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Zahlenspiele „Die anderen haben besser gerechnet“

23.09.2002 ·  Nirgendwo war der Wahlabend so spannend wie bei der ARD. Deren Umfrage-Werte machten Edmund Stoiber zum Kanzler der Herzen.

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Bei Schalke 04 war es im Mai 2001 ein Mitarbeiter des Privatsenders Premiere, der den Club zum Meister machte: Um 17.17 Uhr teilte er dem Schalke-Manager Rudi Assauer mit, dass das Bayern-Spiel in Hamburg beendet war und der HSV gewonnen hatte. Das ganze Schalker Stadion jubelte - und verfolgte etwas irritiert das Geschehen auf der Videowand, wo Bayern doch noch spielte und den Ausgleich schaffte. Und wieder mal den Titel holte.

Sollte sich Edmund Stoiber irgendwann am Wahlsonntag 2002 sicher gewesen sein, er werde Schröder als Kanzler ablösen, dann verdankte er dies der ARD. Deren Partner Infratest dimap sah die Union sowohl in der Prognose als auch in den ersten Hochrechnungen klar vor der SPD; zeitweise lagen 2,5 Prozent zwischen beiden Parteien. Ohne die ARD-Werte hätte Stoiber seinen Anhängern kaum so freudestrahlend verkündet, dass „wir die Wahl gewonnen haben“.

Vorsicht, Zahlen!

Die Infratest-Konkurrenten Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) mit ihrer Prognose und Forsa (RTL, Sat.1) mit der zweiten Hochrechnung sahen hingegen schon früh den Gleichstand beider Parteien voraus. Auch dort sollten die Zahlen immer wieder leicht schwanken, nur bei der ARD aber wechselte die Regierungsmacht von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb und wieder zurück - auch wenn Jörg Schönenborn, der die Zahlen zu verkünden hatte, stets darauf hinwies, sie seien „mit Vorsicht zu genießen“. Dass bei ihm die Union so viel deutlicher vorne lag als bei den anderen Sendern, suchte Schönenborn sich und den Zuschauern unter anderem damit zu erklären, dass die bayerischen Wahlbezirke womöglich schneller ausgezählt worden seien.
Immerhin war so der Wahlabend für die Zuschauer, die ARD guckten, mit Abstand am spannendsten.

„Die anderen haben besser gerechnet“, gibt der ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann zu: „Wir werden mit den Kollegen von Infratest dimap reden und versuchen herauszufinden, wo der Fehler lag, falls man überhaupt von einem Fehler sprechen kann.“ Eine Mitarbeiterin von Jörg Schönenborn weist zudem darauf hin, dass die ARD für Mecklenburg-Vorpommern die präzisesten Zahlen geliefert habe. Pech, dass sich für die an jenem Abend niemand interessierte.

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