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Zeitgeschehen Enzyklopädie des Weltbrands

 ·  „Mondes Rebelles“ ist eine einzigartige Enzyklopädie der politischen und ethnischen Konflikte rund um den Erdball.

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In New York schlagen muslimische Selbstmordattentäter zu, auf Bali muslimische Extremisten, in Moskau tschetschenische Rebellen. Allmählich wird offenbar, was Experten seit langem feststellen: dass es auf der Welt zwar immer weniger zwischenstaatliche Kriege gibt, dafür aber immer mehr Bürgerkriege und dass uns diese „kleinen Kriege“, wie sie der englische Militärstratege Chatwell im 19. Jahrhundert nannte, irgendwann einholen.

Jetzt haben sie die Zentren der westlichen Welt und ihre touristischen Satelliten erreicht. Wer dieser Tage verreist oder einfach verstehen will, was auf der Welt passiert, der wünscht sich ein Nachschlagewerk, das die Kampfzonen dieser Erde einmal alle versammelt. Der Zufall will es, dass es dieses Nachschlagewerk schon gibt. Es ist so dick wie die Bibel und trägt den Titel „Mondes Rebelles. Guerillas, Milices, Groupes Terroristes. Encyclopédie des acteurs, conflits & violences polititiques“.

Die Akteure stehen im Mittelpunkt

Das voluminöse Paperback, für das es im deutschsprachigen Raum kein Pendant gibt, wird seit Jahren von dem französischen Politologen Jean-Marc Balencie und dem Journalisten Arnaud de la Grange bei den Editions Michalon herausgegeben. Akribisch wie nirgendwo sonst sind auf 1.600 kleinbedruckten Seiten Tausende von Konflikten auf der ganzen Welt versammelt, gegliedert nach Kontinenten und aufgefächert in Länder und Regionen: von Ruanda bis Chiapas, von Somalia bis zum Jemen. Religiöse und ethnische Konflikte werden ebenso erklärt wie soziale Konflikte und Unabhängigkeitskriege. Die Akteure der jeweiligen Bürgerkriege und ihre Interessen werden ausführlich vorgestellt - so die unzähligen Guerilla-Gruppen Kolumbiens und die Dschihad-Kämpfer Indonesiens.

Trotz der Abscheu, die man angesichts der Geiselnahmen und Terroranschläge dieser Tage empfindet, ist es wohltuend, dass die Herausgeber und ihr Autorenstab unterscheiden zwischen Terroristen, Guerillas, ethnischen Milizen, Partisanen und paramilitärischen oder mafiosen Gruppierungen. Meistens, so lernen wir, sind in Bürgerkriegen all diese verschiedenen Akteure am Werk - mit ihren jeweils eigenen Interessen.

Tschetschenien - Konflikt mit Vorgeschichte

Diesem einzigartigen Buch liegt die an sich banale Erkenntnis zugrunde, dass die Welt reich an ungelösten Konflikten ist. Diese Konflikte werden heute jedoch allzu gerne verdrängt, wie die Geiselnahme in Moskau zeigte, und bringen sich früher oder später in Erinnerung. Wer in der aktuellen Ausgabe von „Mondes Rebelles“, die gerade erschienen ist, unter dem Stichwort Tschetschenien nachsieht, wird daran erinnert, welche lange Vorgeschichte der Konflikt mit der russischen Zentralmacht hat. Er reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert und brach im 20. Jahrhundert mehrfach auf, zuletzt im Zweiten Weltkrieg, als Stalin das tschetschenische Volk nach Sibirien und Zentralasien deportieren ließ.

Von aktuellem Interesse ist auch das Kapitel über Saudi-Arabien. Es schildert die Wechselwirkung zwischen dem saudischen Regime und radikal-islamischen Gruppen im Land. Überraschend ist ein Blick in das Kapitel Indonesien. Hier werden viele Rebellen- und Terroristen-Gruppen erwähnt, aber den gerade verhafteten Moslemführer Abu Bakar Bashir sucht man vergeblich. Auch Experten scheinen nicht jede potentielle Gefahr zu kennen. Auf dem Klappentext wird damit geworben, dass in die aktuelle Ausgabe „neue Länder aufgenommen wurden“: Usbekistan, Namibia und Kirgisistan.

So makaber der Hinweis klingt: Man tut wohl gut daran, sich diese Länder einzuprägen, bevor sie selbst an sich erinnern.

Mondes Rebelles. Guerillas, Milices, Groupes Terroristes. Encyclopédie des acteurs, conflits & violences politiques. Nouvelle edition revue et augmenté. Editions Michalon. 45 Euro

Quelle: @hc
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