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Erbe und Identität : Worauf können die Europäer stolz sein?

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Ein wesentliches Problem ist der Mangel an Objektivität und neutraler Beschreibung der Wirklichkeit. Aus unbekannten Gründen ist die einzige Religion, die im Anfangsteil der Ausstellung auftaucht, das Christentum, der einzige Begriff, der nicht neutral betitelt, sondern sofort bewertet wird („Allgegenwart des Christentums“). Judentum und Islam werden vollends ausgelassen. Die Darstellung enthält auch sachliche Fehler, wie zum Beispiel die absurde Aussage, das Christentum sei in Europa im Mittelalter auf den Plan getreten, sowie stark ideologisch gefärbte Aussagen wie diese: Das Christentum dominiere auf dem Kontinent, sei jedoch glücklicherweise auf dem Rückzug.

Dagegen weckt der Kommunismus, eine verbrecherische Idee, die Dutzende Millionen Menschen das Leben gekostet hat, bei den Ausstellungsmachern deutliche Sympathien. An einer Stelle fragen sie, ob der Kommunismus nur ein missglücktes Experiment gewesen sei oder ob er immer noch eine Zukunft habe. Für Angehörige der Völker, die unter dem kommunistischen Terror gelitten haben, ist es beleidigend, hundert Jahre nach 1917 im Herz des freien, demokratischen Europas eine Ausstellung mit dieser Botschaft zu sehen.

Meinungen und Kommentare treten vielerorts an die Stelle sachlicher historischer Angaben, was die Ausstellung weniger überzeugend macht, selbst dort, wo sie keinen Zweifel weckt. So ist es im Fall des Kolonialismus, wo die Autoren die negativen Auswirkungen erörtern, aber sich nicht die Mühe gegeben haben, Zahlen zu nennen, etwa der Opfer belgischer, deutscher oder britischer Verbrechen in den jeweiligen Kolonien.

Der Holocaust, fehlt in der Ausstellung fast völlig. Das äußerst bescheidene Element, das ihm gewidmet ist, muss viele Europäer überraschen, die gut wissen, dass gerade die Erfahrung unvorstellbarer Verbrechen mit dem größten an der Spitze beim Beginn der europäischen Integration Pate gestanden hat. Andere Verbrechen des Völkermords (an den Sinti und Roma, an den Ukrainern während der großen Hungersnot) fehlen völlig. Überhaupt ist der Teil über den Zweiten Weltkrieg erheblich unterbewertet; die Rolle der Sowjetunion bei seinem Ausbruch (Hitler-Stalin-Pakt) ist praktisch nicht wahrnehmbar.

Fehlerhafte Darstellung

Die Darstellung des Kalten Krieges ist oberflächlich und verzerrt – obwohl man ihm viel Platz gegeben hat. Der Kalte Krieg wird als Rivalität zweier gleichwertiger Blöcke dargestellt, ohne die Unterscheidung, dass er ein Konflikt der Welt der Demokratie und der europäischen Werte mit einem aufgezwungenen totalitären System war.

Höhepunkt dieser Botschaft ist das Jahr 1989, das man als Triumph der europäischen Werte hätte darstellen können, als Ende der künstlichen Teilung des Kontinents und Integration der Völker, die gegen ihren Willen hinter dem Eisernen Vorhang geblieben waren, in das Werk der europäischen Einigung. Als Augenblick, in dem das „Imperium des Bösen“ spektakulär überwunden wurde und Millionen Menschen die erhoffte Freiheit erlangen konnten. Stattdessen sehen wir einen belanglosen Film, der zwar nicht erklärt, warum der Kommunismus fiel, der uns jedoch dafür mitteilt, es sei hauptsächlich in Deutschland geschehen.

So ist die ganze Erzählung der Ausstellung nicht nur fehlerhaft, sondern der Idee der europäischen Integration und einer gemeinsamen Identität sogar abträglich. Für viele Menschen, die sich auf europäische Werte und das Erbe der Vielfalt des Alten Kontinents berufen, wird sie unannehmbar sein. Sie erhalten im Museum eine Botschaft, der zufolge sie sich dafür schämen sollten, dass sie ihren jeweiligen Völkern angehören, dass sie Erben der jüdisch-christlichen Tradition sind und außerdem sämtliche Verbrechen der letzten 200 Jahre auf dem Buckel haben. Diese Botschaft ist Wasser auf die Mühlen aller, die der EU vorwerfen, sie wolle die europäischen Gesellschaften ihrer nationalen Identität berauben und eine homogene Menschenmasse schaffen, ähnlich wie die Sowjets als Sozialingenieure den Homo Sovieticus schaffen wollten. Wer das Haus der Europäischen Geschichte besucht hat, dem wird es schwerfallen, solche Argumente zu entkräften.

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