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Wolfgang und Hans Dieter Beck : Zwei deutsche Brüder

Ein Foto, das die beiden Beck-Brüder zusammen zeigt, war nicht zu finden. Hier, bei der Münchner Jubiläumsfeier im September dieses Jahres, hat sich Oberbürgermeister Ude (Mitte) zwischen Wolfgang (links) und Karl Dieter Beck positioniert - mit auf dem Bild sind auch Uwe Wesel (links außen) und Stefan Rebenich Bild: Schmitt, Tobias

Sie leiten einen der ältesten Verlage des Landes. Öffentlich streiten sie sich nie. Bei der Jubiläumsfeier des C.-H.-Beck-Verlags kam es trotzdem zum Eklat: Es geht um die Nazi-Vergangenheit des Hauses.

          Dieser Verlag war schon immer da, beinah so lange wie Deutschland. In ihm lebte die Aufklärung, später auch das Dritte Reich, und jetzt wohnt dort die Gegenwart. Und auch seine Adresse ist fast immer dieselbe geblieben: München-Schwabing, Wilhelmstraße.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ganz in der Nähe sitzt Wolfgang Beck in einem Restaurant und wird gleich Mittag essen. Seine grauen Haare ragen fast wie ein Amboss in die Höhe. „Wenn man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, versteht man das Heute und sich selbst wesentlich besser“, sagt er und meint damit die Vergangenheit seiner Familie, die Vergangenheit seines Verlags, der dieses Jahr ein Vierteljahrtausend alt geworden ist. Deshalb erschien im Herbst eine zweibändige Beck-Monographie - zwei Bücher, zwei Autoren, zwei unterschiedliche Geschichtsverständnisse und auch zwei Auftraggeber.

          Der eine, Wolfgang Beck, leitet den kulturwissenschaftlichen Verlag. Der andere ist sein älterer Bruder Hans Dieter Beck, zuständig für die juristischen Veröffentlichungen. Die Brüder, die seit Jahrzehnten schon im Streit leben sollen, sind so verschieden wie die zwei Verlagsgeschichten. Und hat man sie gelesen - den kulturwissenschaftlichen Band des Althistorikers Stefan Rebenich und den juristischen des Rechtshistorikers Uwe Wesel -, glaubt man es kaum, dass diese Bücher in ein und demselben Verlag erschienen sind.

          Gibt es eine Verabredung zum Schweigen?

          Auf der Buchmesse in Frankfurt kam es deshalb zu einem bizarren Streit zwischen den Autoren - einem Konflikt, in dem sich auch das zerrissene Verhältnis ihrer Auftraggeber spiegelte. Und dabei ging es ausgerechnet um die Nazi-Zeit. Bei einem Empfang im „Hessischen Hof“ sollten sich die Historiker über den Verlag in Nazi-Deutschland unterhalten. Stefan Rebenich, der Autor Wolfgang Becks, machte zunächst deutlich, dass C. H. Beck von dem Hitler-Regime profitierte.

          Hier wurde der Streit öffentlich: Uwe Wesel (links) und Stefan Rebenich (rechts) haben je einen eigenen Band zur Verlagsgeschichte vorgelegt. Beim Gespräch auf der Buchmesse hatte der Moderator Jens Bisky (Mitte) reichlich Mühe, die Kampfhähne in Schach zu halten.
          Hier wurde der Streit öffentlich: Uwe Wesel (links) und Stefan Rebenich (rechts) haben je einen eigenen Band zur Verlagsgeschichte vorgelegt. Beim Gespräch auf der Buchmesse hatte der Moderator Jens Bisky (Mitte) reichlich Mühe, die Kampfhähne in Schach zu halten. : Bild: Fiechter, Fabian

          In einer irren Übersprunghandlung argumentierte Uwe Wesel, den Hans Dieter Beck beauftragt hatte, dann plötzlich mit seiner eigenen Mitgliedschaft in der HJ und unterstellte Rebenich auch noch, dass er zu jung sei, um diese Epoche beurteilen zu können. So berichten es zumindest diejenigen, die da waren.

          Von der Nazi-Vergangenheit des Verlags wird Wolfgang Beck am Nachmittag erzählen. Die Buchmessensituation erklärt er aber schon im Restaurant für uninteressant, genauso wie sein älterer Bruder wenige Stunden später. Fast so, als ob es zwischen den Geschwistern eine Verabredung zum Schweigen gäbe. Denn auf jenem Buchmessenempfang wurde der Brüderstreit so deutlich wie noch nie. Grund dafür war einerseits die moralische Bewertung C. H. Becks im Deutschland unter Hitler, die sowohl die Brüder als auch ihre Autoren unterscheidet. Andererseits auch die Begrüßungsrede Hans Dieter Becks, mit der er seinen jüngeren Bruder offensichtlich vorführen wollte.

          Bücher brauchen einen Ort

          Und auf den Älteren angesprochen, zögert Wolfgang Beck tatsächlich. Während seine Augen die Decke des Restaurants suchen, spricht er dann doch. „Das Verhältnis zwischen den Brüdern ist nicht besonders harmonisch“, sagt er, obwohl er nichts sagen will. „Glücklicherweise haben wir ganz unterschiedliche Arbeitsgebiete, und so haben wir es über all die Jahre doch recht gut miteinander ausgehalten.“ Dann kommt die Kellnerin, und Wolfgang Beck bestellt einen Heilbutt, weil er schon lange keinen Fisch gegessen hat. Am Abend wird sein Bruder das Gleiche über Fisch, etwas ganz anderes aber über ihr Verhältnis sagen.

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