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Rezension: Sachbuch : Nur zum Spaß

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Linus Torvalds/David Diamond: Just for Fun - Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte. Carl Hanser Verlag, München 2001, 295 Seiten, 39,80 DM.Der finnische Student Linus Torvalds wollte sich eigentlich nur die Arbeit erleichtern. In diesem Sinn ist er vergleichbar mit dem Deutschen Konrad Zuse. Aus ...

          Linus Torvalds/David Diamond: Just for Fun - Wie ein Freak die Computerwelt revolutionierte. Carl Hanser Verlag, München 2001, 295 Seiten, 39,80 DM.

          Der finnische Student Linus Torvalds wollte sich eigentlich nur die Arbeit erleichtern. In diesem Sinn ist er vergleichbar mit dem Deutschen Konrad Zuse. Aus dessen Abneigung, immer wieder dieselben Rechenoperationen per Hand abzuwickeln, ist Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine Rechenmaschine entstanden, die noch heute als Vorläufer der ersten Computer gilt. Der Finne wollte ein umkompliziertes Betriebssystem für Personalcomputer, das seinen Bedürfnissen entsprach und wenig kostete. Am Markt war so etwas Ende der achtziger Jahre nicht erhältlich. Deshalb hat er selbst eines programmiert und - noch im Stadium des Entstehens - Freunden und anderen Computer-Freaks zum Überprüfen und Ergänzen gegeben. Daraus wurde "Linux". Damit hat Torvalds die Rechenwelt revolutioniert wie seinerzeit Zuse - ebenso wie dieser völlig unbeabsichtigt. Es gibt noch eine andere Gemeinsamkeit zwischen dem 1999 verstorbenen Deutschen und dem jetzt in Kalifornien lebenden Vater von drei Töchtern: für beide ist kaufmännischer Ehrgeiz nebensächlich.

          Wie Linus Torvalds, nach eigenem Bekunden ein häßlicher Junge mit gelbbraunem Haar, einer großen Nase, kurzsichtigen blauen Augen und guten Schulnoten, für die er nicht allzuviel tun mußte, zum Computer-Freak wurde und schließlich auf die Idee kam, ein PC-Betriebssystem zu programmieren, das dem Chef des mächtigen Microsoft-Konzerns Albträume verursacht - all das hat er zusammen mit dem Journalisten David Diamond aufgeschrieben. Das Buch besteht aus der Niederschrift von Gesprächen der beiden und aus eigenen Kommentaren des "Gurus" der Linux-Gemeinde, die sich auf die Welt im allgemeinen und die Finnen im besonderen beziehen. Das Hauptanliegen Torvalds', des "Stars wider Willen", war dabei, ein "Spaß-Buch" zu gestalten, ein Buch, das ihm selbst beim Abfassen und dem Leser bei der Lektüre Spaß machen sollte. Das ist ihm gelungen.

          Es ist wirklich vergnüglich zu verfolgen, wie der elfjährige Linus am Heimcomputer Commodore VIC-20 seines Großvaters lernte, daß man diesen Rechenknechten durch Befehle in der Computersprache "Basic" seinen Willen aufzwingen kann - zumindest in gewissem Rahmen. Wenn andere Jungs nachts heimlich Playboy-Heftchen unter der Bettdecke lasen, schlich er sich ebenso heimlich an den Computer. Später, als Student an der Universität Helsinki, nutzte er die Nacht-(und die Tages-)Stunden, um auf der Grundlage des ATT-Systems "Unix" ein für alle Interessenten frei zugängliches und nutzbares Betriebssystem für Personalcomputer zu entwickeln.

          Daß daraus "Linux", der erste frei verfügbare Systemcode ("Open Source") werden würde oder ein PC-Betriebssystem mit zahlreichen Anwendungen, das heute sogar von IBM und anderen renommierten PC-Herstellern unterstützt wird, hat sich Torvalds bei der Freigabe der Version 0.01 im September 1991 und den folgenden Streitereien mit Besserwissern nicht träumen lassen. Genausowenig war abzusehen, daß darauf aufbauend eine Vielzahl von Unternehmen in aller Welt entstehen würde, von denen einige dem - trotz Kauf eines BMW-Cabrios - bescheiden gebliebenen Erfinder Aktienoptionen geschenkt haben, die ihn zumindest auf dem Papier zum Millionär machen.

          Spaß macht auch, zu lesen, wie es dazu kam, daß das Symbol und Maskottchen von "Linux" ein Pinguin wurde. Torvalds und seine Frau Tove streiten noch heute darüber, wer eigentlich auf die Idee gekommen war. Tatsache ist aber, daß es ein besonderer Pinguin sein sollte. Wer nicht bis Seite 151 warten will, dem sei verraten: Das Linux-Maskottchen hat deshalb einen breiten gelben Schnabel und gelbe Füße, damit es wie ein freundlich lächelnder Pinguin aussieht, der sich gerade eine Maß Bier einverleibt hat - und dessen Mutter Daisy Duck auf einer Antarktis-Kreuzfahrt dereinst intimen Kontakt mit einheimischem Federvieh aufgenommen hatte.

          INGRID HIELLE

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