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Zensur in Thailand Weerasethakuls Wut

 ·  Er ist ein Ärztesohn aus Thailand, hat am Art Institute in Chicago studiert und sich mit seinen radikalen Filmerzählungen einen Namen im Weltkino gemacht: Apichatpong Weerasethakul macht Filme, die genauso labyrinthisch sind, wie sein Name für unsere Ohren klingt.

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Er ist ein Ärztesohn aus Thailand, hat am Art Institute in Chicago studiert und sich mit seinen radikalen Filmerzählungen einen Namen im Weltkino gemacht: Apichatpong Weerasethakul macht Filme, die genauso labyrinthisch sind, wie sein Name für unsere Ohren klingt. Mit "Tropical Malady" und "Blissfully Yours" hat er Aufsehen erregt, und sein letzter Film "Syndromes and a Century" begeisterte und verstörte vergangenen Herbst in Venedig (F.A.Z. vom 1. September) und Wien (F.A.Z. vom 16. November). Die Geschichte spielt überwiegend in einem Krankenhaus, und sie wird zweimal aus verschiedenen Perspektiven erzählt, aber eben so, dass die beiden Blickwinkel nie völlig zur Deckung kommen, sondern in der Differenz ein neuer Raum geschaffen wird, in den traumverloren völlig andere Geschichten einfließen.

Nun sollte der Film in Thailand ins Kino kommen und wurde dazu der Zensurbehörde vorgelegt, die vier Schnitte verlangte. Weerasethakul aber dachte gar nicht daran, darauf einzugehen, und beschloss, seinen Film zurückzuziehen und ein paar grundsätzliche Fragen zur Politik seines Landes aufzuwerfen. Es gibt eine Petition im Internet (www.petitiononline.com/nocut/petition.html), in der er schreibt, dass er als Filmemacher seine Arbeiten wie seine eigenen Söhne oder Töchter behandle: "Vom Moment der Geburt haben sie ihr eigenes Leben. Es ist mir egal, ob die Leute sie mögen oder verachten, solange ich sie in bester Absicht und nach besten Kräften erschaffen habe. Wenn diese Nachkommen aus welchen Gründen auch immer in ihrem Land nicht leben können, müssen sie in die Freiheit. Da es andere Orte gibt, an denen sie willkommen sind, gibt es keinen Grund, sie aus Furcht vor dem System oder aus Gier zu verstümmeln. Andernfalls hat es keinen Sinn mehr, weiterhin Kunst zu machen." Es sei Zeit, über die Zensur in seinem Land nachzudenken, schreibt er weiter, um der nächsten Generation solche Probleme zu ersparen: "Vielleicht ist es aber auch leichter, die Nation in einen faschistischen Staat zu verwandeln, um in Harmonie leben zu können und keine Zeit mehr mit Gerede über Demokratie zu verschwenden." Vier kleine Schnitte hier - ein großer Schnitt für die Freiheit der Kunst dort. MICHAEL ALTHEN

Quelle: F.A.Z., 19.04.2007, Nr. 91 / Seite 38
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