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Wolfgang Clement Nur konsequent

 ·  Wolfgang Clement verkündet seinen Austritt aus der SPD und will jetzt Sozialdemokrat ohne Parteibuch sein. Seine Anhänger finden das „nur konsequent“. Es ist jedoch die Konsequenz eines Politikers, der es zuletzt nur noch darauf abgesehen hatte, den größtmöglichen Schaden zu hinterlassen.

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Jedermann weiß, was Wolfgang Clement gesagt hätte, wenn die Sache anders ausgegangen wäre, wenn die Bundesschiedskommission der SPD den Spruch der nordrhein-westfälischen Landesschiedskommission bestätigt und Clement aus der Partei ausgeschlossen hätte. Er lasse sich das nicht gefallen, hätte Clement dann verkündet, er trage seine Sache nach Karlsruhe oder gleich ans himmlische Oberparteigericht unter dem Vorsitz von Willy Brandt.

Nun folgt der Schlagzeile „Clement darf in der SPD bleiben“ die Nachricht, dass Clement gar nicht daran denkt, in der SPD zu bleiben. Man stelle sich zum Vergleich vor, Benedikt XVI. höbe das Lehrverbot für Hans Küng auf und einen Tag später träte dieser ans Tübinger Katheder, um der Weltpresse mitzuteilen, er könne dem Papst schon lange nichts mehr glauben. Von den Clement-Fans, die sich in den nichtsozialdemokratischen Parteien organisiert haben, wird auch sein jüngster Schritt mit der Formel „nur konsequent“ gefeiert werden. Konsequenz ist eine in der Machtsprücheklopferszene der Marktwirtschaftsinitiativen und Pensionärskonvente geschätzte Tugend, die Clement dadurch unter Beweis stellt, dass er zu allen sozialdemokratischen Ideen eine Weltuntergangsmiene zieht.

Die Ein-Mann-Sozialdemokratie

Nun kann man seinem Handeln Folgerichtigkeit nicht absprechen; aber besser beschreibt man sie als Rücksichtslosigkeit eines Typs, den man eher aus der Kriminalpsychologie kennt: vom Anlagebetrüger, der vor der Enttarnung noch ein paar Millionen verjuxt, oder vom habituellen Rauschfahrer, der sich einen Abschiedsschnaps einpfeift. Offenkundig hatte Clement es im Parteiordnungsverfahren zuletzt nur noch darauf abgesehen, den größtmöglichen Schaden zu hinterlassen. Er sah zu, wie die Parteiführung (jetzt ist auch der neue Vorsitzende schon wieder beschädigt) sich für ihn einsetzte, erschien nicht zur Verhandlung und ließ seinen Rechtsbeistand Schily nicht erklären, dass er eine Rüge nach wie vor nicht akzeptieren werde.

Im Rückblick zeigt sich, dass das Landesschiedsgericht nicht nur in der politischen Bewertung des Falls, sondern auch in der Charakterfrage richtig lag, als es wegen Clements Uneinsichtigkeit keine andere Sanktion als den Ausschluss verhängen zu können meinte. Gleichwohl liegt Weisheit darin, dass die Bundeskommission die Rüge der Unterbezirksinstanz wiederherstellte und es Clement überließ, seine destruktive Energie konsequent gegen sich selbst zu richten. Clement will jetzt Sozialdemokrat ohne Parteibuch sein. Werbegeschenk für Neubeigetretene: Dauerkarte der Ein-Mann-Fußballbundesliga oder CD-Box mit Werken großer Komponisten für Triangel solo.

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Jahrgang 1967, Feuilletonkorrespondent in New York.

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