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Zeitgeschichte im Film Die Maus und die Macht

18.05.2011 ·  In Cannes wird ein Film über Sarkozy gezeigt, einer über Usama Bin Ladin ist im Gespräch, und die Coen-Brüder denken über eine Verfilmung der Affäre Dominique Strauss-Kahn nach. Wäre diese Regie-Besetzung richtig?

Von Andreas Kilb
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Früher dauerte es einige Zeit, bis sich das Kino der großen Männer annahm, bis, beispielsweise, John Ford die Taten des jungen Mr. Lincoln oder Franklin Schaffner die Schlachten des Generals Patton in Bilder fasste und Oliver Stone die Umstände von Kennedys Tod rekonstruierte. Diese Denkpause zwischen der historischen Wirklichkeit und ihrer Verfilmung können sich heutige Regisseure nicht mehr leisten.

Gerade hatte in Cannes der Film „La Conquête“ über den Aufstieg Nicolas Sarkozys ins Amt des französischen Staatspräsidenten Premiere (siehe Sarkozy in Cannes: Kleiner Mann, ganz groß), und schon wird öffentlich über eine Kinobiographie des verhafteten IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn nachgedacht, etwa durch die Brüder Coen, denen ein Kritiker der „Inrockuptibles“ diesen „kafkaesken“ Fall ans Herz legen will.

Mit Sinn fürs Kafkaeske

Auch die amerikanische Regisseurin Kathryn Bigelow ist mit ihrem Film über Usama Bin Ladin der Zeitgeschichte hart auf den Fersen: Dasselbe Einsatzkommando, das den Terroristenführer Anfang Mai in seinem pakistanischen Versteck aufspürte, stand schon lange im Zentrum ihres Projekts. Das vierzigminütige Feuergefecht, bei dem Bin Ladin starb, wird gerade ins Drehbuch eingearbeitet, auch die Suche nach Darstellern hat begonnen.

Worum es wirklich geht in diesen Geschichten, hat Xavier Durringer, der Regisseur des Sarkozy-Films, auf den Punkt gebracht: „Wie eine kleine Maus“ setze er den Zuschauer „mitten in die Geheimnisse der Eroberung der Macht“. Bei Bin Ladin und Strauss-Kahn käme der Kick hinzu, die Mächtigen scheitern zu sehen, den einen an seinem Vernichtungswillen, den anderen an seiner Gier. Man fragt sich nur, ob die Coens mit ihrem Sinn fürs Kafkaeske nicht doch die besseren Regisseure für den Bin-Ladin-Film wären – und Kathryn Bigelow, die Frau, die uns das Surfer- und Bankräuber-Drama „Gefährliche Brandung“ geschenkt hat, die Richtige für den Mann vom Internationalen Währungsfonds.

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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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