25.01.2012 · Rückschlag für die „Zeitungszeugen“: Das Landgericht München hat die Veröffentlichung von Auszügen aus Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ verboten. Eine Broschüre zum Buch soll am Donnerstag erscheinen - allerdings mit unleserlichen Zitaten.
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Jetzt mal ganz sachlich zum Inhalt von "Mein Kampf". Die rund 800 Seiten umfassende ...
... Autobiografie Hitlers taugt heute kaum, um in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Schon in den 30ern hat das Buch ja kaum jemand gelesen. Heute würde es auch die Mehrzahl der Leser schon allein deshalb nicht mehr ansprechen, weil die Themen mittlerweile irrelevant sind. So die Diskussion um die Kriegsschuldfrage des Ersten(!) Weltkriegs, Versailler Vertrag, Ruhrbesetzung etc. Dann die Auseinandersetzung mit Kommunismus/Marxismus (hat sich sich bekanntlich inzwischen aus anderen Gründen erledigt).Dann breitet Hitler sein Leben episch aus. Auch da kein zündender Funke. Der interessantere Teil ist staatspolitischer Natur. Darin diskutiert Hitler u.a.die Rolle imperialer Mächte (ua. England) und setzt sich mit den Staatsformen auseinander. Der brisantere Teil ist das Kapitel "Volk und Rasse", etwa 50 Seiten, wo Hitler zunächst den Darwinismus referiert, dann die besonderen Fähigkeiten der Juden anerkennend nennt und vor ihnen wegen deren "internationalistischer" Orientierung warnt.
Nein, es geht nicht darum ob dieses 'Kunstwerk' inhaltlich etwas zu bieten hat. Es geht schlichtweg nur darum einem rechtsradikalen Gedankengut keine BÜhne zu bieten, um die Gefahr der Verfänglichkeit ungebildeter und unaufgeklärter Menschen erst gar nicht einzugehen. Nein, wir brauchen keine geistige Auseinandersetzung mit diesem Buch. Diese Auseinandersetzung hatten wir schon. Das Verbot ist unsere gesellschaftliche Stellungnahme zu diesem Buch. Mehr bedarf es nicht und dabei soll es auch bleiben.
Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.01.2012 17:22 UhrMit dieser Argumentation, Herr Vogel,
nähern Sie sich genau dem "System Adolf Hitler" an, dass auch schon mal Bücher verbieten und überdies verbrennen ließ.
Wie wollen Sie dann
die "Ungebildeten" aus ihrer Unmündigkeit herausholen,
sollten diese sich gerade dafür interessieren, was Hitler konkret
schrieb und dachte?
Sie haben natürlich Recht, braunem Gedankengut keine Bühne zu
bieten. Hier aber geht es um ein Buch, dass im Groben die Denkweise
eines historisch "bedeutsamen" Mannes widerspiegelt. Allein
die Sprache sorgt mE für die nötige Distanz, um das Gewirr
nüchtern zu betrachten. Ich mag mich irren, aber wenn jemand
aufgrund dieses Buches verfänglich wird, müsste man Youtube
hier in Dtld. auch verbieten, bei dem, was sich da so rumtreibt. Und
genau dort wird modern geworben und gesprochen, eine viel
größere Gefahr.
Nicht zuletzt sorgt der Status des Verbotenen für einen Reiz und
eine Vorverurteilung für diejenigen, die sich nüchtern
dafür interessieren.
"Das Verbot ist unsere gesellschaftliche Stellungnahme zu diesem Buch"
Ihre(!) vielleicht !? Unsere(!) nicht !
Das Buch wurde doch während der NS-Zeit allen damals eheschließenden Paaren schön mit Widmung des Standesbeamten ("Dem jungvermählten Paare ...") und/oder des Amtsbürgermeisters als Prachtausgabe mit Goldrücken und auf dem Umschlagdeckel mit Stadtwappen und sogar im Schuber überreicht. Ich gehe doch sehr stark davon aus, dass davon - allein schon aus völlig unpolitischen Erinnerungsgründen - sehr viele Exemplare in den Haushalten "überlebt" haben. Da kann doch jeder, den es betrifft und den es interessiert, mal locker selber nachlesen und nach den hier im Leserzuschriftenbereich so häufig zitierten "Hetzpassagen" forschen ...
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.01.2012 10:02 Uhrna ja,
ich denke mal man konnte nach dem Krieg, in Zeiten der Entnazifizierung, diese Bücher gar nicht schnell genug loswerden.
Herr Schnappe das Buch steht in weltweiten Regalen, nur in Deutschland muss es bestellt werden
Also Herr Schnappe, die Demokratie Deutschlands muss diese Buch aushalten konnen und es wird immer Idioten und Spinner geben, die dieses Buch zur Aufhetze nutzen werden und stimme ihnen schon zu, jedoch konnen Sie in jeder Buchhandlung Deutschlands dieses Buch bestellen, nur ob der Buchhandler ihrem Wunsch entspricht, ist die Sache des Buchhandlers, denn der ist nicht verpflichtet, dieses Buch zu verkaufen. Hitlers Buch ist in Grossbritannien ein ewiger trauriger Bestseller und ist zweisprachig erhaltlich und es ist erstaunlich, wie viele meine Patienten und das Krankenpflegepersonal sich uber Hitlers Buch unterhalten konnen.
Das Buch ist doch frei (kommentiert) erhältlich! Ein wichtiges Zeitdokument
Adolf Hitler, Mein Kampf, List-Verlag, 11. Auflage 1997, -eine
kommentierte Auswahl von Christian Zentner, -diese Ausgabe ist, war
seinerzeit zumindest, im Buchhandel frei erhältlich.
Warum soll das Buch auch verboten sein? Wer es liest, stellt schnell
fest, nein, "ansteckend" ist es nicht, -es ist
"banal", ein Pamphlet halt, wie es auch heute unzählige
davon gibt.
[...]Es soll ein scharfer Unterschied zwischen allgemeiner Bildung und
besonderem Fachwissen bestehen. Da letzteres gerade heute immer mehr in
den Dienst des reinen Mammons zu sinken droht, muß die allgemeine
Bildung, wenigstens in ihrer mehr idealen Einstellung, als Gegengewicht
erhalten bleiben.[...]
[...]Es geht nicht an, die jungen Gehirne mit einem Ballast zu beladen,
den sie erfahrungsgemäß nur zu einem Bruchteil behalten[...]
Gewiss, diese Stellen sind harmlos, aber eine gut kommentierte Ausgabe
kann nur hilfreich und wünschenswert sein,- sie zeigt nämlich
auf, wie "Rattenfänger" früher und heute (!)
arbeiten!
Nicht ausreichend.
Chr Zentners kommentierte Auswahl zu Hitlers "Mein Kampf" hat - relativ groß gedruckt und mit umfangreichem Anmerkungsteil - gerade mal rund 250 Seiten, netto knapp 170 und davon schätze ich mal mindestens die Hälfte eigene Ausführungen des Autors. Also sagen wir mal 80 Seiten "Mein Kampf". Das Original umfasst aber - eng bedruckt - rund 800(!) Seiten. Mit der Zentner-Auswahl erhält man also - Drucksatz-Größenunterschiede mitgerechnet - allenfalls 6 bis 8 Prozent des Originalwerkes präsentiert. Um einen allerersten Überblick zu erhalten: ok, aber man ist natürlich auf die gezielte Auswahl (man könnte auch sagen: zensierte Auswahl) von Chr Zentner festgelegt. Für einen wirklichen Überblick reicht das kaum.
Was für ein Affentanz um diesen Schinken ...
Wenn schon Rafael Seligmann vor einigen Jahren forderte "Gebt den Kampf frei", weil er der Ansicht ist, dass die deutsche Bevölkerung jetzt reif genug ist, damit richtig umgehen zu können, dann sollte doch die gutmenschliche Verbotsstrategie der CSU in der "Hauptstadt der Bewegung", so wurde damals München bezeichnet, endlich ein Ende finden. Ein Verbot nützt sowieso nichts, denn wer sich - aus welchen Gründen auch imer - dafür interessiert, dürfte mit Sicherheit im WWW fündig werden.
Möchten überhaupt so viele das Buch lesen?
Also ganz im Ernst, ich lese auch viel um einfach zu wissen was drin
steht, religiöse Schriften zum Beispiel. Ich bin auch sehr
Geschichtsinteressiert und habe einige Bücher zu Hause, einfach
weil sie von bedeutenden Persönlichkeiten geschrieben wurden.
Aber diese Buch interessiert mich nun wirklich gar nicht.
Es ist doch erwartbar, dass der Mann einfach seinen ganzen Hass da rein
geschrieben hat und sich dabei, dem Titel nach selbst zum Helden
erklärt hat.
Dafür muss ich das Buch nun wirklich nicht lesen, diese Parolen hat
man in 1000 Dokus gehört.
@Labermeier: Ihre effiziente Anleitung zum Lesen !
("Möchten überhaupt so viele das Buch lesen? ... .diese
Parolen hat man in 1000 Dokus gehört.") Genial. Ich verlasse
mich demnächst auch nur noch auf die Aussagen unserer Politiker und
Fernsehjournalisten, die uns unmündigen Bürgern Bücher
vorenthalten, die wir sowieso allenfalls missverstehen könnten. Die
sagen uns schon, was darin steht und was wir davon zu halten haben! Wozu
selber denken ?? Wofür zahlen wir den Verfassungsschutz, der kann
das für uns viel besser erledigen. Sie haben mir auch Zeit gespart,
indem Sie anmerkten, dass "Es doch erwartbar (sei), dass der Mann
sich ... dem Titel ("Mein Kampf") nach selbst zum Helden
erklärt hat.". Denn ich wollte jetzt mal das inzwischen auch
in der Bundeszentrale für Politische Bildung erschienene Buch
über die rebellische 68er Generation von Götz Aly ("Unser
Kampf") lesen. Kann ich mir nun echt schenken, wenn sich darin
diese aktuell an den Schalthebeln der BRD-Macht sitzende Polit-Clique
bloß "selbst zum Helden erklärt". Danke !
Sehe ich auch so, Herr BERNHARD LABERMEIER
kaufen würden das Werk wohl so einige. Und die ersten Seiten lesen auch. Dann liegt es eine Weile auf dem Tisch, dann kommt es im Bücherschrank in die erste Reihe, dann in die zweite ...
Ganz einfach
Wenn man jede Woche beim Blick ins Fernsehprogramm zig Dokus über Hitler, Hitlers Frauen, Hitlers Hund, Hitlers sonstwas ans Herz gelegt bekommt, dann sollte es dem mündigen Bürger doch auch freistehen, dieses wie auch immer sinnfreie Buch zu lesen. Mehr als geistiges Gesabbere soll es ja nicht sein. Aber eben das ist ein Argument, es freizugeben!
Eine schwierige Sache, aber die Demokratie muss Hitlers Buch aushalten ...
Also, wer sich nicht dieses Buch auf legalem Wege besorgen kann, wird dies illegal tun und sich dem Internet bedienen, ausserdem ist in allen grosseren Buchhandlungen Hitlers Buch zu bekommen, so ist das im englischen Bristol der Fall. Die Demokratie Deutschlands ist stark genug, Hitlers Buch auszuhalten und sich mit diesem Teil der Geschichte auseinander zusetzten, ausserdem ist es notwendig, dieses Buch zu verstehen, damit die NS-Geschichte besser zu verstehen ist. Ich glaube nicht, das den Schulern beispielsweise Auszuge oder dieses Buch als Unterrichtsmaterial verboten werden sollte. Wer die schreckliche Vergangenheit verstehen mochte, muss dazu die Moglichkeit haben, sich offen und bewusst damit auseinanderzusetzen zu durfen ...
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 25.01.2012 22:36 UhrWas soll diese ganze Aufregung ???
Dieses Buch steht komplett - also ungekürzt - auf Deutsch als
*.pdf-Datei im Internet. Kein Problem, es zu finden, es herunterzuladen
und dann zu lesen. Ob man es auch drucken kann, weiß ich nicht,
mit kleinen Tricks sicher kein Problem.
Außerdem: weder Besitz, noch An- und Verkauf antiquarischer
Original-Ausgaben ist verboten, sondern völlig legal. Gut, die
Preise sind einigermaßen hoch.
Nun erlischt 2015 bekanntlich das beim Bayerischen Finanzministerium
liegende Urheberrecht. Niemand kann dann irgend jemandem verbieten,
dieses Buch zu drucken und zu verkaufen - auch in Deutschland nicht.
Ich glaube nicht, dass der Vertrieb quasi als "volksverhetzende
Schrift" gerichtlich verboten werden kann, nachdem der Verkauf
antiquarischer Ausgaben seit Jahrzehnten nicht verhindert wurde.
Nach 67 Jahren finde ich diese Diskussion einfach nur kindisch.
Die kommenden drei Jahre werden die Welt auch nicht retten.
Die CSU hat doch nur Angst....
... das rauskommt, wie sehr sich die Argumentationslinien der sogenannten Bürgerlichen denen Hitlers ähnelnt.
Überschätztes Buch trifft Tabuthema
Der Versuch, die Menschen vor dem hetzerischen Gedankengut in "Mein
Kampf" zu schützen, ist absurd. Zum einen ist das Buch
hochgradig langweilig und zäh zu lesen; bereits zu NS-Zeiten hat es
darum kaum jemand ernsthaft rezipiert, der nicht gerade Parteiideologe
war (viel "spannender" lesen sich aus dem NS-Literatenpool
bspw. die Verschwörungstheorie der "Protokolle der Weisen von
Zion" von Markus Rosenberg). Zum anderen kursiert es in rechten
Kreisen ohnehin.
"Mein Kampf" wird in seiner Gefährlichkeit völlig
überschätzt, während die Deutschen ohnehin dazu neigen,
NS-ideologischer Literatur und Kunst eine viel höhere
Gefährlichkeit anzudichten, als de facto vorhanden ist (vgl. Bibel,
die man in weiten Teilen als genauso ideologische Propaganda sehen kann,
aber über deren Verfügbarkeit sich niemand aufregt). Mit
dieser Art von Literatur, die mehr als historische Quelle denn als
Lektüre taugt, dann urheberrechtliche Eitelkeiten auszufechten
erscheint mir ziemlich fragwürdig.
Das Buch ist wirklich unlesbar. Ich habe es als Jugendlicher versucht
und bin trotz großer Mühe nicht allzu weit gekommen. Das
miserabelste Buch, das ich je in Händen hatte – Inhalt, Stil,
einfach alles.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch dieses Machwerk irgendjemand
indoktriniert werden könnte, im Gegenteil, es hat eher eine
große abschreckende Wirkung.
Die Haltung der bayerischen Staatsregierung ist hier wohl auch nicht
eigener Erkenntnis, sondern in vorauseilendem Gehorsam der
vermeintlichen political correctness geschuldet.
Die Regierungen der Länder und des Bundes wären dagegen gut
beraten, sich mehr um ihren ineffizienten, freischaffenden, von jeder
Aufsicht befreiten Verfassungsschutz zu kümmern.
Lackmustest des Freiheitsbegriffs in der Bundesrepublik Deutschland
Glückwunsch, Freistaat Bayern! Während dieses ######buch auf der ganzen Welt gelesen werden darf, ist der mündige deutsche Bürger offensichtlich noch nicht reif genug für die Lektüre. Und wer es dennoch probieren möchte, ist nolens volens gezwungen, sich die PDF-Version bei amerikanischen Neonazis herunterzuladen. Vortrefflich gemacht, Freistaat Bayern! In München stand das "Braune Haus", München war die "Hauptstadt der Bewegung", in Nürnberg fanden die Reichsparteitage statt, und der Berghof lag auch nicht an der Nordsee; wenn sich der Führer irgendwo wohl gefühlt hat, dann in Bayern. Johannes Gross hatte schon recht: "Je länger das Dritte Reich zurückliegt, umso mehr nimmt der Widerstand gegen Hitler und die Seinen zu."
man zum wievielten mal eigentlich über "Mein Kampf"
diskutiert, wird im deutschen Feuilleton angeregt über Marx, das
Ende des Kapitalismus und die ganzen Rezepte von vor 70-80 Jahren
diskutiert. Sogar die "bürgerliche" FAZ mischt fleissig
mit.
Irgendwer in diesem Land hat seine Maßstäbe völlig
verloren und ich hoffe, daß es nicht ich bin, sondern die Presse
bzw. Politik an sich.
Das ist übrigens ein Problem, das sich im Bereich Computerspiele
nicht selten stellt. Da ist ein Spiel Anfang der 90er
veröffentlicht worden. Der Rechteinhaber hat kein Interesse daran,
das Spiel zu vertreiben, weil vielleicht hundert potentielle Kunden das
nicht lohnen würden, will aber andererseits aus prinzipiellen
Gründen keine "Piraterie" tolerieren.
Das kann dann dazu führen, dass ein wesentlicher Zeitzeuge dieser
Kunstform wie Privateer oder System Shock nicht legal verfügbar ist.
(Mittlerweile hat sich good old games des Themas teilweise angenommen,
die Grundproblematik, dass mit den Mitteln des Urheberrechts
Informationen unterdrückt werden können, bleibt aber bestehen).
Könnte man doch im Internet nachlesen.
Aber der Umgang des Freistaates ist verdächtig. Es handelt sich
nicht um eine unkritische Veröffentlichung. Zumal
Staatsanwälte Dokumente vor Bestand der Verfassung schwerlich
verfolgen, schließlich ist der Koran oder das alte Testament auch
nicht gerade leichte Kost - aus Sicht des freiheitlichen Staates.
Da holt uns die Vergangenheit ein. An keinem Thema verbrennt man sich schneller die Zunge, aber wo ist sie den Hin, die Pressefreiheit. Oder anders gefragt: Ist unsere Scham größer, als das Verlangen endlich über den Mann, sein Werk und sein Tun auch in Zeitungen zu berichten und sich dabei Zeitdokumente durchzulesen? Sind wir immer noch so unaufgeklärt über das, was war, dass wir es wir es nicht ungestraft betrachten dürfen? Liebe Richter: Die NS-Zeit wird nicht ungeschehener, wenn man sie wegschließt, im Gegenteil! Soll jeder lesen, was er lesen mag und sich informieren über das was war. Das muss unsere freiheitliche Gesellschaft aushalten.
Vor der Torheit, Irrtümer durch Zensur überwinden zu wollen, warnte John Stuart Mill...
...in seinem Buch Über die Freiheit (On Liberty). Mill schreibt:
"Aber das besondere Übel der Unterdrückung einer
Meinungsäußerung liegt darin, daß es am menschlichen
Geschlecht als solchem Raub begeht, an der Nachwelt so gut wie an den
Mitlebenden, an denjenigen, die von dieser Meinung nichts wissen wollen
noch mehr als an denen, die sie vertreten. Denn wenn die Meinung richtig
ist, so beraubt man sie der Gelegenheit, Irrtum gegen Wahrheit
auszutauschen; ist sie dagegen falsch, so verlieren sie eine fast ebenso
große Wohltat: nämlich die deutlichere Wahrnehmung und den
lebhafteren Eindruck des Richtigen, der durch den Widerstreit mit dem
Irrtum entsteht."
Hitlers Buch unterdrücken heißt also: unseren Widerstand
gegen ihn der Deutlichkeit und Lebendigkeit berauben, die er
hinzugewinnen würde, wenn das Buch sich uns stellen müßte.
Prima, Franz Nagel -
herzlichen Dank für das wunderbare Mill-Zitat und Ihre Schlußfolgerung!
Dei rechtsextreme Gefahr geht doch nicht von diesem flachen
Schmöker aus. Wer da mal rein liest erkennt die Kleingeistigkeit
des österreichischen Landstreichers. Der Künstler Serdar
Somuncu hat eine Vortragsreihe mit diesem Buch gemacht, einfach um aus
der Schmackhaftigkeit des Verbotenen hinaus in die kritische
Ánalyse zu kommen. Und das ist richtig, statt Interesse an einer
bewussten Auseinandersetzung zu unterbinden, sollte man sich und anderen
bewusst machen, um was es da geht, warum es trotzdem Erfolg hatte und
welcher verwirrter Geist sich s etwas hat asugedacht.
Die Schüler in heutigen Schulen werden bombardiert mit den
Auswirkungen des Nationalsozialismus, fragen sie sie mal. Unendlich
viele Vorträge und Tehmenblöcke, die leider auch viele
Konditionierungen nach sich ziehen (Nationalsozialismus nur als
deutsches Prpblem, Natinalstolz ist falsch ect.). Warum sich nicht damit
beschäftigen, mit welchem Unsinn alles angefangen hat?
Ja,
es stimmt, was sie sagen, eine gewisse Vorsicht und das Einbinden in die
geschichtlichen Zusammenhänge ist von Nöten. Das "Die
Welle"-Phänomen ist mE auch noch nicht vollständig von
der Welt, der Mensch ist dem Tier immer noch näher, als ihm lieb
ist.
Flacher Schmöker?
Ja, aus heutiger Sicht vielleicht.
Aber ich sehe das doch etwas anders.
Ich meine, dass man dieses Buch und insbesondere seine
Entstehungsgeschichte im Bewusstsein vor dem Hintergrund der damaligen
Zeit lesen und versuchen zu verstehen muss.
Unsere Altvorderen waren sicher nicht alles Dummköpfe oder mit
Drogen voll gedröhnt, als sie Hitler und sein Partei wählten -
mehr als ein Drittel zumindest. Man muss die Ursachen der
Radikalisierung der deutschen Bevölkerung zu verstehen versuchen.
Und wir wollen uns doch im Klaren sein, dass die Deutschen eher sehr
viel langmütiger sind, als andere (europäische) Nationen. Wenn
es ihnen aber dann doch zu bunt wird, sie vielleicht eruptiver
reagieren, als andere.
Ich glaube nämlich nicht, dass ein anderes Volk tatenlos so lang
dabei zu schauen würde, wie seine Regierung -zig oder gar hunderte
von Milliarden an andere Länder zahlt, oder dafür bürgt,
die im eigenen Land dringendst fehlen.
Sie wissen: ich meine diese ganzen "Rettungsschirme" usw
Bei "Zeitungszeugen" ist irgendwie immer was los. Das Budget
für rechtliche Auseinandersetzungen scheint Teil des Werbeetats zu sein...
Wenn die es nicht abdrucken dürfen, kauft oder bestellt man sich
eine kommentierte und gekürzte Ausgabe im Buchhandel. Gibt ja so
einige.
Um den ganzen Schwachsinn dieses Machwerks zu durchdringen, empfiehlt
sich das brilliante Mein-Kampf-"Hörbuch" von Helmut
Qualtinger.
Eins noch: "Im Fall der Publikationen von 2009 - damals handelte es
sich um den kommentierten Nachdruck von Nazi-Zeitungen - war das
Urheberrecht bereits erloschen."
Es handelte sich nicht nur um Nazi-Zeitungen. "Vorwärts"
und Deutsche Allgemeine Zeitung" waren (zumindest Anfangs) auch dabei.
Ja, "Mein Kampf" ist eine grauenhafte Hetzschrift. Aber ich
frage mich, inwiefern ein solches Verbot im digitalen Zeitalter
angebracht bzw sinnvoll ist. Wer unbedingt die Wahnideen Hitlers in
diesem Buch nachlesen möchte, findet es nach wenigen Sekunden (!)
per Mausklick. Oder zT in diversen Universitätsbibliotheken. Oder
vorgelesen als Hörbuch. Warum dieser Wirbel um einen Abdruck, wenn
dieser längst nur e i n e der Möglichkeiten ist, sich dieses
Machwerk zu Gemüte zu führen. Wer es liest, wird schnell
feststellen, dass vor Schwachsinn, schlechtem Stil und lachhafter
Rhetorik nur so wimmelt.
Warum tut man von Seiten Bayerns so, als würde eine Lektüre
den Leser in einen hirnbefreites, im Stechschritt marschierendes
Monstrum verwandeln? Damit gesteht man dem Werk eine fast mystische Aura
zu, die es gar nicht verdient.