt Botho Strauß nun beim Frühstück auf denselben Flecken Landschaft. „Endmoränenlandschaft. Jeden Morgen derselbe Ausschnitt im Fenster, immergleich und doch immer anders im immer anderen Licht.“
Als Botho Strauß erstmals an diesen Ort kam, lag der Fall der Mauer nur drei Jahre zurück. Er ließ ein Haus bauen, weil auf dem Grundstück, das es ihm angetan hatte, noch keines stand. Seit 1993 lebt er hier. Die Welt hat sich seitdem komplett verändert, politisch, technologisch und sozial. Aber was hat sich hier eigentlich getan in den letzten zwanzig Jahren? „Hier? Nichts. Rein gar nichts.“ Botho Strauß wirkt nicht unzufrieden damit.
Entspannen in der Jamaika-Tropical-Rain-Dusche
In dieser Gegend Deutschlands, von der Unesco in Teilen zum Weltnaturerbe ernannt, von seinen Bewohnern verlassen, sorgt nur der Wechsel der Jahreszeiten für Veränderung. Manchmal stirbt ein Nachbar. Manches Haus, das schon leerstand, als der Schriftsteller 1993 hierherzog, steht immer noch leer. „Etliche Häuser, vor allem größere, wurden damals als Spekulationsobjekte gekauft. Wurde aber nichts draus. Die Leute, die das gemacht haben, müsste man enteignen. Man darf ein Haus nicht aus Gewinnsucht zwei Jahrzehnte lang leerstehen lassen.“ Die Straße, auf der wir vom kleinen Bahnhof im nahe gelegenen Ort zum Haus des Schriftstellers fuhren, ist mit herrlichen alten Feldsteinen gepflastert: „Das Pflaster stammt bestimmt noch aus der Napoleonischen Zeit. Da verflucht Sie jeder Paketbote, wenn er nur Ihretwegen hier drüberbrettern muss“, sagt der Schriftsteller fröhlich und freut sich still über die Unverwüstlichkeit seines Geländewagens. Ein Modell für Förster, keines, mit dem man im Golfclub vorfahren würde.
Das Hotel, in das wir am Abend vor der Wanderung zum Essen gehen, verfügt seit kurzem auch über einen großen Wellness-Bereich. Botho Strauß pflügt vor dem Gang ins Restaurant genüsslich durch den Pool, beschaut alle Apparaturen und Räume, das Dampfbad, die Kräutersauna, die „Jamaika-Tropical-Rain-Dusche“ mit wechselnden Lichteffekten, drückt sämtliche Knöpfe und freut sich über die kleine Wellenmaschine, gegen die wir jetzt anschwimmen könnten, wenn wir denn gegen irgendetwas anschwimmen wollten.
Es zählt nur das, was man liebt
Was tut der Schriftsteller, damit er nicht untergeht im Strom der Überlieferung? Wie verhält er sich zur Tradition? Gibt es Vorbilder? „Aber selbstverständlich“. Die Frage scheint ihn zu erstaunen. „Die Klassiker, die Romantiker. Es reicht ja nicht, den ,Wilhelm Meister‘ immer wieder neu zu lesen, ich muss ihn auch weiterschreiben.“ Vor vier Jahren hat er in „Vom Aufenthalt“ einen Vers aus den „Vier Quartetten“ über die Vergänglichkeit zitiert: „Old men ought to be explorers.“ Ist das sein Zukunftsprojekt für die nächsten Jahre? „Ach, T. S. Eliot, herrlich. Ja, Forschungsreisender, das ist doch kein schlechtes Programm.“
Aber welchem Gegenstand gilt diese Forschung, wenn nicht der Gesellschaft? „Gesellschaft, das ist heutzutage das, was Debatten führt, mehr nicht. Was wäre darüber zu sagen? Interessant, mehr als nur interessant wäre allerdings das funktionale Geheimnis eines Gemeinwesens, das immer noch von unbekannten Kräften zusammengehalten wird. Aber das ist wohl nicht entschlüsselbar.“
In „Vom Aufenthalt“ hat Botho Strauß sein Forscher- und Entdeckertum präziser definiert, als Suche nach jenen kleinen Lücken, die seine Lieblingsautoren in ihren Büchern hinterlassen haben: „Was ich schreibe, hätten auch sie schreiben können. Dann und wann haben sie einen verspäteten, posthumen Einfall - dafür gibt es mich.“ In einem solchen Satz kommt manches zusammen: Bescheidenheit und ihr Gegenteil, der Anspruch auf Kontinuität und eine gleichsam überzeitliche Zeitgenossenschaft. „Mittlerweile interessiert mich das Bezeichnende mehr als das Bezeichnete, um nicht gleich von Symbolen sprechen zu müssen.“ Ein Standpunkt, der radikale Subjektivität keineswegs ausschließen muss: „Für mich zählt zunehmend nur noch das, was man liebt, ob das nun ein Buch, ein Film oder ein Kunstwerk sein mag, und das man aus diesem Grund auch nicht anzweifelt. Eine affektuelle Haltung, ja, aber sie scheint mir nötig.“
Die Tür bleibt verschwunden
Mittlerweile sind wir an dem größten See der Gegend angekommen. Botho Strauß schaut angestrengt aufs jenseitige Ufer. Er hält nach Anzeichen kleinster Veränderung Ausschau, denn drüben ist seit kurzem ein Biber zugange: „Der Biber ist der neue Hauptfeind. Ein intelligenter Ingenieur, das muss ich zugeben.“ Auf unserer Seite scheint alles in Ordnung: sanfte Uferböschung, ein Platz wie geschaffen zum Baden oder Angeln. Unter einer Birke steht sogar eine eiserne Mülltonne, die auf Drängen des Dichters hier aufgestellt wurde: „An diese Uferstellen kann man mit dem Auto fahren. Auto, das bedeutet, dass die Leute erst viel Kram mitnehmen und dann viel Müll zurücklassen.“
Die Tonne stammt noch aus DDR-Beständen, wie die eingeprägte Jahreszahl zeigt: 1979. Damals war Botho Strauß fünfunddreißig Jahre. Vier Jahre zuvor hatte er seine Stelle als Dramaturg an der Schaubühne aufgegeben. Sein Stück „Groß und klein“ war im Jahr zuvor erschienen, 1981 folgte „Kalldewey, Farce“. Wenig später sah er während eines Urlaubs in Portugal das Zeitholz, jenen silberbeschlagenen Spazierstock, mit dem er seit nunmehr zwanzig Jahren sein uckermärkisches Revier durchstreift, auf der Jagd nach dem, was man nicht sehen und nicht erlegen kann: dem Anblick vergehender Zeit. Die Tür, die uns über den kleinen Bachlauf helfen sollte, sie blieb verschwunden.
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