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Zahlungssysteme im Internet Wir können uns das Geld erfinden

Was mit dem Euro passiert, wissen wir nicht. Wir sehen ihn auch immer seltener. Hin und wieder tauschen wir ihn gegen elektronisches Geld ein. Immer öfter erzeugt der Computer das Geld aber auch selbst.

© dpa In dieser Woche wurde ein neuer Fünf-Euro-Schein vorgestellt. Verwenden werden wir ihn immer seltener.

Der Strom, den wir heute zum Online-Einkaufen benötigen, kommt genau so wenig spontan aus der Steckdose, wie die Pakete dann einfach so auf dem Treppenabsatz oder in der Packstation liegen. Zeit und Raum müssen stattdessen überbrückt werden. Was dabei genau passiert, wissen wir nicht, auch wenn wir in dieser Woche eine Ahnung von dem Treiben des größten Online-Händlers bekamen.

Aber nicht nur der Güterverkehr birgt Geheimnisse in sich. Auch das Geld verhält sich immer merkwürdiger, ist zuweilen als solches gar nicht mehr zu erkennen. In dieser Woche wurde berichtet, dass der Einkauf vor Ort den Einzelhandel noch immer dominiert. Aber schon ein Zehntel der Einkäufe werden inzwischen im Internet erledigt. Die Hälfte davon wiederum wird noch traditionell per Rechnung oder Lastschrift bezahlt. Bleiben aber doch 17 Milliarden Euro, die allein in Deutschland auf neuen Wegen und in neuen Formen wandern. Aber wie?

Die Banken fürchten sich vor dem neuen Geld

Die Antwort konnten auch die Banken lange nicht geben, weil sie die Frage ignorierten. Nun haben sie Angst. Wie in dieser Woche zu erfahren war, plagt sie die Furcht sogar erstmals mehrheitlich. Die Sorgen beziehen sich dabei direkt auf das eigene Kerngeschäft, das 51 Prozent der befragten Banken nun von zahlungswilliger Konkurrenz mit Benutzerfreundlichkeit aber ohne Banklizenz bedroht sehen.

Wie man diese Unsicherheiten in praktische Ideen umwandelt, die wohl nicht funktionieren werden, aber erste neue Kreativität beweisen, zeigten in dieser Woche Twitter und American Express. Nutzer sollen einen bestimmten Hashtag twittern, um Interesse zu bekunden, und mit einem zweiten Tweet Zahlungen auslösen können. Ihre Kreditkartendaten benötigen die Kunden für die einzelnen Einkäufe dann nicht mehr. Sie müssen nur einmal neben Name, Bild und Passwort im Twitter-Profil hinterlegt werden.

Eine andere Idee stellte der Onlinehändler Amazon vor: Das Geld selbst solle ab Mai einmalig umgetauscht und danach in Form einer eigenen Währung im Onlinekaufhaus ausgegeben werden. Gebunden wird die „Virtuelle Währung“ an den Tabletcomputer Kindle, den Amazon selbst vertreibt und mit Inhalten aus dem eigenen Sortiment füttert. Die Hoheit über das Geld ist die letzte, die Amazon im eigenen Kosmos noch fehlt.

Bald bezahlen wir mit Spielgeld

Das klingt verwegen, doch die Spielgeld-Idee ist nicht neu und der Begriff nicht einmal falsch gewählt. Schon „Second Life“ begründete vor Jahren den „Linden Dollar“, die Alternativwährung der Parallelwelt. In „World Of Warcraft“ gibt so ein ebenso hauseigenes und raffiniertes Zahlungssystem, das allerdings fest an die Maschinenwelt gebunden ist.

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Zwingend auf diese Welten begrenzt sind die Währung heute allerdings nicht mehr. In Amerika gibt es, so lernten wir diese Woche, inzwischen Möglichkeiten, Pizzalieferanten mit Bitcoins zu bezahlen. Das echte Geld wird unterdessen zu teuer. Weil der Penny in der Herstellung 2,4 Penny kostet, dachte selbst das Weiße Haus in dieser Woche darüber nach, ihn abzuschaffen. Die Bitcoins für die Pizza dagegen kommen direkt aus der Maschine, sie werden nämlich von der Prozessorleistung der Computer selbst geschöpft. Der Einsatz der dafür notwendigen Energie ergibt den Ertrag an inzwischen echtem Geld. Das Vertrauen in die Währung garantieren dabei weder ein Staat noch eine Organisation, sondern am ehesten noch die Erklärungen in der Wikipedia daüber.

Quelle: FAZ.NET

 
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